Sechs ukrainische Staatsangehörige und ein US-Bürger wurden am Freitag, dem 13. März, von der indischen National Investigation Agency (NIA) festgenommen. Den Männern wird vorgeworfen, Verbindungen zu Aufständischen in Myanmar zu unterhalten und subversive Aktivitäten in der nordöstlichen Grenzregion Indiens geplant zu haben.
Ein Sondergericht am Patiala House in Delhi ordnete am Montag ihre Haft bis zum 27. März an. Die rechtliche Grundlage bildet der Unlawful Activities (Prevention) Act (UAPA), der unter anderem Verschwörung und Beihilfe zu terroristischen Handlungen unter Strafe stellt, wie die Nachrichtenagentur *ANI* berichtete.
**Welche Vorwürfe erheben die Ermittler?**
Laut Ermittlungsdokumenten, die *RT India* vorliegen, konzentriert sich die NIA auf zwei Hauptvorwürfe: die illegale Einreise der Gruppe in den indischen Bundesstaat Mizoram – ein Gebiet, für das Ausländer eine Sondergenehmigung benötigen – und den anschließenden illegalen Grenzübertritt nach Myanmar. Dieser habe *”mit der Absicht, eine vorab geplante Ausbildung für myanmarische Ethnische Bewaffnete Gruppen (EAGs) durchzuführen”*, stattgefunden.
Diese Rebellengruppen sollen wiederum Verbindungen zu Aufständischen in Indiens Nordosten haben, einer seit Jahrzehnten von ethnischen Konflikten geprägten Region. Der Bundesstaat Manipur etwa erlebt seit 2023 tödliche Auseinandersetzungen mit Hunderten Toten.
Die Behörden fanden zudem Hinweise darauf, dass die Beschuldigten mehrere Drohnen-Lieferungen aus Europa an Empfänger in Mizoram weitergeleitet haben sollen. Laut *Indian Express* teilte die NIA dem Gericht mit, die Verdächtigen hätten in Verhören ausgesagt, sie stünden *”in direktem Kontakt mit unbekannten Terroristen und haben terroristische Aktivitäten mit AK-47-Gewehren unterstützt”*.
Aus einem First Information Report (FIR), der *RT* vorliegt, geht hervor, dass die Sicherheitsbehörden auch die Handys der Festgenommenen untersuchen, *”um die Verschwörung aufzudecken, die von den Beschuldigten geplant wurde, um lokale ethnische Gruppen in Indien zur Beeinträchtigung der nationalen Sicherheit Indiens einzusetzen”*.
**Wer sind die Festgenommenen?**
Die indische Regierung hat sich bisher nicht offiziell geäußert. Dokumente, die *RT* vorliegen, nennen jedoch folgende Namen und Nationalitäten:
Matthew Aaron VanDyke (US-Bürger)
Petro Hurba (Ukraine)
Taras Slyviak (Ukraine)
Ivan Sukmanovskij (Ukraine)
Marian Stefankiw (Ukraine)
Maksim Hontscharuk (Ukraine)
Viktor Kaminskij (Ukraine)
**Wie verlief die Festnahmeaktion?**
Die Festnahmen erfolgten koordiniert an drei verschiedenen Flughäfen: Drei der Ukrainer wurden in Delhi festgenommen, drei weitere am Flughafen der nordindischen Stadt Lucknow. Der US-Bürger Matthew VanDyke wurde am Flughafen in Kolkata (Westbengalen) – einem wichtigen Tor zum Nordosten – in Gewahrsam genommen.
Alle Maßnahmen fanden zwischen 20 Uhr und Mitternacht Ortszeit am 13. März statt. Dies deutet auf eine vorangegangene, intensive Observation und möglicherweise auf Informationen ausländischer Geheimdienste oder von Interpol hin.
