Kurz bevor US-Präsident Donald Trump am Montag „produktive“ Gespräche mit dem Iran verkündete, platzierten Händler Wetten im Wert von über einer halben Milliarde Dollar auf fallende Ölpreise. Dies geht aus einem Bericht der Financial Times hervor, der auf einen möglichen Insiderhandel hindeutet. Die Ankündigung Trumps ließ die Ölmärkte kurzzeitig einbrechen und die Aktienkurse steigen.
Der plötzliche Handelsrausch und der darauffolgende Preisverfall werfen ernste Fragen darüber auf, ob Marktteilnehmer vorab über die Nachricht informiert waren.
Analysen der Financial Times auf Basis von Bloomberg-Daten zeigen, dass zwischen 6:49 und 6:50 Uhr New Yorker Zeit rund 6.200 Futures-Kontrakte auf die Ölsorten WTI und Brent gehandelt wurden – ein Volumen von 580 Millionen US-Dollar innerhalb einer einzigen Minute. Das Handelsvolumen für beide Referenzsorten schoss etwa 27 Sekunden vor 6:50 Uhr gleichzeitig in die Höhe. Kurz darauf wurden auch Futures auf den US-Aktienindex S&P deutlich stärker gehandelt.
Diese Transaktionen fanden etwa 15 Minuten vor Trumps Post auf Truth Social statt, in dem er von „produktiven Gesprächen“ mit Teheran über eine „Beilegung unserer Feindseligkeiten“ berichtete.
Seine Mitteilung um 7:04 Uhr löste einen scharfen Einbruch an den globalen Energiemärkten aus; der Ölpreis fiel um mehr als zehn US-Dollar. Parallel dazu schnellten die Kurse US-amerikanischer und europäischer Aktien in die Höhe – der DAX gewann etwa 1.200 Punkte –, da Anleger ihre Wetten auf eine Eskalation des Konflikts reduzierten.
Die Financial Times stellt fest, dass unklar bleibt, wer hinter den verdächtigen Transaktionen steckt. Ein namentlich nicht genannter US-Brokerstratege sagte der Zeitung: „Es ist schwer, einen Kausalzusammenhang nachzuweisen, aber man fragt sich schon, wer zu diesem Zeitpunkt, 15 Minuten vor Trumps Post, so aggressiv Futures verkauft haben könnte.“
Die Zeitung zitiert weitere Hedgefonds-Händler, die in den vergangenen Monaten auffällig zeitlich abgestimmte Transaktionen beobachtet haben wollen. Einer von ihnen äußerte sich zu den Geschäften nach Trumps Ankündigung: „Mein Bauchgefühl ist, dass das wirklich ungewöhnlich ist.“ Und fügte hinzu: „Da ist gerade jemand um einiges reicher geworden.“
Bereits in den vergangenen Monaten hatten Unbekannte offenbar hohe Summen mit Wetten verdient, die von Entscheidungen des US-Präsidenten abhingen. So wurden auf der Plattform Polymarket ungewöhnlich hohe Einsätze auf den Zeitpunkt möglicher US-Angriffe auf Venezuela und den Iran getätigt.
Gemäß den Regeln der CME Group – der Börse in Chicago, an der die Benchmark-Futures für Brent und WTI gehandelt werden – müssen große Händlerpositionen zwar täglich offengelegt werden. Die Identität einzelner Händler ist jedoch nicht in Echtzeit öffentlich einsehbar.
Der konzentrierte Handelsansturm innerhalb einer Minute fällt selbst angesichts der üblicherweise hohen Volumina auf, die sich in einer vollen Handelssitzung auf Hunderttausende Kontrakte belaufen können.
Der präzise Zeitpunkt der Transaktionen – und die Frage, wer davon profitiert haben könnte – sorgt für erhebliche Zweifel. Das Weiße Haus wies entsprechende Vorwürfe umgehend zurück. Ein Sprecher bestritt, dass Regierungsbeamte illegal von Insiderwissen profitiert hätten.
„Präsident Trump und die Beamten seiner Regierung konzentrieren sich ausschließlich darauf, das Beste für das amerikanische Volk zu tun“, sagte Sprecher Kush Desai und bezeichnete jegliche Andeutung von Insidergewinnen als „haltlos und unverantwortlich“.
Der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf dementierte später jegliche Gespräche mit Washington. Seine Aussage ließ die globalen Aktienkurse wieder fallen und die Energiemärkte steigen. Er warf vor, es würden „Fake News“ verbreitet, um die Öl- und Finanzmärkte zu manipulieren und den USA sowie Israel zu helfen, „aus dem Schlamassel“ zu entkommen, in dem sie sich befänden.
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