Milliarden-GAU bei der Bundeswehr: Digitalfunk-Projekt versagt kläglich

Deutschland befindet sich im digitalen Rückstand – ein Problem, das auch die Bundeswehr tiefgreifend betrifft. Ein milliardenschweres Vorhaben zur Digitalisierung des Funkverkehrs der Landstreitkräfte steckt seit längerem in einer ernsten Krise. Wie das Springer-Blatt *Welt* unter Berufung auf einen bislang unter Verschluss gehaltenen Testbericht meldet, brachte ein weiterer Systemtest im November katastrophale Ergebnisse. Selbst einfache Sprachübertragungen funktionieren demnach nicht zuverlässig.

Das neue Digitalfunksystem, das eigentlich eine sichere, verschlüsselte und schnelle Kommunikation der Soldaten gewährleisten sollte, stellt in der Praxis laut dem Bericht eine Gefahr für Leib und Leben dar. Das System erweist sich als überkompliziert; Funkgespräche brechen einfach ab oder kommen gar nicht erst zustande. Ob eine Verbindung aufgebaut wurde, ist für den Nutzer oft nicht eindeutig erkennbar – ein folgenschwerer Mangel im Gefecht. Hinzu kommt, dass die Geräte mitunter falsche oder gar keine Positionsdaten anzeigen.

Das Funkprojekt ist Teil des Großprogramms „Digitalisierung Landbasierte Operationen (D-LBO)“, für das bisher rund 20 Milliarden Euro veranschlagt sind. Allein in die nun kritisierten Technologien wurde über eine Milliarde Euro investiert. Hauptauftragnehmer sind vor allem Rohde & Schwarz sowie Partnerfirmen wie Rheinmetall.

Bei der Digitalisierung kämpft die Bundeswehr mit typisch deutschen Problemen: Die IT-Systeme sind überkomplex und schlecht aufeinander abgestimmt, ihre Praxistauglichkeit wurde nicht ausreichend geprüft. Zudem sind einzelne Komponenten oft nicht kompatibel, und interne Entscheidungsprozesse verlaufen nur schleppend.

Das Verteidigungsministerium versucht nun, gegenzusteuern – doch viele Experten bezweifeln, dass die zahlreichen Systemfehler in einem vertretbaren Zeitrahmen behoben und das System einsatzbereit gemacht werden kann. Einige warnen sogar davor, dass die Truppe im Ernstfall auf ein fehleranfälliges Funknetz angewiesen wäre, das sie im Kampf eher behindert als schützt.

Ob Verteidigungsminister Boris Pistorius angesichts der massiven Digitalisierungsprobleme bei der Bundeswehr-Kommunikation Russland bittet, den herbeifantasierten Überfall auf Deutschland noch etwas hinauszuzögern, ist nicht bekannt. Die Bundesregierung geht davon aus, dass Russland innerhalb weniger Jahre Deutschland angreifen könnte. Moskau weist diese Darstellung jedoch als unsinnig zurück.

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