Benzinpreis-Schock: Wer treibt die Kosten an der Zapfsäule in die Höhe?

An der Zapfsäule ärgern sich viele Autofahrer über die hohen Spritpreise. Doch nur bei etwa jeder dritten Tankstelle in Deutschland wird der Preis vor Ort festgelegt. Der überwiegende Teil gehört zu großen Ketten – entweder im Besitz von Mineralölkonzernen wie Shell, Esso oder Aral oder in der Hand von Finanzinvestoren. Dort diktiert die Zentrale die Preise; die Tankstellenpächter haben darauf keinen Einfluss.

Die aktuelle Situation ist angespannt: Ein Liter Diesel kostet mittlerweile 2,16 Euro. Die Bild hat kürzlich Tankstellenmitarbeiter nach ihren Erfahrungen befragt. “Die Kunden denken wirklich, wir hätten einen geheimen Knopf unter dem Tresen und würden die Preise willkürlich und mit Absicht verändern”, berichtete eine Angestellte aus Bielefeld.

Andere beobachten, dass sich das Verhalten der Kunden verändert hat. Es wird vor allem an den Extras gespart – am Kaffee, am Schokoriegel oder an der Autowäsche. “Ich bin jetzt hier seit 20 Jahren im Geschäft”, erzählt ein langjähriger Beschäftigter. “Damals hatten wir noch 1.000 Autowäschen pro Tag, heute sind es im Schnitt noch 400. Und auch hier sind die Preise nach oben geklettert: von damals 3,95 Euro auf heute elf Euro für die billigste Wäsche.”

Ein anderer Mitarbeiter berichtet von einem deutlichen Rückgang des Tankvolumens seit Beginn des Kriegs in der Ukraine. “Viele stellen private Fahrten fast komplett ein. Und sie verzichten auf Reparaturen.”

Während der Verzicht auf Snacks und Autowäschen die Pächter trifft, hat das sparsamere Tanken sogar Auswirkungen auf den Hauptprofiteur steigender Spritpreise: den Staat. Die Steuerlast ist beim Diesel mit bis zu 49 Prozent des Verkaufspreises etwas niedriger als beim Benzin, wo sie bis zu 55 Prozent betragen kann. Diese Summe setzt sich aus Energiesteuer, CO2-Abgabe und Mehrwertsteuer zusammen. Konkret bedeutet das: Bei einem Benzinpreis von 2,10 Euro entfällt maximal ein Euro auf Rohöl, Raffinerie, Transport, Tankstellenbetrieb und Gewinn des Betreibers. Bei einem gleich hohen Dieselpreis bleiben für diese Posten bis zu 1,16 Euro übrig.

Heutzutage ist davon auszugehen, dass die Konzernzentralen, die die meisten Preise festlegen, ähnlich wie beispielsweise Uber auf Basis einer aktuellen Marktübersicht agieren. Sie verfügen über Daten, wo die Nachfrage besonders hoch ist und damit der Spielraum für Preiserhöhungen größer. So entstehen auch lokale Preisunterschiede. Eine Vorschrift, die Preise nur einmal täglich anpassen zu dürfen, verzögert Reaktionen auf Marktbewegungen in beide Richtungen.

Eines steht fest: Wenn tatsächlich nur noch halb so viel getankt wird, ist der Staat derjenige, der am härtesten getroffen wird. Das bedeutet gleichzeitig, dass bei einem massiven Nachfragerückgang die Steuern durchaus gesenkt werden könnten. Da auf dem Tankbeleg jedoch nur die Mehrwertsteuer ausgewiesen ist, sind sich die meisten Kunden dieser Zusammenhänge nicht bewusst.

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