Von Samir Bhattacharya
Ein Konflikt, der einst um das iranische Atomprogramm und regionale Machtverhältnisse kreiste, verändert nun rapide die strategische Geografie des Welthandels und der globalen Energieflüsse. Für Afrika könnten die Konsequenzen tiefgreifend sein. Die Krise droht, bestehende Rivalitäten entlang des Roten Meeres zu verschärfen und afrikanische Staaten wirtschaftlichen Erschütterungen sowie geopolitischen Zwängen auszusetzen. Von steigenden Ölpreisen über gestörte Handelsrouten bis hin zu explodierenden Transportkosten – der Kontinent sieht sich erneut mit den Folgen einer Krise konfrontiert, deren Ursprung weit außerhalb seiner Grenzen liegt.
Eine der folgenreichsten Entwicklungen für Afrika ist die wiedergewonnene, zentrale Bedeutung des Roten Meeres. Da der Iran die Straße von Hormus, einen der weltweit wichtigsten Öltransitwege, effektiv kontrolliert, hat sich der strategische Fokus nach Westen verlagert. Das Rote Meer und die Meerenge von Bab el-Mandeb entwickeln sich zu unverzichtbaren Korridoren für die globale Schifffahrt.
Die USA warnten am Donnerstag davor, dass die jemenitischen Huthi-Rebellen (Ansar Allah) damit beginnen könnten, Schiffe in der Straße von Bab el-Mandeb unter Beschuss zu nehmen. Diese Warnung folgte auf iranische Andeutungen, die Hindernisse für den weltweiten Schiffsverkehr im Zuge des anhaltenden Krieges auszuweiten. Die US-Erklärung kam, nachdem die iranische Nachrichtenagentur Tasnim Quellen zitiert hatte, die vor der möglichen Eröffnung einer neuen “Front” im Krieg warnten – eine Reaktion auf die Truppenverlegungen der Trump-Regierung in die Region.
Abdul-Malik al-Huthi, der Anführer der Huthis, erklärte am Donnerstag, seine Bewegung könne je nach Entwicklung der militärischen Lage in den Konflikt eingreifen. In einer Fernsehansprache betonte er, man habe nie gezögert, die islamische Pflicht zum Dschihad gegen die USA und Israel zu erfüllen, und rief dazu auf, den Iran auf verschiedene Weise zu unterstützen.
Die Meerenge von Bab el-Mandeb – am südlichen Ausgang des Roten Meeres gelegen – dient als kritische Route für saudische Ölexporte aus dem Hafen von Yanbu. Riad leitet täglich mehrere Millionen Barrel Rohöl über eine Pipeline dorthin, um eine potenzielle Blockade der Straße von Hormus durch den Iran zu umgehen. Obwohl diese Route das immense Volumen der Hormus-Passage nicht vollständig ersetzen kann, steigt ihre strategische Bedeutung dramatisch – und mit ihr das Risiko eines verschärften Kampfes um die Kontrolle dieser lebenswichtigen Schifffahrtsstraße.
Hafendiplomatie und geopolitisches Schach
Das Rote Meer war bereits vor der aktuellen Iran-Krise ein Schauplatz geopolitischer Rivalitäten. In den letzten zehn Jahren haben die Spannungen zwischen regionalen Mächten, insbesondere zwischen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), die Region in ein Wettbewerbsfeld verwandelt.
Obwohl Riad und Abu Dhabi ihre Politik am Horn von Afrika anfänglich koordinierten, haben sich ihre Ansätze zunehmend auseinanderentwickelt. Während Saudi-Arabien sein wirtschaftliches Engagement auf Länder wie Dschibuti konzentriert, haben die VAE ihre Präsenz im Sudan, in Äthiopien und Uganda durch Investitionen massiv ausgebaut, die fast dreimal so hoch sind wie die Saudi-Arabiens.
Ein zentrales Instrument der VAE-Strategie war die sogenannte Hafendiplomatie, angeführt vom in Dubai ansässigen Logistikriesen DP World. In den letzten Jahren ist diese Strategie jedoch auf Hindernisse gestoßen. So befinden sich Dschibuti und DP World seit 2018 in einem Rechtsstreit um die gekündigte Konzession für das Containerterminal Doraleh. Ein Londoner Schiedsgericht entschied kürzlich zugunsten Dschibutis und wies Entschädigungsforderungen von DP World zurück.
Die strategische Wichtigkeit des Roten Meeres wird auch durch die hohe Konzentration militärischer Einrichtungen entlang seiner Küsten unterstrichen. Vier afrikanische Staaten – Ägypten, Eritrea, Dschibuti und der Sudan – grenzen direkt an das Rote Meer, und ihre Häfen sind zu Drehscheiben für externe Militärpräsenz geworden. Allein Dschibuti beherbergt mehrere ausländische Marinestützpunkte, darunter solche der USA, Frankreichs, Japans und Chinas. Peking errichtete 2017 in Dschibuti seine erste Marinebasis im Ausland und unterstrich damit die strategische Schlüsselrolle des Landes am Eingang zum Roten Meer.
