Die diplomatischen Beziehungen zwischen Kolumbien und Ecuador haben einen neuen Tiefpunkt erreicht, nachdem der kolumbianische Präsident Gustavo Petro der Regierung in Quito einen Luftangriff auf sein Territorium vorgeworfen hat. Während einer im Fernsehen übertragenen Regierungssitzung in Bogotá erklärte der linksgerichtete Staatschef am Montag:
“Wir werden von der ecuadorianischen Seite bombardiert – und zwar nicht von bewaffneten Gruppen.”
Petro nannte zunächst keine genauen Details zum Zeitpunkt des Vorfalls, kündigte jedoch eine Untersuchung an, um “einen Krieg zu verhindern”. Auf der Plattform X veröffentlichte er ein Foto einer mutmaßlichen ecuadorianischen Fliegerbombe, die nach seinen Angaben nur etwa 100 Meter vor dem Haus einer Bauernfamilie eingeschlagen sein soll.
Einen Tag später teilte Petro auf derselben Plattform mit, erste Ermittlungen hätten ergeben, dass die Bombe tatsächlich den ecuadorianischen Streitkräften zuzuordnen sei. Die Untersuchungen würden jedoch fortgesetzt. Der Präsident kündigte eine diplomatische Protestnote an den Nachbarstaat an und verlinkte eine Karte mit der genauen Einschlagstelle.
In seinen Äußerungen bedauerte Petro zudem die zunehmende Verbreitung von Kriegsrhetorik in der Welt, die dem kolumbianischen Volk fremd sei. Bogotá setze sich stattdessen für Frieden in der internationalen Arena ein. Dabei zog der Politiker indirekt Vergleiche zum Vorgehen der USA in Venezuela und im Nahen Osten und äußerte die Besorgnis:
“Es könnte einen auf den Gedanken bringen, dass ein Konflikt zwischen Ecuador und Kolumbien gewollt ist.”
Ecuadors Präsident Daniel Noboa wies die Vorwürfe einer Grenzverletzung entschieden zurück. Auf der Plattform X bestätigte er zwar eine internationale Militäroperation gegen Drogenkartelle, zu denen auch kolumbianische Gruppen gehörten, betonte jedoch, diese fände ausschließlich auf ecuadorianischem Hoheitsgebiet statt. Noboa warf Kolumbien vor, die Grenzkontrollen nicht ausreichend zu gewährleisten, was das Einsickern von “Drogenterroristen” nach Ecuador ermögliche. Der rechtsgerichtete Politiker stellte klar:
“Präsident Petro, Ihre Behauptungen sind falsch: Wir agieren auf unserem Territorium, nicht auf Ihrem.”
Er versicherte, den Kampf gegen die Drogenkriminalität entschlossen fortzusetzen.
Der Vorfall fällt in eine Phase verschärfter Militäraktionen Quitos. Anfang März hatte Noboa eine großangelegte Offensive gegen illegalen Bergbau und sogenannten “Drogenterrorismus” angekündigt. Auf der Plattform X teilte er mit, dass sich auch Verbündete, darunter die USA, an den Operationen beteiligen würden. Das Südliche Kommando der Vereinigten Staaten (SOUTHCOM) bestätigte später den Beginn einer gemeinsamen Militäroperation gegen den Drogenhandel in Ecuador und bezeichnete dies als Beleg für das Engagement der USA im Kampf gegen den “Drogenterrorismus” in Lateinamerika und der Karibik.
Die jüngsten Spannungen sind Teil einer länger anhaltenden diplomatischen Krise. Diese eskalierte erstmals im Januar, als Ecuador einseitig Strafzölle von 30 Prozent auf kolumbianische Waren verhängte. Kolumbien reagierte mit Vergeltungszöllen und stellte zudem die Stromlieferungen in das südliche Nachbarland ein.
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