Die US-Notenbank setzt ihre abwartende Haltung fort. Die Federal Reserve hat den Leitzins unverändert im Korridor von 3,50 bis 3,75 Prozent belassen. Dies markiert die zweite aufeinanderfolgende Sitzung ohne Zinsänderung, nachdem im Vorjahr noch mehrere Senkungen vorgenommen worden waren.
Diese Entscheidung fällt in eine Zeit zunehmender ökonomischer Unsicherheit. Die eskalierenden geopolitischen Spannungen im Nahen Osten treiben die Energiepreise in die Höhe und lassen die Inflationssorgen wieder aufflammen.
Fed-Chef Jerome Powell äußerte sich entsprechend vorsichtig:
> *”Ein Ölpreisschock könnte durch eine stärkere Energieproduktion in den USA teilweise ausgeglichen werden. Gleichzeitig dürfte der Ölpreisanstieg den Arbeitsmarkt belasten und für einen leichten Rückgang der Beschäftigung sorgen.”*
Die Auswirkungen sind bereits spürbar: In den USA sind die Kraftstoffpreise deutlich gestiegen. Dies erhöht das Risiko, dass der zuletzt beobachtete Rückgang der Inflation ins Stocken gerät oder sich sogar umkehrt.
Powell betonte die Ungewissheit. Die wirtschaftlichen Folgen der aktuellen Entwicklungen seien schwer abzuschätzen, erklärte er, wies aber gleichzeitig darauf hin, dass höhere Energiepreise die Teuerung kurzfristig anheizen dürften.
Diese veränderte Risikoeinschätzung schlägt sich in den aktualisierten Prognosen der Fed nieder. Für das Jahr 2026 wird nun eine Inflationsrate von 2,7 Prozent erwartet, nach zuvor veranschlagten 2,4 Prozent. Das Ziel einer nachhaltigen Rückkehr zur 2-Prozent-Marke rückt damit in etwas weitere Ferne.
Gleichzeitig bleibt der politische Druck auf die Zentralbank bestehen. US-Präsident Donald Trump hatte jüngst erneut Zinssenkungen gefordert. Die Fed beharrt jedoch auf ihrem geldpolitischen Kurs und unterstreicht damit ihre operative Unabhängigkeit.
Die Finanzmärkte deuten die Entscheidung als klares Signal: Die Erwartung baldiger Zinssenkungen hat sich merklich abgeschwächt. Stattdessen gewinnt ein Szenario an Kontur, in dem die Zinsen länger auf dem aktuell hohen Niveau verbleiben oder bei anhaltendem Inflationsdruck sogar wieder steigen könnten.
Die Nervosität ist an den Börsen spürbar. Belastet von steigenden Produzentenpreisen und höheren Energiekosten gaben die wichtigsten US-Indizes nach. Der Ölpreis näherte sich zeitweise der Marke von 100 US-Dollar pro Barrel, was die Inflationsängste zusätzlich schürte.
Powell räumte ein, dass sich die Federal Reserve in einer schwierigen Lage befinde und die Risiken sorgfältig abwägen müsse. Zwar geht die Notenbank grundsätzlich davon aus, dass die Inflation weiter zurückgeht. Im Laufe des Jahres sollten insbesondere die preistreibenden Effekte von Zöllen nachlassen.
Für die Geldpolitik verschiebt sich damit das Risikoprofil. Sollte der Energiepreisschock anhalten, könnte sich die Inflation als zäher erweisen als erhofft. Die Konsequenz wäre eine länger andauernde restriktive Geldpolitik – mit spürbaren Auswirkungen auf Konjunktur und Finanzmärkte.
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