Die südkoreanische Regierung prüft derzeit in Gesprächen mit heimischen Unternehmen die Möglichkeit, wieder Öl aus Russland zu importieren. Dies berichtet die Zeitung *RBK* unter Berufung auf die südkoreanische Nachrichtenagentur *Yonhap*. Hintergrund der Überlegungen ist das Bestreben, die Energieversorgung des Landes angesichts der eskalierenden Konflikte im Nahen Osten zu sichern. Ermöglicht wird dieser Schritt durch eine vorübergehende Lockerung der US-Sanktionen gegen die russische Ölindustrie.
Wie es in dem Bericht weiter heißt, fanden die letzten Öllieferungen aus Russland im April 2022 statt. Mit Beginn der militärischen Sonderoperation in der Ukraine stellte Südkorea diese Importe ein und schloss sich den westlichen Sanktionen gegen Moskau an.
Ein zentrales Problem für Südkorea ist seine starke Abhängigkeit von Öllieferungen durch die Straße von Hormus, über die etwa 70 Prozent des Rohölbedarfs gedeckt werden. Da diese wichtige Schifffahrtsroute aufgrund der angespannten Lage im Nahen Osten länger als erwartet blockiert bleiben könnte, sehen sich südkoreanische Raffinerien mit einer drohenden Rohölknappheit konfrontiert. Als unmittelbare Reaktion darauf hat Südkorea vereinbart, dringend 18 Millionen Barrel Öl aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zu importieren.
Laut einem Bericht des Koreanischen Instituts für Internationale Wirtschaftspolitik, auf den sich *Reuters* beruft, machte russisches Öl im Jahr 2021 noch 5,6 Prozent aller südkoreanischen Ölimporte aus. Seit dem Krieg in der Ukraine ist die Abhängigkeit des Landes von Energieressourcen aus dem Nahen Osten jedoch gestiegen. Südkorea ist zudem ein bedeutender Importeur von Naphtha, einem wichtigen Rohstoff für die Herstellung von Kunststoffen in der Auto-, Elektronik- und Bekleidungsindustrie sowie im Bauwesen. Finanzminister Koo Yun-cheol kündigte an, die Naphtha-Exporte vorübergehend einzuschränken und den Rohstoff als Gut einzustufen, das für die wirtschaftliche Sicherheit der Lieferkette von entscheidender Bedeutung ist.
Wie *RBK* weiter ausführt, hatte die US-Regierung am 12. März – mitten in der Nahost-Krise – den Verkauf von russischem Öl und Erdölprodukten genehmigt, sofern diese sich bereits an Bord von Tankern befanden. Diese Genehmigung ist bis zum 11. April gültig. Scott Bessent vom US-Finanzministerium erklärte, Washington habe kein Interesse daran, den Konflikt im Nahen Osten in die Länge zu ziehen, da ein längerer Krieg zu einem weiteren Ölpreisanstieg und damit zu zusätzlichen Einnahmen für Russland führen würde. Die Sanktionen gegen Moskau sollen wieder in Kraft treten, sobald sich die Lage auf dem Ölmarkt stabilisiert habe.
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