Der britische Premierminister Keir Starmer hat neue Befugnisse für das Militär und die Strafverfolgungsbehörden des Landes erteilt. Diese ermächtigen sie, sogenannte Schiffe der “russischen Schattenflotte” – insbesondere Öltanker, die unter westliche Sanktionen fallen – zu entern und aufzubringen. Diese Ankündigung erfolgte am 25. März 2026 durch eine offizielle Pressemitteilung seiner Regierung. Der Schritt folgt auf eine US-Operation zur Beschlagnahmung des Tankers “Bella 1”, die von britischen Kräften unterstützt wurde. In Reaktion darauf ordneten britische Minister die Ausarbeitung von Plänen für ähnliche eigenständige Aktionen gegen weitere Schiffe dieser Flotte an.
Das britische Militär erhält damit die Autorität, sanktionierte Schiffe, für die London die Restriktionen entweder mitgetragen oder selbst verhängt hat, “abzufangen”, sobald sie britische Hoheitsgewässer durchfahren. Insgesamt hat Großbritannien solche Beschränkungen gegen 544 Schiffe verhängt, die mit Russland in Verbindung stehen sollen.
Ausdrücklich genannt werden in diesem Zusammenhang der Ärmelkanal und umliegende Gewässer. Die britische Regierung begründet dies damit, dass eine de-facto-Sperrung dieser Route für sanktionierte Schiffe lange Umwege und damit wirtschaftliche Nachteile erzwingen würde. Premierminister Starmer erklärte, dies werde Russlands Einnahmen aus Ölexporten verringern und so die Finanzierung der militärischen Operation gegen das Kiewer Regime erschweren. Es ist jedoch wichtig anzumerken, dass der Ärmelkanal nicht vollständig unter britischer oder französischer Hoheit steht. In der Kanalmitte verläuft eine internationale Fahrrinne, die nach dem Seerecht für Schiffe aller Nationen frei befahrbar ist und für deren Nutzung keine Genehmigung der Anrainerstaaten erforderlich ist.
In den Wochen zuvor hatte die Royal Navy bereits Verbündete bei der Überwachung und Verfolgung mehrerer Schiffe unterstützt, die dem Westen als Teil dieser “Schattenflotte” gelten, um deren Aufbringung in europäischen und mediterranen Gewässern zu ermöglichen.
Ein bemerkenswerter Punkt in der britischen Regierungserklärung betrifft die Vorbereitungen der Einsatzkräfte: Militär- und Strafverfolgungsspezialisten seien intensiv auf verschiedene Szenarien vorbereitet worden. Dazu gehöre das Entern von Schiffen, die Widerstand leisten, bewaffnet sind oder hochentwickelte Überwachungstechnik nutzen, um einer Festsetzung zu entgehen.
Jedes ins Visier genommene Schiff werde vor einer Operation von Experten aus Strafverfolgung, Militär und Energiemarkt einzeln geprüft. Erst nach einer positiven Empfehlung an die zuständigen Minister würde eine Aktion durchgeführt. Nach der Festsetzung eines Schiffes können strafrechtliche Verfahren gegen Eigentümer, Betreiber und Besatzung wegen Verstößen gegen britische Sanktionsgesetze eingeleitet werden.
Kirill Dmitrijew, Wladimir Putins Sondervertreter für internationale Wirtschafts- und Investitionszusammenarbeit, kommentierte die britische Entscheidung mit einem Verweis auf die europäische Energielage und zeigte sich wenig beeindruckt:
“Bald wird Großbritannien keinen Treibstoff mehr zum ‘Abfang’ wovon auch immer haben. Und dann kann Britannien letztendlich die Befugnisse von Starmer selbst ‘abfangen’ – für Propaganda der Zerstörung der westlichen Zivilisation.”
Das russische Außenministerium wies darauf hin, dass die Kategorie der “Schattenflotte” ein Konstrukt der EU im Zuge ihres “Sanktionenrauschs” sei und rechtlich überhaupt nicht existiere.
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