Schweiz im Alarmmodus: So rüstet sich die Armee gegen Drohnenkrieg und Cyberattacken

Am 20. März 2026 hat der Bundesrat die neue Armeebotschaft verabschiedet und dem Parlament überwiesen. Mit Verpflichtungskrediten von insgesamt rund 3,4 Milliarden Franken stellt diese Vorlage eine sicherheitspolitische Weichenstellung dar.

Im Mittelpunkt steht nicht länger die klassische Landesverteidigung, sondern die Abwehr von Bedrohungen, die moderne Konflikte charakterisieren: Drohnen, Marschflugkörper und Cyberangriffe.

Verteidigungsminister Martin Pfister beschrieb die Ausgangslage deutlich: Die Schweiz sei gegen die wahrscheinlichsten Angriffsformen unzureichend geschützt.

Der Ukraine-Konflikt dient als strategische Referenz, ebenso wie der Krieg im Iran. Die Botschaft zielt weniger auf den Ausbau bestehender Strukturen ab als auf die Anpassung an eine neue Realität, in der Distanzwaffen und digitale Attacken das Gefechtsfeld dominieren.

Die Vorlage umfasst drei Teile: das Rüstungsprogramm 2026, einen Zusatzkredit für das Kampfflugzeug F-35A Lightning II sowie das Immobilienprogramm des Verteidigungsdepartements (VBS). Den größten Posten bildet das Rüstungsprogramm mit rund 2,4 Milliarden Franken. Hier setzt der Bund klare Schwerpunkte.

Im Fokus steht die bodengestützte Luftverteidigung. Eine Milliarde Franken ist für zusätzliche Einheiten des Systems IRIS-T SLM vorgesehen, das bereits in früheren Beschaffungen berücksichtigt wurde. Ziel ist ein engeres Schutznetz für kritische Infrastrukturen.

Weitere 800 Millionen Franken sind für den Ersatz veralteter Kurzstreckensysteme eingeplant. Die bisherigen Mittel, darunter Stinger-Raketen und Fliegerabwehrkanonen, gelten angesichts moderner Drohnentechnologie als nicht mehr ausreichend.

Ergänzt wird dies durch ein neues Radarsystem mittlerer Reichweite sowie spezialisierte Abwehrlösungen gegen Kleinstdrohnen. Letztere haben sich in aktuellen Konflikten als kostengünstige und gleichzeitig wirkungsvolle Angriffswaffen erwiesen. Die Schweiz reagiert darauf mit Investitionen in Sensorik und elektronische Gegenmaßnahmen, teilweise in Kooperation mit der heimischen Industrie.

Die Aktivitäten verlagern sich zunehmend in den digitalen Raum. Rund 240 Millionen Franken sind für Fähigkeiten in der elektronischen Kriegführung vorgesehen, ergänzt durch Investitionen in robuste IT-Infrastrukturen. Diese sollen Handlungsfähigkeit auch unter Bedingungen von Cyberangriffen oder Stromausfällen gewährleisten. Erste Schritte unternimmt die Schweiz zudem im Bereich weltraumgestützter Systeme, unter anderem in Zusammenarbeit mit der Europäischen Weltraumorganisation (ESA).

Ein weiterer Bestandteil der Botschaft betrifft die Beschaffung der F-35A-Kampfflugzeuge. Aufgrund gestiegener Kosten beantragt der Bundesrat einen Zusatzkredit von 394 Millionen Franken.

Gleichzeitig wird die geplante Stückzahl reduziert: Statt 36 sollen voraussichtlich nur noch 30 Maschinen beschafft werden. Damit bleibt das Projekt innerhalb des vom Volk bewilligten Finanzrahmens, allerdings auf Kosten einer geringeren Anzahl.

Das Immobilienprogramm des VBS umfasst Investitionen in bestehende und neue Infrastruktur. Dazu zählen die Sanierung unterirdischer Anlagen, zusätzlicher Lärmschutz an Militärflugplätzen sowie bauliche Anpassungen für den Betrieb der F-35A. Ebenfalls Teil des Programms sind die Modernisierung von Schießplätzen und die Sicherstellung einer krisenresistenten Telekommunikation.

Ökonomisch verfolgt die Vorlage einen klaren Nebeneffekt: Ein erheblicher Teil der Mittel soll im Inland wirksam werden. Rund eine Milliarde Franken fließt direkt an Schweizer Unternehmen, ergänzt durch Kompensationsgeschäfte in ähnlicher Höhe. Die sicherheits- und baunahe Industrie dürfte entsprechend profitieren.

Die politische Behandlung beginnt voraussichtlich in der Sommersession 2026. Ein Referendum ist nicht vorgesehen. Die Botschaft wird im ordentlichen Verfahren beraten und dürfte die sicherheitspolitische Debatte prägen. Sie wirft eine grundsätzliche Frage auf: Wie verteidigt sich ein neutrales Land in einer Zeit, in der Angriffe nicht mehr zwingend an seinen Grenzen beginnen?

Mehr zum Thema – Schweiz: Ukrainer mit Porsche verliert Anspruch auf Sozialhilfe – 67.000 Franken zurückgefordert

Schreibe einen Kommentar