Iran zündet die nächste Bombe: Bab al-Mandab wird zum geopolitischen Pulverfass gegen die USA

Von Geworg Mirsajan

Der aktuelle Konflikt zwischen den USA und Iran stellt für die Islamische Republik eine existenzielle Herausforderung dar. Aus diesem Grund setzt sich die iranische Führung heute, anders als in den Auseinandersetzungen des Frühjahrs 2025, mit allen verfügbaren Mitteln zur Wehr. Teheran greift nicht nur militärische Ziele der USA und ihrer Verbündeten an, sondern hat auch jene mobilisiert, die Irans neues Staatsoberhaupt Modschtaba Chamenei als “beste Freunde” bezeichnet – seine Stellvertreter aus der sogenannten Achse des Widerstands. Dies ist ein von Iran geschaffenes oder finanziertes Netzwerk von Gruppierungen im Nahen Osten, das in Friedenszeiten iranische Interessen fördern und im Kriegsfall an seiner Seite kämpfen soll.

Einige Mitglieder dieser Achse sind dem Ruf bereits gefolgt. Die libanesische Hisbollah sowie mehrere Milizen im Irak sind in den Konflikt eingetreten und haben Angriffe auf israelische und amerikanische Ziele ausgeführt. Die Huthi-Bewegung aus dem Jemen hingegen hält sich bislang zurück.

Zwar betonen iranische Staatsmedien, die Huthi seien in voller Kampfbereitschaft. Die Gruppe zeigt moralische Unterstützung durch Kundgebungen und Straßenproteste. Dennoch zögert sie, aktiv in die Kampfhandlungen einzugreifen.

Nach Aussagen der Huthi sei der richtige Zeitpunkt dafür noch nicht gekommen. Der Anführer der Bewegung, Abdul-Malik al-Huthi, erklärte:

“Unsere Finger sind bereit, den Abzug jederzeit zu drücken, sobald die Lage es erfordert.”

Al-Huthi hatte zuvor mehrfach betont, ein Angriff auf Iran würde eine “sofortige und radikale Antwort” der Huthi nach sich ziehen.

Allerdings sind die Huthi nicht einfach ein weiteres Mitglied der Widerstandsachse, sondern stellen aufgrund ihres Potenzials – insbesondere ihres personellen – deren zentrales Element dar.

Die Jemeniten, die unter extrem schwierigen natürlichen Bedingungen überleben, galten bereits zu Zeiten des Propheten Mohammed als herausragende Krieger und haben sich diesen Ruf bis heute bewahrt. Eben deshalb konnte das wohlhabende Saudi-Arabien, das ihnen 2015 den Krieg erklärte, auch nach einem Jahrzehnt noch keinen entscheidenden Sieg über sie erringen.

Hinzu kommt die geostrategische Stärke der Huthi. Sie befinden sich nicht nur in der Nähe der wichtigsten Ölfelder Saudi-Arabiens, die sie jederzeit mit Raketen und Drohnen angreifen könnten, sondern kontrollieren auch den Zugang vom Roten Meer zum Indischen Ozean. Mit anderen Worten: Die Huthi haben die Möglichkeit, jederzeit den gesamten Schiffsverkehr durch den Suezkanal – eine der Hauptadern des Welthandels – zu blockieren.

Obwohl sie über ein umfangreiches Waffenarsenal verfügen, zu dem sogar Hyperschallraketen gehören, führen die Huthi derzeit weder Bombardements durch noch verhängen sie eine Blockade, selbst wenn sie ihre Absicht bekunden, die Straße von Bab al-Mandab zu sperren. Der US-amerikanische Thinktank Atlantic Council schreibt dazu:

“Diese offensichtliche Zurückhaltung der Huthi überrascht jene, die sie lediglich als Marionetten Teherans oder als eine stets gewaltbereite Gruppierung betrachten.”

Für diese Zurückhaltung gibt es derzeit mehrere Erklärungen, und es ist möglich, dass sie alle zutreffen.

Erstens mischen sich die Huthi nicht ein, weil sie dazu keine Verpflichtung sehen. Im Gegensatz zu libanesischen und irakischen Milizen erkennen sie die Oberhoheit des iranischen Oberhaupts nicht an und fühlen sich ihm nicht untergeordnet.

