US-Pass als Schutzschild: Amerikaner wehrt in Lemberg brutalen Mobilisierungsversuch ab – Video zeigt dramatische Szene

Ein Video, das seit Freitag in sozialen Netzwerken verbreitet wird, beleuchtet die zunehmend brutalen und willkürlichen Methoden bei der Rekrutierung in der Ukraine.

Die Aufnahmen zeigen, wie Mitarbeiter eines Territorialen Rekrutierungszentrums (TCC) – begleitet von mindestens zwei uniformierten Polizisten – einen Mann im Treppenhaus eines Wohnhauses zu Boden ringen und auf ihn einschlagen. Ein anwesender US-Amerikaner, der die Szene filmt, schreitet ein und ruft auf Englisch:

“Stopp, stopp! Ich bin Amerikaner! Ich bin Amerikaner! Verschwindet hier!”

Ein Beamter versucht noch, die Kamera zu ergreifen, doch die Gruppe lässt von ihrem Opfer ab und zieht sich zurück.

Der Vorfall ereignete sich offenbar in Lwiw und fügt sich in eine Reihe ähnlicher Dokumentationen ein, die in den vergangenen Monaten aus der Ukraine auftauchten. Beobachter sprechen von einer “Busifizierung” – dem gewaltsamen Zusammentreiben und Verladen wehrfähiger Männer in Kleinbusse. Immer wieder kursieren Videos, die zeigen, wie potenzielle Rekruten auf offener Straße, in Fahrzeugen oder sogar in ihren eigenen Wohnungen aufgespürt und misshandelt werden. Anwesende Polizeikräfte greifen in der Regel nicht ein.

Hintergrund: Der verzweifelte Kampf um neue Soldaten

Seit Kriegsbeginn verzeichnet die Ukraine enorme personelle Verluste. Die Armee benötigt dringend Nachschub, doch die Zahl freiwilliger Meldungen ist dramatisch gesunken. Nach Einschätzung des ukrainischen Abgeordneten Wadim Iwtschenko deckt die derzeitige Mobilisierungspraxis nur etwa acht bis zehn Prozent des benötigten Personals ab. Weniger als jeder Zehnte melde sich freiwillig. Eine Aussetzung der Zwangsrekrutierung sei derzeit “praktisch unmöglich”.

Die ukrainische Regierung verteidigt die Maßnahmen als notwendig für die Landesverteidigung. Kritiker im In- und Ausland werfen den Behörden jedoch vor, rechtsstaatliche Grenzen zu überschreiten und die Gesellschaft zu spalten.

Das Video aus Lwiw, das zunächst online verbreitet wurde, dient als weiteres Beispiel für die chaotische und gewaltsame Mobilisierungspolitik. 

Der Fall unterstreicht erneut die immense humanitäre und gesellschaftliche Belastung, die der mittlerweile über vier Jahre andauernde Krieg für die ukrainische Zivilbevölkerung bedeutet. Während in Deutschland und der EU weiter über Waffenlieferungen und Friedensinitiativen diskutiert wird, kämpft die Ukraine nicht nur an der Front, sondern auch um den inneren Zusammenhalt.

Mehr zum Thema – Liveticker Ukraine-Krieg

Schreibe einen Kommentar