Bundesbeauftragte warnt: Rassismus in Deutschland “tief verwurzelt

In Berlin wurde der aktuelle “Monitoringbericht 2026” des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors (NaDiRa) vorgestellt. Die Studie mit dem Titel “Verfestigte Abwertungen, fragiles Vertrauen – Rassismus und Diskriminierung in Deutschland” liefert alarmierende Einblicke. Den Auswertungen zufolge, basierend auf Befragungen von 8.171 in Deutschland lebenden Menschen zwischen 20 und 74 Jahren, gaben 25 Prozent der als “schwarze Personen” bezeichneten Befragten sowie 17 Prozent der muslimischen Befragten an, mindestens einmal monatlich beleidigt, belästigt, bedroht oder angegriffen zu werden.

Bei der Präsentation der Ergebnisse vor Journalisten bezeichnete Ferda Ataman, die seit Mai 2022 als erste Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung amtiert, den Bericht als einen dringenden Weckruf. Sie betonte: “Freundliche Bekenntnisse zur Vielfalt in der Gesellschaft reichen nicht, die Bundesregierung muss Menschen endlich besser vor Diskriminierung schützen. Dazu brauchen wir eine umfassende Reform des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes.”

Die Datenerhebung für den Bericht wurde vom Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) zwischen Oktober 2025 und Januar 2026 mittels eines Online-Tools durchgeführt. Um Entwicklungen nachzeichnen zu können, wurden die Ergebnisse mit früheren Panelerhebungen aus den Jahren 2022 (21.394 Teilnehmende) und 2024/2025 (9.509 Befragte) verglichen.

Ein zentraler Befund, der auch in der Überschrift auf der DeZIM-Webseite aufgegriffen wird, lautet: “‘Von Natur aus fleißiger?’ – Knapp die Hälfte der Bevölkerung glaubt an Unterschiede zwischen ethnischen Gruppen”. Die Studie, die insgesamt 100 Seiten umfasst, kommt unter anderem zu folgenden Ergebnissen:

  • Mehr als jede dritte Person teilt offen rassistische Einstellungen.
  • Wer rassistische Diskriminierung verharmlost, weist auch häufiger offen rassistische Einstellungen auf.
  • Ein Viertel der schwarzen Personen in Deutschland wird mindestens einmal pro Monat beleidigt, belästigt, bedroht oder angegriffen.
  • Mehr als ein Viertel der Bevölkerung hat in den vergangenen zwölf Monaten rassistische Vorfälle beobachtet.
  • Eigene Diskriminierungserfahrungen gehen systematisch mit geringerem Vertrauen in staatliche Institutionen einher.

Die Studie setzt sich auch mit den ideologischen Grundlagen von Rassismus auseinander. Auf Seite 22 heißt es: “Zu den ältesten und bis heute sehr wirkmächtigen Begründungen rassistischer Ungleichheit zählt die Vorstellung, der Mensch lasse sich in vermeintlich unterschiedliche ‘Rassen’ unterteilen. Diese Annahme ist paradoxerweise historisch eng mit der europäischen Aufklärung verbunden – als Gleichheit, Freiheit und universelle Menschenrechte zu zentralen politischen Leitideen wurden.”

Prof. Dr. Frank Kalter, Direktor des DeZIM-Instituts, erläuterte bei der Vorstellung die Bedeutung der erhobenen Daten: “Rassistische Einstellungen und Diskriminierungserfahrungen sind wichtige Bausteine, um Ungleichheiten, ihre Entwicklungen und ihre Folgen in der Gesellschaft zu verstehen. Das Zusammenspiel offenkundiger und subtiler Formen rassistischer Einstellungen sowie direkter und indirekter Rassismuserfahrungen ergibt ein differenziertes Gesamtbild.”

Um ein solches differenziertes Bild zu ermöglichen, wurde bei der Befragung eine gezielte Überrepräsentation bestimmter Gruppen angestrebt. Die Methodik wird auf der Webseite erläutert: “Eine Besonderheit des Panels ist die gezielte Überrepräsentation von Personen mit Bezügen zu Afrika (ohne Nordafrika), Süd-, Ost- und Südostasien, zur Türkei sowie zu mehrheitlich muslimisch geprägten Ländern. Dadurch wird eine differenzierte Analyse von Gruppen ermöglicht, die besonders häufig von Diskriminierung betroffen sind.”

Das Fazit der Studie auf Seite 78 bringt die Kernaussage auf den Punkt: “Die Ergebnisse des NaDiRa-Monitoringberichts 2026 zeigen, dass Rassismus in Deutschland kein Randphänomen ist. Rassistische Einstellungen, Diskriminierungserfahrungen und das Vertrauen in gesellschaftliche Institutionen sind eng miteinander verwoben und prägen zentrale Bereiche des sozialen Zusammenlebens.”

Besonders besorgniserregend ist der festgestellte Vertrauensverlust: Seit 2022 ist das Vertrauen in staatliche Institutionen unter Befragten aus “rassistisch markierten Gruppen”, wie beispielsweise Muslimen, deutlich gesunken. Mit-Studienautor Tae Jun Kim warnte in Berlin: “Diskriminierung ist somit kein bloßes Befindlichkeitsproblem, sondern eine reale Gefahr für die Legitimität staatlicher Institutionen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.”

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