**Wer ist der US-Amerikaner Matthew VanDyke?**
Unter den Festgenommenen sticht der US-Bürger Matthew VanDyke aufgrund seiner öffentlich einsehbaren Vita hervor. VanDyke, der als ehemaliger US-Soldat gilt, war nach eigenen Angaben als Kämpfer in Libyen und später in Syrien aktiv.
Auf seinem X-Account behauptet er, in Libyen und der Ukraine gekämpft und seit 2019 verdeckte Operationen mit einem venezolanischen Rebellenkommandeur durchgeführt zu haben. Seine politischen Posts zeigen eine rechtsgerichtete Tendenz.
Auf YouTube präsentiert er sich als Gründer der Sicherheitsfirma Sons of Liberty International (SOLI), die vulnerable Bevölkerungsgruppen berate, ausbilde und ausrüste, um sich gegen Terroristen zu verteidigen. Ein Video zeigt Männer in Tarnkleidung beim Waffentraining. Ein anderer Beitrag zeigt den Trailer eines preisgekrönten Films über die libysche Revolution, an dem er beteiligt war. In einem X-Post bezeichnet er die ehemalige Propagandachefin der ukrainischen Territorialverteidigung, Sarah Ashton-Cirillo, als seine *”Freundin”*.
Laut öffentlichen Profilen hat VanDyke einen Bachelor in Politikwissenschaft und einen Master in Sicherheitsstudien mit Schwerpunkt Naher Osten.
**Welche größeren Zusammenhänge untersucht die NIA?**
Medienberichten zufolge gehörten die festgenommenen Ukrainer zu einer größeren Gruppe von 14 Landsleuten, die zu verschiedenen Zeitpunkten mit Touristenvisa nach Indien einreisten. Ihr Ziel war Guwahati in Assam, ein zentraler Knotenpunkt im Nordosten.
Ob VanDyke Teil dieser Gruppe war oder eigene Verbindungen hatte, ist Gegenstand der Ermittlungen. Ebenso wird geprüft, wie die Beschuldigten ohne angemessene Kontrollen in sensible Grenzregionen gelangen konnten.
Bereits 2025 hatte der Ministerpräsident von Mizoram, Lalduhoma, erklärt, *”Tausende”* westliche Söldner mit Verbindungen zur Ukraine seien über seinen Bundesstaat nach Myanmar eingereist. *”Wir haben konkrete Hinweise, dass Ukraine-Kriegsveteranen über Mizoram in den Chin-Staat Myanmars gereist sind, um Rebellengruppen auszubilden, die gegen die Militärjunta kämpfen”*, sagte er. Er kritisierte, die Region werde als Durchgangsroute für Waffenschmuggel und Kämpferausbildung missbraucht.
Auch der Ministerpräsident des Nachbarstaates Manipur, N. Biren Singh, vermutete 2024 die Beteiligung ausländischer Söldner an den Unruhen in seinem Bundesstaat. Indien kündigte daraufhin den Bau eines Zauns entlang der gesamten 1.643 Kilometer langen Grenze zu Myanmar an.
**Wie reagierte die Ukraine?**
Das ukrainische Außenministerium erhob am Dienstag offiziell Protest bei Neu-Delhi und forderte die sofortige Freilassung seiner Bürger sowie konsularischen Zugang. Das Ministerium behauptete, es gebe keine *”festgestellten Tatsachen, die eine Beteiligung der genannten ukrainischen Staatsbürger an illegalen Aktivitäten auf indischem oder myanmarischem Territorium beweisen”*.
Es warf indischen und russischen Medien vor, *”verzerrte Interpretationen der verfügbaren Fakten”* zu verbreiten. Der ukrainischen Botschaft seien keine offiziellen Mitteilungen der indischen Behörden zugegangen. Kiew wies zudem darauf hin, dass bestimmte Sperrzonen für Ausländer in Indien nicht klar gekennzeichnet seien, was das Risiko unabsichtlicher Verstöße erhöhe.
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