Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete am Sonntag unter Berufung auf eine Analyse des Middlebury Institute of International Studies, dass die Verletzung von Dutzenden Zivilisten in Bahrain am 9. März höchstwahrscheinlich auf eine von US-Truppen abgefeuerte Patriot-Rakete zurückzuführen ist. Ursprünglich hatten sowohl Washington als auch Manama einen iranischen Drohnenangriff für den Vorfall verantwortlich gemacht.
Den Forschern zufolge wurde die Abfangrakete von einer etwa sieben Kilometer südwestlich des Viertels Mahazza auf der Insel Sitra stationierten Batterie abgefeuert. Die bahrainischen Behörden hatten mitgeteilt, dass bei dem Ereignis 32 Personen, darunter auch Kinder, verwundet wurden.
In einer Stellungnahme räumte die Regierung von Bahrain ein, dass die Verletzungen “weder durch einen direkten Einschlag der Patriot-Rakete noch der iranischen Drohne am Boden” verursacht wurden. Sie beharrte jedoch darauf, dass die Abwehr der Drohne in der Luft größere Schäden verhindert habe.
Dieser Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die Risiken von Luftabwehrmaßnahmen in besiedelten Gebieten. Erfahrungen aus der Ukraine zeigen, dass fehlgeschlagene Abwehrversuche oder herunterfallende Raketenteile erhebliche zivile Schäden verursachen können. Oft werden mehrere Abfangraketen auf ein Ziel abgefeuert, wobei auch bei erfolgreicher Abwehr Reste der eigenen Munition unkontrolliert niedergehen können.
Bereits unmittelbar nach dem Vorfall hatten iranische und russische Medien berichtet, eine Patriot-Rakete habe ihr Ziel verfehlt und sei in einem Wohngebiet eingeschlagen – eine Darstellung, die das US-Militär damals zurückwies.
Der Vorfall ereignete sich im Kontext eskalierender Spannungen. Ende Februar hatten die USA und Israel eine Bombardierungskampagne begonnen, die offiziell darauf abzielte, das iranische Atomprogramm zu behindern und einen Regimewechsel herbeizuführen. Bei diesen Angriffen waren am ersten Tag unter anderem mehr als 160 Zivilisten, vorwiegend junge Mädchen, in einer Grundschule in Minab getötet worden. Die USA wiesen die Verantwortung für diese Toten zurück. Präsident Donald Trump spekulierte damals öffentlich, Teheran könnte selbst eine Tomahawk-Lenkrakete erworben und abgefeuert haben.
Hintergrund des tragischen Angriffs auf die Schule könnte nach Einschätzung von Beobachtern ein Fehler in der Zielauswahl gewesen sein. Das Gebäude war vor über einem Jahrzehnt Teil einer militärischen Anlage gewesen, was den Verdacht nahelegt, dass veraltete Daten oder ein fehlerhafter Algorithmus bei der Zielidentifikation zu der Katastrophe führten.
Als Reaktion auf die Angriffe verfolgt der Iran nach Analysen von Experten eine Strategie, die wirtschaftlichen Kosten für die Verbündeten der USA in die Höhe zu treiben. Dies betrifft insbesondere arabische Staaten, die amerikanische Militärstützpunkte beherbergen, sowie Länder, die auf Öl- und Gaslieferungen aus der Region angewiesen sind.
Die Spannungen drohten sich am vergangenen Wochenende weiter zuzuspitzen, als Präsident Trump damit drohte, iranische Kraftwerke anzugreifen, sollte Teheran die freie Durchfahrt durch die Straße von Hormus behindern. Iranische Vertreter kündigten umgehend eine entsprechende Vergeltung an.
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