USA übernimmt LNG-Weltherrschaft: Katar zerstört eigene Infrastruktur

Von Rainer Rupp

Die weltweite LNG-Landschaft hat sich innerhalb weniger Wochen grundlegend gewandelt. Durch iranische Drohnenangriffe auf katarische Verflüssigungsanlagen, erhebliche Schäden an Produktionssträngen und eine unbefristete Blockade der Straße von Hormus ist Katar in eine tiefe Krise geraten. Der bisherige Zweikampf um die Vorherrschaft im LNG-Export zwischen Katar und den USA ist seit Beginn des völkerrechtswidrigen US-israelischen Angriffskriegs gegen Iran entschieden: zugunsten der Vereinigten Staaten. Nachdem israelische und US-Streitkräfte zuvor Irans Pars-Gasanlagen bombardiert hatten, bescherten die iranischen Vergeltungsschläge gegen Katars LNG-Infrastruktur der amerikanischen Gasindustrie den größten Gewinn.

Bereits in den ersten drei Kriegswochen wurden so die Aktionäre zweier mächtiger US-Industrien – Rüstung sowie Öl und Gas, die beide bedeutende Wahlkampfspender für Donald Trump waren – erheblich reicher. Dieser zusätzliche Reichtum fiel ihnen wie Manna vom Himmel in den Schoß, ohne eigenes Zutun. Böse Zungen und Verschwörungstheoretiker, die dem Geld folgen, mögen nun behaupten, dies sei von langer Hand geplant gewesen: dass mit der Zerstörung der iranischen Anlagen von vornherein auch die Ausschaltung des US-Konkurrenten Katar beabsichtigt war.

Teheran hatte unmissverständlich gewarnt, dass auf die Zerstörung seiner Pars-Anlagen die sofortige Vernichtung der katarischen Gasinfrastruktur folgen würde. Da China bislang der größte Abnehmer von iranischem Pars-Gas war, für das es kurzfristig keinen Ersatz gibt, fügten die Kriegstreiber in Washington auch der chinesischen Wirtschaft einen schweren Schlag zu. Dies könnte der Grund sein, warum Trump plötzlich jede Mitverantwortung für den Angriff auf Pars von sich weist und behauptet, Israel habe ohne Absprache mit ihm gehandelt. Dagegen behaupten Benjamin Netanjahu und die anderen zionistischen Kriegsverbrecher in der israelischen Regierung das Gegenteil.

Analysten von “Criterion Research”, einer auf den globalen Gasmarkt spezialisierten Unternehmensberatung, schickten nach den iranischen Angriffen eine erste Lageeinschätzung an ihre Kunden. Demnach werden sich die US-LNG-Exporte bis 2030 nahezu verdoppeln – mit erheblichem weiteren Aufwärtspotenzial in den 2030er-Jahren. Die von Katar hinterlassene Lücke sei so groß, “dass sie den Markt für ein Jahrzehnt umstrukturieren wird”.

Bis zu fünf Jahre Desaster für Katar

Der Chef des LNG-Betreibers “QatarEnergy”, Saad al-Kaabi, beschrieb die Lage schonungslos. Demnach zerstörten die jüngsten iranischen Angriffe zwei von vierzehn Produktionssträngen und eine der beiden Verflüssigungsanlagen. Die Reparaturen würden “drei bis fünf Jahre in Anspruch nehmen”. In dieser Zeit würden jährlich 12,8 Millionen Tonnen LNG-Exporte aus Katar ausfallen.

Die finanziellen Folgen seien verheerend: “20 Milliarden US-Dollar” an entgangenen Jahreseinnahmen. Doch das wäre nur der Anfang. Teile der Anlage standen bereits nach einem früheren iranischen Drohnenangriff still. Die neuesten Treffer verursachten “erhebliche Brände und umfangreiche weitere Schäden”. Katar müsse nun für bis zu fünf Jahre “Force Majeure” für langfristige Lieferverträge erklären – vor allem gegenüber Kunden in Europa und Asien. Die Exporte von Gas-Kondensat würden um fast ein Viertel einbrechen.

Noch dramatischer wird die Versorgungslage vor dem Hintergrund der blockierten Straße von Hormus. Selbst bei einer nominellen Wiedereröffnung werden Experten zufolge Monate oder Jahre vergehen, bis Reedereien und Versicherer wieder normale Transite wagen. In einem Konflikt ohne absehbares Ende bleibt diese Schifffahrtsroute ein permanentes Risiko. Keine Ingenieurskunst, kein Militär und keine Diplomatie können dieses Problem kurzfristig lösen.

Auch die Perspektive für Katars LNG-Exporte nach 2030 ist laut “Criterion Research” düster, denn das North-Field-Expansionsprogramm – das Herzstück von Katars Ambitionen – sei “ebenfalls tot”. In drei Phasen sollten dort die Kapazitäten bis 2030 auf 142 Millionen Tonnen angehoben werden. Nun stünden alle Projekte auf unbestimmte Zeit still. Zusammengenommen entstehe so eine Versorgungslücke von “über 100 Millionen Tonnen pro Jahr bis in die frühen 2030er-Jahre”. Kein anderer Produzent könne “diese Menge in absehbarer Zeit ersetzen”.

