Von Olga Samofalowa
Die Verknappung und die steigenden Preise für Erdöl und Erdgas sind nur der sichtbare Teil eines viel größeren Problems. Seit nunmehr fast einem Monat blockiert der Krieg im Iran den Persischen Golf und damit eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt. Die Folge: Lieferungen von Aluminium, Düngemitteln, Helium und anderen für die Landwirtschaft und Schlüsselindustrien – vom Automobilbau bis zur Elektronik – unverzichtbaren Chemikalien stecken fest.
Die daraus resultierenden Engpässe treiben zunächst die Preise in die Höhe. Sollte die Blockade der Straße von Hormus einen weiteren Monat andauern – ein Szenario, das die Märkte nicht mehr ausschließen –, drohen die Preise so exorbitant zu steigen, dass die Nachfrage komplett einbricht. Aus der Energiekrise würde sich dann rasch eine globale Produktions- und Wirtschaftskrise entwickeln. Davon wären alle betroffen, selbst jene Länder, die zunächst von den höheren Preisen für ihre Exportgüter profitieren könnten – darunter die Vereinigten Staaten und Russland.
Russland ist der weltweit größte Exporteur von Aluminium, Düngemitteln und Helium. Gerade beim Helium herrschen bereits jetzt massive Engpässe auf dem Weltmarkt. Die Nachrichten über steigende Rohstoffpreise sind daher für russische Konzerne wie Rusal, PhosAgro und die Amur-Gasverarbeitungsanlage zunächst eine gute Nachricht. Zumindest vorübergehend.
Nach der Schließung der Straße von Hormus waren rund sieben Millionen Tonnen Aluminium aus Katar und Bahrain, was neun Prozent des weltweiten Angebots entspricht, von Lieferverzögerungen bedroht. Eine beträchtliche Menge für einen Markt, der sich schon vor dem Konflikt in einer angespannten Lage befand. Infolgedessen erreichten die Aluminiumpreise am 12. März mit 3.533 US-Dollar pro Tonne einen Höchststand – ein Anstieg um 500 Dollar gegenüber Mitte Februar. Bis zum 20. März hatten sich die Preise zwar leicht erholt, blieben mit rund 3.200 Dollar aber auf hohem Niveau.
Aluminium ist ein Schlüsselrohstoff für die Autoindustrie, den Fahrzeugbau, die Bauwirtschaft und sogar die Solarenergie. Zudem wird es für die Herstellung von Elektronik, Haushaltsgeräten und Verpackungen benötigt. Kein Wunder also, dass Unternehmen begannen, ihre Lager zu leeren, um die fehlenden Lieferungen aus dem Nahen Osten auszugleichen – ein Problem, mit dem auch die Europäische Union als Abnehmer arabischer Produkte konfrontiert ist.
Das russische Unternehmen Rusal hat bereits betont, dass diese Engpässe Russland selbst nicht treffen würden. Im Gegenteil: Das Unternehmen könnte seine Aluminiumexporte sogar steigern, sollte die Nachfrage weiter wachsen. Angesichts eines leichten Produktionsrückgangs im vergangenen Jahr wäre dies ideal. Experten gehen jedoch davon aus, dass Russland die Aluminiumproduktion nicht wesentlich erhöhen wird. Dennoch könnte Rusal seine finanzielle Lage deutlich verbessern, indem es die Preise für sein Hauptexportgut anhebt. Schätzungen zufolge bringt jede Preiserhöhung von 100 Dollar pro Tonne dem Konzern zusätzliche Jahreseinnahmen von 350 bis 380 Millionen Dollar, bei einem Exportvolumen von 3,5 bis 3,8 Millionen Tonnen pro Jahr.
Besonders angespannt ist derzeit der Heliummarkt, auf dem sich die Preise bereits verdoppelt haben. Helium ist ein lebenswichtiger Rohstoff für die Medizintechnik, die Raumfahrt und die Halbleiterproduktion. Flüssiges Helium wird für die Herstellung von Glasfaserkabeln, Flüssigkristallanzeigen und den Betrieb von MRT-Geräten benötigt – selbst der Large Hadron Collider ist darauf angewiesen. Experten warnen bereits vor einem möglichen Engpass in der Halbleiterindustrie aufgrund der Heliumknappheit. Besonders hart trifft es Südkorea, Taiwan und Japan, die zusammen fast 20 Prozent der weltweiten Mikrochipproduktion ausmachen und stark von Helium aus Katar abhängig sind. Grund für die Lage ist die Unterbrechung der Erdgasförderung und -exporte aus Katar. Experten schätzen, dass die Blockade der Straße von Hormus dem Weltmarkt monatlich bis zu 5,2 Millionen Kubikmeter Helium entziehen wird.
