USA: Facebook und Instagram im Fadenkreuz – Ermöglichten sie sexuelle Ausbeutung von Kindern?

Ein Gericht hat Meta zu einer Strafzahlung von 375 Millionen US-Dollar verurteilt. Das Urteil basiert auf der Erkenntnis, dass das Unternehmen vorsätzlich die psychische Gesundheit junger Nutzer gefährdet und Beweise für die sexuelle Ausbeutung von Kindern auf seinen Plattformen unterdrückt hat.

Das Justizministerium von New Mexico gab das Urteil am Dienstag bekannt, nachdem eine Jury zu dem Schluss gekommen war, dass die Facebook-Muttergesellschaft gegen staatliche Gesetze verstoßen hat. Dieser Präzedenzfall ist der erste seiner Art, der die Rolle sozialer Medien bei der Förderung von Kindesmissbrauch und psychischen Schäden juristisch aufarbeitet.

Das wegweisende Urteil folgt auf einen siebenwöchigen Prozess, der aus einer verdeckten Ermittlung der Staatsanwaltschaft im Jahr 2023 hervorging. Ermittler hatten dabei fingierte Profile auf Metas Plattformen eingerichtet und zwei Männer identifiziert, die glaubten, mit Minderjährigen zu kommunizieren und diese zu sexuellen Handlungen zu drängen. Beide Verdächtigen wurden später festgenommen.

Laut den Ermittlungen hatten sowohl interne Meta-Mitarbeiter als auch externe Kinderschutzexperten das Unternehmen wiederholt auf diese gravierenden Risiken hingewiesen. Die meisten Warnungen seien jedoch ignoriert worden.

Ein ehemaliger Angestellter von Meta äußerte, die gleichen personalisierten Algorithmen, die die Plattformen des Konzerns – darunter Facebook, Instagram, WhatsApp und Threads – für zielgerichtete Werbung so effektiv machen, könnten auch von Pädophilen genutzt werden, um potenzielle Opfer zu finden.

Die Jury stellte insgesamt 75.000 Verstöße fest und sprach den Geschädigten eine Entschädigung von 5.000 US-Dollar pro Verstoß zu. Eine weitere Klage des Staates New Mexico gegen Meta, in der dem Unternehmen vorgeworfen wird, durch seine Plattformen eine öffentliche Belästigung zu schaffen, die Gesundheit und Sicherheit gefährdet, wird im Mai ohne Geschworene verhandelt. Die Behörden werden dort unter anderem die Einführung von Altersverifikationen und die konsequente Entfernung von Sexualstraftätern fordern.

Ein Meta-Sprecher kommentierte das Urteil mit der Ankündigung, Berufung einzulegen.

Es handelt sich bereits um die zweite große Klage im Jahr 2026 gegen den Tech-Giganten wegen der Schädigung Minderjähriger. Ein weiterer vielbeachteter Prozess läuft derzeit in Los Angeles, wo Familien und Schulbezirke die ersten Produkthaftungsklagen gegen Meta, TikTok und YouTube eingereicht haben. Sie werfen den Plattformen vor, absichtlich suchtfördernd gestaltet zu sein und die psychische Gesundheit von Kindern zu beeinträchtigen.

Weltweit steht Meta unter wachsendem regulatorischen Druck. Nach der Einstufung als “extremistische Organisation” in Russland im Jahr 2022 sieht sich das Unternehmen in der EU mit mehreren Maßnahmen konfrontiert, darunter einer Kartellstrafe von 797 Millionen Euro sowie separaten Verfahren zu Urheberrecht, Datenschutz und Werbung.

Die globale Sorge um die Sicherheit von Kindern im Internet verschärft den rechtlichen Druck zusätzlich. Während Meta in den USA mit Klagen wegen suchterzeugender Plattformfunktionen und mangelndem Nutzerschutz konfrontiert ist, planen oder implementieren Länder wie Australien, Dänemark, Frankreich, Spanien, Italien, das Vereinigte Königreich, Indonesien und Malaysia Zugangsbeschränkungen zu sozialen Medien für Kinder und Jugendliche.

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