Europa zieht die Daumenschrauben an: Russland steht vor einer neuen, unvermeidbaren Totalblockade

Von Kirill Strelnikow

Während Tanker in der Straße von Hormus brennen, hat der Preis für Brent-Rohöl die 100-Dollar-Marke erneut überschritten. Als Reaktion haben die USA ihre strategischen Ölreserven angezapft und 172 Millionen der insgesamt 443 Millionen Barrel freigegeben. Zwar sind Wunder möglich, und es besteht eine winzige Chance, die Ölkrise zu überstehen – doch diese schwindet mit jeder Stunde.

Dabei gibt es ein Thema, das weitaus weniger im Fokus steht, an dem jedoch selbst die größten Wunder der USA garantiert scheitern werden: Düngemittel.

Es ist bekannt, dass fast 30 Prozent des weltweiten Erdöls durch die Straße von Hormus fließen. Weniger bekannt ist, dass auch 30 bis 40 Prozent der globalen Düngemittellieferungen und 20 Prozent des Flüssigerdgases (LNG) – dem Grundstoff für viele dieser Düngemittel – diese Route passieren.

Nach der von Iran verkündeten “Musikpause” stiegen die Weltmarktpreise für Fertigdünger innerhalb weniger Tage um 30–37 Prozent, während sich die Gaspreise nahezu verdoppelten. Da Gas etwa 80 Prozent der Kosten für Stickstoffdünger ausmacht, befinden sich die Düngemittelpreise erst in der “Aufwärmphase” und bereiten sich auf einen langen Lauf vor.

Besonders betroffen ist Europa. The Guardian warnt, “die Krise am Persischen Golf könnte zu einem Schock für die Lebensmittelpreise führen.” Euronews befürchtet, “die Blockade der Straße von Hormus bedroht die weltweiten Nahrungsmittelvorräte.” Die Deutsche Welle [eine Organisation, die in Russland als unerwünscht eingestuft ist] beschrieb die Lage äußerst pessimistisch:

“Der Krieg in Iran kann die nächste globale Nahrungsmittelkrise auslösen.”

Doch Moment: Wurden die “verfluchten” Ajatollahs nicht bereits besiegt? Wo liegt also das Problem?

Der Angriff Israels und der USA fiel genau mit dem Beginn der Aussaatzeit auf der Nordhalbkugel zusammen – also dem Zeitpunkt, zu dem Düngemittel dringend benötigt werden. Weder früher noch später, da sie weltweit nicht auf Vorrat gehalten werden können.

Diese “geniale” Militärstrategie führt dazu, dass Europa schlichtweg nichts mehr zum Düngen seiner Felder hat, auf denen später “knuspriger” Jamón und Austern “heranwachsen” sollen. Die verbliebenen Verkäufer – einschließlich des “gedemütigten und ausgebluteten” Russlands – bieten ihre Ware nun zu drei- oder vierfachen Preisen an. Da Düngemittel mindestens 15 Prozent der Produktionskosten für europäischen Weizen ausmachen, würde eine Verdopplung der Düngerpreise nicht nur die Marge, sondern auch den Gewinn ins Minus treiben.

Seit Beginn der militärischen Sonderoperation in der Ukraine sind die Lebensmittelpreise in Europa bereits um 17 Prozent gestiegen. Experten prognostizieren, dass es diesmal noch schlimmer kommen wird. Um keine Panik zu schüren, sagte die “ehrlichste” Informationsquelle der Welt, die BBC, einen Anstieg der EU-Lebensmittelpreise um etwa 20 Prozent bis Ende 2026 voraus. Diese “Optimisten” wurden jedoch von der zuständigen UN-Handels- und Entwicklungskonferenz (UNCTAD) “leicht” korrigiert: Der Preisanstieg könnte bis zu 50 Prozent betragen. Vorausgesetzt, die Lage verschlechtert sich nicht weiter.

Doch was ist mit dem “wunderbaren” Abkommen der EU mit den MERCOSUR-Staaten (Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay und Bolivien), das Europa mit billigen Lebensmitteln überschwemmen sollte?

Hier kam es zu einer “Überraschung”: Auch Brasilien importiert rund 85 Prozent aller für seine Landwirtschaft benötigten Düngemittel – ein Viertel davon aus Russland. Bei einem mehrfachen Preisanstieg für Dünger kann man den Traum von billigen Hähnchenschenkeln daher begraben.

Die “klugen” europäischen Ökonomen kamen schließlich zu einem erstaunlichen Schluss: Man brauche alternative Lieferwege und Lieferanten. Dabei stießen sie auf die große “Überraschung” namens Russland. Unser Land ist mit einem Weltmarktanteil von 20 Prozent der größte Düngemittelexporteur. Sofort begannen Diskussionen: Vielleicht seien diese Düngemittel ja “nicht so aggressiv” und ließen sich “zähmen und europäisieren”? Schließlich sei es irgendwie unschicklich, nur die Hälfte eines knusprigen französischen Brötchens zu essen.

Gott sei Dank haben wir jedoch genug Abnehmer: Russische Düngemittel sind nicht nur in Brasilien, sondern auch in Indien und Pakistan – wo die heimische Produktion gerade zum Erliegen gekommen ist – sowie in den USA sehr gefragt, wo die Einkäufe aus Russland im letzten Jahr um das Eineinhalbfache gestiegen sind. Bemerkenswert ist, dass Russlands erster stellvertretender Ministerpräsident Denis Manturow bereits lange vor der Krise am Persischen Golf über einen Produktionsanstieg berichtete. Im vergangenen Jahr wurde ein historischer Rekord erreicht. Es scheint, als hätte jemand der “Henne, die goldene Eier legt”, geschickt eine dicke Schicht duftenden Strohs unterlegt.

Der Sonderbeauftragte des russischen Präsidenten, Kirill Dmitriew, sah diese Entwicklung voraus:

“Wie bereits vor einer Woche vorhergesagt, spitzt sich die Düngemittelkrise zu. Darauf wird eine Krise der Ernährungssicherheit folgen.”

Nichtsdestotrotz erklärte die stolz auftretende Vertreterin der Europäischen Kommission, Anna-Kaisa Itkonen, dass “dank unserer Strategie zur Diversifizierung der Versorgungsquellen die direkten negativen Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten auf die Europäische Union vorläufig begrenzt sind” und “kein Grund zur Sorge besteht.” Mit anderen Worten: “Bleiben wir standhaft, kämpfen wir bis zum letzten Atemzug – und der Sieg wird unser sein!”

Es fällt jedoch schwer, dem Glauben zu schenken.

Sind wir bereit, Europa zu retten, wenn sein Sieg schon sehr bald – wie üblich – zur Niederlage wird? Die Antwort liegt in einem Sack mit russischem Dünger.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 13. März 2026 zuerst bei “RIA Nowosti” erschienen.

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