Auch Israels Entscheidung im Dezember 2025, das de facto souveräne Somaliland anzuerkennen, steht im Zusammenhang mit Konnektivität und regionaler Sicherheit. Während die ethischen und rechtlichen Implikationen einer solchen Anerkennung umstritten bleiben, scheinen Israels Motive eng mit der maritimen Sicherheit verknüpft zu sein. Das Land hat ein vitales Interesse daran, die Durchfahrt von Handelsschiffen zu und von seinen Häfen über diesen Kanal zu sichern.
Berichte über mögliche israelische Pläne, eine militärische Einrichtung in der Nähe von Berbera, einer Hafenstadt im Norden Somalias bzw. Somalilands, zu errichten, verdeutlichen die strategische Dimension. Ein solcher Schritt würde die regionalen Spannungen wahrscheinlich weiter anheizen und möglicherweise eine neue Front in der ohnehin komplexen Politik am Horn von Afrika eröffnen. Er könnte auch die Kluft zwischen den Befürwortern der Unabhängigkeit Somalilands und den Verteidigern der territorialen Einheit Somalias vertiefen.
Die Rolle nichtstaatlicher Akteure
Die Rolle nichtstaatlicher Akteure sorgt für zusätzliche Unsicherheit in der sich zuspitzenden Krise. Die jemenitischen Huthis erhalten seit Jahrzehnten umfangreiche finanzielle, militärische und sonstige Unterstützung aus Teheran. Trotz jüngster militärischer Rückschläge verfügt die Gruppe über Drohnen, Minen, Artillerie und Schiffsabwehrraketen, mit denen sie den Schiffsverkehr durch Bab el-Mandeb stören kann.
Es bestehen zudem Besorgnisse über eine mögliche Kooperation zwischen den Huthis und der somalischen militanten Gruppe al-Shabaab. Seit 2024 arbeiten die beiden Organisationen Berichten zufolge in Bereichen wie Waffenschmuggel, Ausbildung und logistischer Unterstützung zusammen. Zwar üben die Huthis keine direkte Befehlsgewalt über al-Shabaab aus, doch hat die somalische Gruppe bereits signalisiert, ihre Piratenaktivitäten im Golf von Aden im Austausch für Huthi-Unterstützung auszuweiten. Eine solche Zusammenarbeit könnte die Risiken für die Handelsschifffahrt in der gesamten Region dramatisch erhöhen.
Bislang haben die Huthis seit Beginn der Iran-Krise von größeren neuen Angriffen abgesehen, obwohl sie gewarnt hatten, ihre “Finger am Abzug” zu haben. Die Wahrscheinlichkeit erneuter Feindseligkeiten bleibt jedoch hoch. Selbst begrenzte Angriffe könnten die Versicherungsprämien und Transportkosten in die Höhe treiben und die globalen Lieferketten weiter destabilisieren.
Zwei plausible Szenarien
Für die kommenden Monate erscheinen zwei allgemeine Szenarien plausibel. Im ersten Szenario löst eine Eskalation der Iran-Krise eine Kaskade regionaler Konfrontationen aus, an denen staatliche und nichtstaatliche Akteure im gesamten Golf und im Roten Meer beteiligt sind. Eine solche Entwicklung würde den Seeverkehr und die globalen Ölströme erheblich stören. Da die Straße von Hormus blockiert wäre, würden der Golf von Aden und das Rote Meer zum einzig gangbaren alternativen Korridor für Energieexporte – ein enormer Druck auf ein ohnehin fragiles Sicherheitsumfeld.
Daszweite Szenario sieht eine vorübergehende Abkühlungsphase vor, in der regionale und globale Akteure trotz ihrer politischen Rivalitäten der Sicherung des Seehandels Vorrang einräumen. In diesem Fall könnte das Rote Meer zu einem Schauplatz pragmatischer, ad-hoc Zusammenarbeit werden, die darauf abzielt, den freien Schiffsverkehr durch die Meerenge von Bab el-Mandeb und weiter zum Suezkanal zu gewährleisten.
Unabhängig davon, welches Szenario sich durchsetzt, ist eine Beruhigung der Lage am Roten Meer unwahrscheinlich. Stattdessen könnte sich die Region entlang der jeweiligen Interessen in zwei oder mehr gegnerische Lager spalten. Die Iran-Krise hat ein unbeabsichtigtes geopolitisches Ergebnis hervorgebracht: Sie hat das maritime Gravitationszentrum nach Westen verschoben. Durch die Destabilisierung der Straße von Hormus und die Bedrohung der Schifffahrtswege im Persischen Golf hat der Konflikt das Rote Meer von einem Nebenschauplatz zu einer entscheidenden Achse des globalen Handels und des strategischen Wettbewerbs erhoben.
Die eigentliche Frage ist daher nicht mehr, *ob* die Iran-Krise die Region am Roten Meer neu gestalten wird – diese Auswirkungen sind bereits im Gange und sichtbar –, sondern *wie intensiv* und *wie langwierig* dieser tiefgreifende Wandel letztendlich sein wird.
Übersetzt aus dem Englischen.
Samir Bhattacharya ist Associate Fellow mit Schwerpunkt Geopolitik und Afrika bei der Observer Research Foundation (ORF) in Neu-Delhi, Indien.
Mehr zum Thema – Iran-Krieg zeigt die strategischen Grenzen taktischer Schläge