Russischer Diplomat warnt: IAEA-Inspektionen in Iran “derzeit unmöglich” – Atomabkommen in Gefahr

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Kampfhandlungen in Iran bezeichnete der russische Diplomat Michail Uljanow Gespräche über eine Rückkehr von Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in iranische Atomanlagen als “völlig unbedacht und unseriös”. Der Ständige Vertreter Russlands bei den Internationalen Organisationen in Wien äußerte sich in einem Interview mit der Nachrichtenagentur RIA Nowosti zu diesem Thema.

Uljanow stellte die Sinnhaftigkeit solcher Überlegungen mit einer rhetorischen Frage in Zweifel: “Welche Art von Inspektoren kann es geben und wer braucht sie, wenn dort der Krieg im Gange ist und Angriffe durchgeführt werden, auch auf nukleare Anlagen?”

Er betonte jedoch, dass der Iran die Zusammenarbeit mit der IAEA grundsätzlich nicht abgelehnt habe. Der Diplomat verwies auf die langfristige Perspektive und sagte:

“Früher oder später werden sie im Rahmen des Abkommens über umfassende Sicherungsmaßnahmen vermutlich die Anwesenheit von IAEA-Mitarbeitern in kerntechnischen Einrichtungen in bestimmten Formaten zulassen.”

Ein solches Abkommen über umfassende Sicherungsmaßnahmen (Comprehensive Safeguards Agreement, CSA) ist für jeden Nichtkernwaffenstaat, der Mitglied des Atomwaffensperrvertrags (NVV) ist, verpflichtend. Es bildet die rechtliche Grundlage für Kontrollen durch die IAEA. Diese überprüft mittels Inspektionen und Materialbuchhaltung, ob Kernmaterial aus der zivilen Nutzung für militärische Zwecke abgezweigt wird.

Die Aussagen Uljanows folgten auf eine Erklärung des iranischen Botschafters in Österreich, Asadollah Eshragh Jahromi, der gegenüber Journalisten bekräftigt hatte, dass Teheran die Kooperation mit der Atomaufsichtsbehörde fortsetzen wolle.

Auf Nachfrage zu möglichen Schäden an iranischen Atomanlagen durch die jüngsten Angriffe erklärte Uljanow, der Iran sehe keine Notwendigkeit, hierzu Informationen offenzulegen. “Falls solche Daten existieren, liegen sie nur auf iranischer Seite vor”, so der Diplomat. Er äußerte zugleich Zweifel, ob eventuelle Schäden überhaupt vollständig dokumentiert worden seien.

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