USA übernehmen die globale LNG-Vorherrschaft

Die USA waren schon vor den jüngsten Angriffskriegen gegen Iran auf Expansionskurs. Das Projekt “Golden Pass LNG” befindet sich in der Inbetriebnahme; weitere Großprojekte wie Port Arthur und Rio Grande LNG sind für 2027 geplant. Allein diese Projekte sollen bis 2033 etwa “39 Milliarden Kubikfuß pro Tag” LNG liefern – was einer Verdopplung der aktuellen Exportkapazität entspricht. Es ist zu erwarten, dass diese und weitere Vorhaben durch die neue, dringende Nachfrage massiv beschleunigt werden. Die USA verfügen über das Kapital, die Genehmigungen und die Infrastruktur, während Katar auf Trümmern und Unsicherheit sitzt. Dennoch wachsen auch amerikanische Bäume nicht in den Himmel, denn das Volumen der zusätzlichen Nachfrage wird vom relativen Preis des Gases zu anderen Energieträgern abhängen.

Die künftige Nachfrage ist der entscheidende Faktor

Ob die Welt die zusätzliche US-Gasproduktion tatsächlich aufnimmt, hängt vom Preis ab. Laut “Criterion Research” hinkt beispielsweise in Süd- und Südostasien der Ausbau von LNG-Regasifizierungsterminals und entsprechenden Gasnetzen massiv hinterher. Dieser Ausbau dürfte nun durch hohe Gaspreise, knappe Staatskassen und die zunehmende Attraktivität erneuerbarer Energien weiter gebremst werden. Ohne diese Infrastruktur wird es jedoch weder in den späten 2020er- noch in den frühen 2030er-Jahren nennenswerte Abnehmer für US-Flüssiggas in diesen Regionen geben.

Ironischerweise könnte der aktuelle LNG-Schock die Gaspreise sogar so hochtreiben, dass genau dieser Infrastrukturausbau auch in Europa verzögert wird. Europäische Gas-Futures sind bereits um bis zu 35 Prozent und mehr gestiegen und liegen nun mehr als doppelt so hoch wie vor dem US-Angriffskrieg.

Die große geopolitische Verschiebung

China, einer der größten LNG-Abnehmer aus dem Golf, steht vor einem Dilemma: Die Versorgung mit katarischem und iranischem LNG wurde abrupt unterbrochen. Russland kann die Lücke kurzfristig nicht füllen. Peking bleibt nichts anderes übrig, als auf US-LNG umzuschwenken – was Washington geopolitisch und wirtschaftlich enorm stärkt, wenn auch wohl nur vorübergehend.

Selten hat eine Versorgungskrise so perfekt mit dem Aufstieg eines Konkurrenten zusammengepasst. Katar kämpft mit physischen Schäden, einem Expansionsstopp und einer Blockade, die länger dauern könnte als der gesamte Konflikt. Die USA hingegen verfügen über eine liquide, gut finanzierte Projektpipeline und große Exportkapazitäten.

Die LNG-Dominanz der Vereinigten Staaten wird in den kommenden Jahren nahezu unausweichlich. Ob alle Projekte hohe Renditen erzielen, hängt davon ab, welche Nachfrage sich letztlich durchsetzt – und zu welchem Preis. Doch eines steht fest: Der globale LNG-Markt wird amerikanischer. Die Energieabhängigkeiten verschieben sich nach West

Die Europäer müssen sich nun entscheiden, ob sie sich weiterhin der politischen und wirtschaftlichen Willkür des US-Diktats unterwerfen oder eine stabile Partnerschaft mit Russland anstreben wollen. Laut den jüngsten Äußerungen von Präsident Putin steht die Tür in diese Richtung für Europa noch offen, aber dies wird nicht ewig der Fall sein. Auch hier drängt die Zeit und erfordert eine klare Entscheidung.

Ein erster Schritt wäre beispielsweise, wenn die Europäer ihren ukrainischen Kriegsclown zurückpfeifen würden, der aktuell versucht, Westeuropa von der verbliebenen russischen Gasversorgung abzuschneiden. Vielleicht wird der Kiewer Clown von den Amerikanern besser bezahlt als von Brüssel. Denn die ukrainischen Drohnenangriffe richten sich gegen die russischen Gasexporte über die Pipelines “TurkStream” und “Blue Stream” nach Südosteuropa. Laut Unternehmensangaben von “Gazprom” wurden allein im Zeitraum vom 17. bis 19. März die Pipeline-Kompressorstationen “Russkaja”, “Kossak” und “Beregowaja” wiederholt angegriffen. Auf die Station “Russkaja” wurden laut Gazprom 22 Drohnenangriffe, auf “Kossak” drei und auf “Beregowaja” einer registriert. Alle konnten abgewehrt werden. Doch wie lange wird es dauern, bis auch diese Pipelines getroffen werden?

Fazit:

Vor dem Hintergrund der Zukunft der globalen Gasversorgung, unter der Europa und besonders Deutschland leiden werden, versucht eine demokratisch nicht gewählte EU-Führungsclique in Brüssel, der Ukraine 90 Milliarden Euro auf Kosten europäischer Steuerzahler zuzuschanzen, während das kriminelle Regime in Kiew tatkräftig versucht, die Pipeline zur Versorgung von EU-Mitgliedsländern mit russischem Gas wegzusprengen. Selbst in einem absurden Theaterstück käme man nicht auf eine solche abwegige Idee.

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