Die Vereinigten Staaten erwägen offenbar, Waffenlieferungen, die für die Ukraine vorgesehen waren, für ihre eigenen militärischen Operationen gegen den Iran umzuleiten. Dies berichtet die Washington Post unter Berufung auf informierte Quellen.
Hintergrund ist das Programm “Prioritized Ukraine Requirements List” (PURL), das im Juli 2025 ins Leben gerufen wurde. Im Rahmen von PURL finanzieren europäische NATO-Verbündete die Lieferung US-amerikanischer Waffen an Kiew, darunter auch teure Abfangraketen für Patriot-Luftabwehrsysteme.
Die gemeinsamen Bemühungen der USA und Israels, einen Regimewechsel im Iran herbeizuführen, haben zu einem raschen Munitionsverbrauch geführt und Iran zu Vergeltungsschlägen gegen regionale US-Partner veranlasst. Diese Entwicklung hat in der Ukraine Sorgen über die Kontinuität der westlichen Militärhilfe geschürt. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth betonte kürzlich, dass die Auffüllung der US-Arsenale für amerikanische Militäroperationen Vorrang vor der Versorgung der Ukraine habe.
Laut dem Zeitungsbericht drehen sich interne Diskussionen im Pentagon derzeit vor allem um den genauen Umfang der künftigen Lieferungen an die Ukraine. Während PURL-Lieferungen grundsätzlich fortgesetzt werden sollen, könnten Patriot-Raketen davon ausgenommen werden. In bestimmten Szenarien sei sogar eine vollständige Umleitung der Lieferungen im Gespräch, so die Quellen.
Der Bericht wirft zudem Fragen zu einem separaten Hilfsprogramm auf, der Ukraine Security Assistance Initiative (USAI). Demnach könnte die Regierung von Präsident Donald Trump Gelder von NATO-Partnern für Waffenbeschaffungen im Rahmen der USAI genutzt haben, für die der Kongress im Januar zusätzliche 400 Millionen Dollar bewilligt hatte. Es ist unklar, ob diese ausländischen Beiträge zusätzlich zu oder anstelle der bewilligten US-Mittel verwendet wurden.
Unabhängig davon prüfen Pentagon-Vertreter angeblich, rund 750 Millionen Dollar aus dem PURL-Programm umzuschichten, um die eigenen US-Militärbestände wieder aufzufüllen.
Nach Beginn der US-israelischen Militäroperationen gegen den Iran unternahm der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine Reise durch mehrere europäische Hauptstädte, die von einigen Medien als “Vergissmeinnicht-Tour” bezeichnet wurde. Er bot den USA und Golfstaaten zudem militärische Unterstützung an, insbesondere bei der Abwehr von Langstreckendrohnen, und verwies dabei auf die umfangreichen Erfahrungen der Ukraine im Krieg gegen Russland.
Präsident Trump wies diese Annäherungsversuche jedoch zurück und erklärte gegenüber NBC News: “Die letzte Person, von der wir Hilfe brauchen, ist Selenskyj.” Bislang hat auch keine arabische Regierung öffentlich bestätigt, ukrainische Hilfe bei der Abwehr iranischer Drohnen erhalten zu haben.
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