Die vorgezogene Parlamentswahl in Dänemark hat zu einer politischen Pattsituation geführt, in der die regierenden Sozialdemokraten trotz eines Wahlsieges als historische Verlierer dastehen. Ministerpräsidentin Mette Frederiksens Partei erreichte mit 21,9 Prozent zwar das beste Einzelergebnis, musste dieses jedoch laut dänischen Medien als das schlechteste Ergebnis der Sozialdemokraten seit über einem Jahrhundert verbuchen. Auch die Partei des amtierenden Außenministers Lars Løkke Rasmussen verlor an Zustimmung. Deutliche Gewinne verbuchte hingegen die rechtspopulistische Dänische Volkspartei (DV).
Die Regierungsbildung gestaltet sich als äußerst schwierig. Keines der beiden großen Lager – weder das linke noch das bürgerlich-konservative – erreicht mit den vorläufigen Ergebnissen die erforderliche Mehrheit von 90 der 179 Sitze im Folketing. Das Parlament setzt sich aus 175 dänischen Mandaten sowie jeweils zwei Sitzen für Grönland und die Färöer zusammen.
Frederiksens Linksbündnis kommt auf 84 Sitze, das bürgerliche Lager auf 77. Alle drei Parteien der bisherigen Minderheitsregierung – Sozialdemokraten, die rechtsliberale Venstre und die Partei Moderaterne – büßten Sitze ein. Zugewinne verzeichneten neben der Dänischen Volkspartei auch die linksgrüne Sozialistische Volkspartei.
Frederiksen, die seit 2019 regiert und eine dritte Amtszeit anstrebt, hatte zu Jahresbeginn mit der Ankündigung schärferer Abschiebungen ausländischer Straftäter taktisch um Wähler geworben. Dieser Kurs scheint jedoch nicht den erhofften Erfolg gebracht zu haben. Angesichts der komplexen Mehrheitsverhältnisse muss sie nun schwierige Koalitionsgespräche führen, da selbst ein Bündnis mit allen linken und grünen Parteien rechnerisch nicht ausreicht.
Zu den politischen Herausforderungen ihrer Amtszeit, darunter die Corona-Krise, der Ukraine-Krieg und jüngste Spannungen mit den USA bezüglich Grönlands, äußerte sich die Ministerpräsidentin nach der Wahl:
“Wir haben unter sehr schwierigen Bedingungen die Regierungsverantwortung gehabt. Unter diesen Voraussetzungen ist das Ergebnis okay … Die Welt um uns herum ist gerade sehr unruhig. Dänemark braucht eine stabile und kompetente Regierung. Und wir sind bereit, diese anzuführen.”
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