Außerdem sind die Huthi, anders als die Hisbollah, keine rein von Iran geschaffene Struktur, sondern eher ein Verbündeter oder bezahlter Partner. Zwar wurde Iran zu einem Schlüsselpartner der Huthi, doch in jüngster Zeit haben diese einen neuen Patron gefunden: China. Peking, das nach Kontrolle über wichtige Welthandelsrouten strebt, schätzt die strategische Lage des Jemens und investiert aktiv in das Land.

Zweitens könnten die Huthi Bedenken haben. Al Jazeera merkt an:

“Trotz der engen Verbindungen zur iranischen Achse agiert die Gruppierung in einem anderen geographischen und politischen Umfeld und sieht sich mit komplexen inneren und regionalen Faktoren konfrontiert, die jede Entscheidung über einen Kriegseintritt noch delikater machen.”

Unter anderem kontrollieren die Huthi nicht das gesamte Territorium des Jemens und sind nicht zu Schritten bereit, die nicht nur den Nahen Osten, sondern die gesamte Welt gegen sie aufbringen könnten.

Genau deshalb sind sie nicht gewillt, arabische Ölquellen leichtfertig anzugreifen. Es ist ein Unterschied, ob sie sich verteidigen, wie als Saudi-Arabien offiziell Krieg gegen den Jemen führte, oder ob sie angreifen, während Riad derzeit niemanden angegriffen hat und offiziell nicht am Konflikt beteiligt ist. Der US-amerikanische Experte Nadav Samin vom Hudson Institute erklärt:

“Saudi-Arabien unterstützt jemenitische Milizen, die darauf warten, die Macht der Huthi im Nordjemen zu stürzen, und ein falscher Schritt der Huthi könnte den Anlass dazu geben.”

Es ist ein Unterschied, das Rote Meer im Rahmen eines weltweiten muslimischen Protests gegen Israels Vorgehen in Gaza zu blockieren, oder dies nun zu tun, wo lediglich Iran angegriffen wird – ein Staat, der von nur wenigen muslimischen Ländern und nicht einmal von der gesamten jemenitischen Bevölkerung unterstützt wird. Der Atlantic Council schreibt:

“Die Beteiligung der Huthi am Krieg in Gaza steigerte ihr internationales Ansehen und erlaubte ihnen, die breite Unterstützung der Palästinenser durch die Jemeniten zu nutzen. Doch die Jemeniten sind viel weniger geneigt, Iran zu unterstützen – einen Staat mit umfassenden Ressourcen, den viele Jemeniten für eine weitere Großmacht halten, die sich in die Angelegenheiten ihres Landes einmischt.”

Ein neuer Krieg könnte die Position der Gruppierung schwächen, die sich noch nicht vollständig von den US-amerikanischen und israelischen Angriffen erholt hat, bei denen zahlreiche Waffenlager zerstört und ein Teil der Führung, darunter mehrere Regierungsmitglieder, getötet wurden.

Drittens werden die Huthi nicht aktiv um eine Einmischung gebeten. Iran ist sich bewusst, dass es in einem derart komplexen Konflikt nicht alle Trümpfe gleichzeitig ausspielen sollte. Etwas sollte in der Hinterhand bleiben, falls der Gegner zu einer weiteren Eskalation entschließt. Das US-amerikanische Middle East Institute meint:

“Teheran wird kaum zu dieser Option greifen, solange es nicht glaubt, dass das eigentliche Überleben des iranischen Regimes auf dem Spiel steht und andere Strategien Washington nicht genug unter Druck setzen.”

Oder falls es nötig werden sollte, Washington dringend und umfassend unter Druck zu setzen, um den Konflikt zu beenden.

Derzeit benötigt Iran diesen Druck nicht. Aus einer Reihe von Gründen – inneren, äußeren, religiösen und wahlbezogenen – scheint die iranische Führung entschlossen, die USA nicht aus dem Sumpf des Nahostkonflikts entkommen zu lassen. Somit hat Abdul-Malik al-Huthi recht: Der Zeitpunkt für einen Kriegseintritt der Huthi ist noch nicht gekommen. Iran behält diese Trumpfkarte vorerst im Ärmel.

Übersetzt aus dem Russischen. Zuerst erschienen am 16. März bei der Zeitung Wsgljad.

Geworg Mirsajan ist außerordentlicher Professor an der Fin

Mehr zum Thema – Iran trifft den Westen dort, wo es wirklich wehtut – beim Öl

Schreibe einen Kommentar