USA-Sanktionen als Todesurteil? Kolumbiens Militärflugzeug stürzt ab – Wartung russischer Technik “unmöglich

Kolumbiens Präsident Gustavo Petro hat nach dem verheerenden Flugzeugabsturz in Putumayo indirekt die Vereinigten Staaten mitverantwortlich gemacht. Bei einer Sitzung des Ministerrats am Dienstag stellte der linksgerichtete Staatschef die Praxis infrage, Militärtechnik als Spende aus den USA anzunehmen. Sein Vorwurf bezieht sich darauf, dass die am Montag verunglückte Lockheed C-130 Hercules fast vier Jahrzehnte in den USA gedient hatte, bevor sie Kolumbien im Rahmen des US-Programms für überschüssige Verteidigungsgüter (EDA) überlassen wurde. Petro kritisierte Washington scharf dafür, verbündeten Nationen veraltetes Material zu überlassen, was er als Demütigung Kolumbiens wertet:

> *”Warum schenken die USA das Flugzeug, statt es selbst weiterhin zu nutzen? Sie modernisieren nämlich ihre Flotte und schreiben das Obsolete ab, wobei sie die Angewohnheit haben, es ihren Verbündeten zu schenken.”*

Der Präsident betonte, dass solche vermeintlichen Geschenke oft extrem hohe Wartungskosten verursachen. Letztlich könne die Instandhaltung alter Systeme teurer kommen, als der Kauf neuer Ausrüstung. Vor diesem Hintergrund forderte Petro einen entschlossenen Ausbau der einheimischen Rüstungsindustrie, um die strategische Abhängigkeit von den USA zu verringern.

> *”Die Streitkräfte können die Nation nur dann verteidigen, wenn sie autonom sind und von keiner anderen Nation abhängen.”*

Es sei nicht hinnehmbar, das Land mit geschenkter und veralteter Technik verteidigen zu müssen, so sein Fazit.

**Tragödie in Putumayo**

Bei dem Unglück am Montagmorgen (Ortszeit) stürzte eine Militärmaschine vom Typ Lockheed C-130 Hercules in der südkolumbianischen Provinz Putumayo ab. An Bord befanden sich 128 Personen. Die Maschine war kurz zuvor in Puerto Leguízamo gestartet und sollte nach Puerto Asís fliegen, kam jedoch kurz nach dem Abheben in einem ländlichen Gebiet vom Himmel. Während 57 Insassen lebend geborgen werden konnten und eine Person unverletzt blieb, forderte der Absturz zahlreiche Todesopfer. Die Ursache ist noch unklar, die Behörden schließen jedoch einen Angriff bewaffneter Gruppen vorerst aus. Das betroffene Flugzeug war 43 Jahre alt.

**Kritik an US-Sanktionen und Wartungsprobleme**

Präsident Petro nutzte die Gelegenheit auch, um die Auswirkungen der US-Sanktionen gegen Russland auf die kolumbianische Militärbereitschaft anzuprangern. Seiner Aussage nach behindern die seit Beginn des Ukraine-Krieges verhängten Restriktionen die notwendige Wartung der kolumbianischen Mi-17-Hubschrauberflotte massiv.

> *”Die Wartung kann momentan nicht durch diejenigen gewährleistet werden, die die Hubschrauber hergestellt haben, weil die Gringos wegen des Ukraine-Krieges ‘Nein’ sagen.”*

Petro wies darauf hin, dass Russland Kolumbien nie geschadet habe und Bogotá in diesem Konflikt eine neutrale Haltung einnehme. Dennoch müsse man nun im Interesse einer dritten Nation funktionsfähige Hubschrauber ersetzen. Ein US-Unternehmen, das mit der Wartung der russischen Hubschrauber beauftragt worden war, habe seine vertraglichen Verpflichtungen nicht erfüllt und die Arbeiten verzögert.

Hintergrund ist, dass der ursprüngliche Wartungsvertrag mit dem russischen Unternehmen NASC S.A. 2023 aufgrund der Sanktionen ausgesetzt wurde, woraufhin ein Großteil der Helikopter stillgelegt werden musste. 2024 schloss das kolumbianische Verteidigungsministerium einen Vertrag über 32 Millionen US-Dollar mit der US-Firma Vertol Systems Company, die bis November 2025 sechs Maschinen instand setzen sollte. Das Unternehmen lieferte jedoch nur sechs Helikopter zurück, was zur Vertragsstrafe und zur Rückforderung von Vorauszahlungen führte.

**Politische Debatte und Wahlkampf**

Der Absturz hat in Kolumbien eine hitzige Debatte über den desolaten Zustand der Militärflotte entfacht. Die Opposition wirft Präsident Petro vor, die Streitkräfte sträflich vernachlässigt zu haben, zumal dies nicht der erste schwere Zwischenfall unter seiner Regierung ist. Seit seinem Amtsantritt kamen bei einer Reihe von Hubschrauberunfällen mehr als 30 Menschen ums Leben.

Petro konterte die Vorwürfe mit dem Hinweis auf bürokratische Hürden. Er habe sich mehrfach für eine Modernisierung der Flotte eingesetzt, doch die notwendigen Dokumente und Genehmigungen seien noch nicht erteilt worden. Die Diskussion findet im Vorfeld der für den 31. Mai 2026 angesetzten Präsidentschaftswahlen statt und dürfte den Wahlkampf maßgeblich beeinflussen.

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