Ein Bezirksgericht in Warschau hat entschieden, dass die Auslieferung des russischen Archäologen Alexander Butjagin an die Ukraine rechtmäßig ist. Die ukrainischen Behörden werfen dem Wissenschaftler vor, während seiner Tätigkeit auf der annektierten Halbinsel Krim zwischen 2014 und 2019 mutwillig ukrainisches Kulturerbe beschädigt oder zerstört zu haben. Der mutmaßliche Schaden wird auf etwa vier Millionen Euro beziffert. In der Ukraine droht Butjagin bei einer Verurteilung eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren. Das Urteil in erster Instanz bedeutet jedoch nicht seine sofortige Überstellung. Sein Verteidiger kündigte Berufung an.
Die Verhandlung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. In einer kurzen Stellungnahme nach dem Prozess bezeichnete der Angeklagte das Urteil als “absolut erwartbar”. Sein Anwalt, Adam Domański, führte aus, die Verteidigung habe unter anderem auf Risiken für das Leben und die Gesundheit seines Mandanten in der Ukraine hingewiesen. Zudem enthalte das von der Anklage vorgelegte Gutachten keine Beweise dafür, dass die Ausgrabungsstätte Myrmēkion durch Butjagins Arbeit Schaden genommen habe. Schließlich sei die Tat bereits verjährt, da die vorgeworfenen Handlungen bis 2019 zurückreichten.
Alexander Butjagin war bereits 1999 zum Leiter der Ausgrabungen in Myrmēkion in der krimschen Stadt Kertsch ernannt worden. Nach der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014 setzte er seine Arbeit fort. In einem Interview mit der BBC begründete er dies damit, dass archäologische Forschung nicht im Interesse eines einzelnen Staates, sondern der Wissenschaft und der gesamten Menschheit stattfände.
Der Wissenschaftler war am 4. Dezember 2025 auf Grund eines ukrainischen Haftbefehls in Warschau festgenommen worden, während er sich auf einer Vortragsreise durch die EU befand. Das russische Außenministerium verurteilte die Verhaftung scharf und überreichte dem polnischen Botschafter in Moskau, Krzysztof Krajewski, eine Protestnote. In einer Petition forderten mehrere russische und europäische Kollegen Butjagins Freilassung.
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