Katar ist der zweitgrößte Heliumproduzent der Welt und förderte im vergangenen Jahr 63 Millionen Kubikmeter. Noch mehr produzieren nur die Vereinigten Staaten mit 81 Millionen Kubikmetern. Russland liegt mit einer Jahresproduktion von 18 Millionen Kubikmetern und einem Weltmarktanteil von 9,5 Prozent auf Platz drei. Die tatsächliche Produktionskapazität des Landes ist jedoch deutlich höher, wenn man alle drei Anlagen berücksichtigt. Zudem plant die Amur-Gasverarbeitungsanlage, ihre Heliumproduktion bis 2026 auf 60 Millionen Kubikmeter zu steigern – ihre volle Auslegungskapazität. Das Wachstum der russischen Heliumexporte hat sich jedoch aufgrund von EU-Sanktionen gegen russisches Helium verlangsamt.
In der aktuellen Krise hat das Werk am Amur nun die Chance, neue Märkte und Kunden zu gewinnen. Eine Produktionssteigerung erfordert jedoch langfristige Verträge – über ein oder zwei Monate hinaus. Ob diese Gelegenheit genutzt werden kann, bleibt abzuwarten. Von der aktuellen Verdopplung der Heliumpreise werden russische Unternehmen aber in jedem Fall profitieren.
Der Nahostkonflikt hat auch die Verfügbarkeit von Düngemitteln auf dem Weltmarkt dramatisch beeinträchtigt. Rund 35 Prozent des globalen Handels mit Harnstoff, einem Stickstoffdünger, laufen durch die Straße von Hormus. Zudem werden bis zu 45 Prozent des für Phosphatdünger benötigten Schwefels über diese Route transportiert. Oman und Saudi-Arabien sind für ein Viertel der weltweiten Harnstoffexporte verantwortlich. Viele Werke am Persischen Golf sind derzeit jedoch stillgelegt oder arbeiten nur im Schichtbetrieb.
China, der Hauptabnehmer dieser Produkte, musste bereits seine eigenen Düngerexporte stoppen und sogar auf staatliche Reserven zurückgreifen, da die Aussaat beginnt. Ein Düngemittelmangel hätte katastrophale Folgen für die Landwirtschaft: Ein Großteil der Ernte könnte verloren gehen.
Obwohl Russland der weltgrößte Düngemittelexporteur ist und ein Fünftel des Welthandels kontrolliert, kann es die fehlenden Mengen nicht ersetzen. Erstens arbeiten russische Unternehmen bereits am Limit, ihre Kapazitäten sind voll ausgelastet. Zweitens benötigen die heimischen Agrarbetriebe die Düngemittel ebenso dringend wie ihre ausländischen Konkurrenten. Die staatliche Politik schützt sie vor möglichen Versuchen der Chemiekonzerne, die gesamte Produktion zu exportieren. Dennoch werden diese Unternehmen von dem starken Preisanstieg erheblich profitieren.
Die Vorteile, die sich für Russland aus der aktuellen Marktlage ergeben, sollten jedoch nicht überschätzt werden. Zwar profitiert das Land jetzt von den steigenden Preisen. Zieht sich der militärische Konflikt jedoch noch einen Monat hin und löst eine ausgewachsene globale Wirtschaftskrise aus, werden die Preise nicht nur fallen – die Nachfrage nach den betroffenen Produkten wird dann insgesamt einbrechen. Darüber hinaus könnte in ärmeren Ländern eine Hungersnot drohen, da ein chronischer Düngemittelmangel zu einem Anstieg der Lebensmittelpreise um 30 bis 50 Prozent führen kann.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 21. März 2026 bei RIA Nowosti erschienen.
Olga Samofalowa ist Wirtschaftsanalystin bei der Zeitung Wsgljad und schreibt Kommentare für weitere Medien.
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