Erstmals seit fünf Jahren: Philippinen bekommen Erdöl aus Russland

Auf den Philippinen ist eine Öllieferung aus Russland eingetroffen – die erste seit fünf Jahren, wie die Zeitung Phil Star unter Berufung auf Schiffsverfolgungsdaten berichtet. Der unter der Flagge Sierra Leones fahrende Tanker “Sara Sky” lief am 24. März im Hafen von Limay ein. Er transportierte 100.000 Tonnen Rohöl aus dem russischen Fernost-Hafen Kosmino für eine Raffinerie in der Provinz Bataan.

Die Lieferung erfolgt vor dem Hintergrund erheblicher Versorgungsengpässe. Präsident Ferdinand Marcos Jr. hatte wegen der Ölknappheit zuvor den nationalen Notstand ausgerufen, um dringende Maßnahmen zur Sicherung der Energieversorgung zu ermöglichen. Dies soll eine koordinierte Reaktion der Behörden erleichtern, um die Auswirkungen auf die Wirtschaft abzufedern. In einem Interview mit Bloomberg warnte Marcos Jr., dass Fluggesellschaften aufgrund des Treibstoffmangels Flüge streichen müssten. Er schloss dabei Einkäufe aus Russland nicht aus:

“Russland ist kein traditioneller Lieferant von Rohöl oder anderen Energieträgern für die Philippinen, aber wir erwägen diese Möglichkeit.”

Als Hauptlieferanten nannte er das benachbarte Malaysia, während Japan und Südkorea verarbeitete Brennstoffe liefern.

Die global angespannte Energielage wurde durch die jüngsten Entwicklungen im Iran-Konflikt verschärft. Bereits Mitte März hatten die USA angesichts der Eskalation eine Ausnahmegenehmigung erteilt: Der Kauf und Transport von russischem Öl, das bis zum 12. März verladen worden war, wurde bis zum 11. April erlaubt. Von dieser Regelung waren schätzungsweise 130 Millionen Barrel Rohöl betroffen, die zu diesem Zeitpunkt ohne festen Käufer auf den Weltmeeren trieben.

Die globalen Energiemärkte reagieren äußerst sensibel auf die Kämpfe in der Region, da ein bedeutender Teil des weltweiten Ölhandels normalerweise durch die Straße von Hormus abgewickelt wird. Diese zentrale Wasserstraße ist seit Beginn der Kampfhandlungen für die Schifffahrt faktisch blockiert. Zusätzlich destabilisieren iranische Angriffe auf Ölinfrastrukturen in den Golfstaaten die Versorgung.

Auslöser der jüngsten Eskalation waren Angriffe der USA und Israels auf den Iran ab dem 28. Februar, mit dem erklärten Ziel, angebliche Bedrohungen durch die Führung in Teheran zu beseitigen. Bei diesen Attacken wurde das Staatsoberhaupt, Ajatollah Ali Chamenei, getötet; sein Sohn Modschtaba Chamenei folgte ihm nach. Als Vergeltung begann der Iran unter anderem, US-Stützpunkte in Nachbarländern mit Raketen und Drohnen anzugreifen. Diese Entwicklung führte zu massiven Störungen im internationalen Luftverkehr und ließ die Treibstoffpreise weltweit in die Höhe schnellen.

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