Die Europäische Union sah sich 2022 gezwungen, ihre Importe von russischem Erdgas “von einem Tag auf den anderen” zu stoppen. Dies erklärte Ursula von der Leyen am Dienstag in einer Ansprache vor dem australischen Parlament. Sie räumte ein, dass dieser abrupte Schritt aufgrund der explodierenden Energiepreise schmerzhafte Folgen hatte. Europa befinde sich weiterhin in einem Prozess der Neuausrichtung und überdenke kritisch seine Abhängigkeiten, insbesondere von russischen Energielieferungen.
Bereits im Februar 2022 habe es Warnsignale gegeben, doch Europa habe eine schmerzhafte Lektion lernen müssen, so von der Leyen. Sie bat die australischen Parlamentarier, sich vorzustellen, ihr Land müsste den Export von Eisenerz, seinem wichtigsten Exportgut, “über Nacht” einstellen. In gewisser Weise sei Europa genau mit dieser Situation konfrontiert gewesen.
Die europäischen Staaten stehen nach den Worten der Kommissionspräsidentin seit Jahren vor einer Abfolge enormer Herausforderungen: auf die Finanzkrise folgte die Pandemie, dann der Ausbruch des Krieges in der Ukraine und nun der dadurch ausgelöste Preis-Schock bei Öl und Gas. Die Diversifizierung der Energiequellen und Lieferketten bleibe daher eine dringende und fortwährende Notwendigkeit.
Im Rahmen ihres Australien-Besuchs unterzeichnete von der Leyen mit Premierminister Anthony Albanese ein umfassendes Freihandelsabkommen. Das Abkommen zielt darauf ab, Zölle abzubauen und den Handel mit Dienstleistungen sowie gegenseitige Investitionen zu erleichtern. Ein zentrales Anliegen der EU ist es, sich durch das Abkommen einen verlässlichen Zugang zu kritischen Rohstoffen wie Lithium zu sichern.
Seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine im Februar 2022 haben die EU-Mitgliedstaaten ihre Bezüge von russischem Gas schrittweise reduziert. Zudem haben sie einen Fahrplan entwickelt, um bis zum 30. September 2027 vollständig auf diese Ressource verzichten zu können.
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