Schweizer Medien decken schwere Unregelmäßigkeiten im Beschaffungsverfahren für die neue Armeepistole auf. Die SIG Sauer P320 wies in der Vorbewertung erhebliche Mängel in Ergonomie, Sicherheit und taktischer Eignung auf und fiel klar durch. Dennoch blieb der Hersteller im Rennen und sicherte sich schließlich den Millionenauftrag.
Interne Dokumente zeigen, dass sich bereits im Frühjahr 2024 ein klares Bild abzeichnete. Einzig die Glock 45 erfüllte alle technischen Pflichtkriterien. Die SIG Sauer P320 scheiterte unter anderem an zu großen Griffstücken, die zu unsicherer Handhabung, einer veränderten Griffhaltung und Funktionsstörungen führten.
In der Nutzwertanalyse lag sie deutlich hinter der Konkurrenz, insbesondere in der zentralen Kategorie “Einsatz und Taktik”.
Trotz dieses eindeutigen fachlichen Urteils griff der damalige Rüstungschef Urs Loher in das Verfahren ein. Er setzte die P320 auf die Shortlist und führte nachträglich eine neue Vorgabe ein: Ein zentrales Bauteil musste fortan in der Schweiz produziert werden.
Kurz darauf wurde das laufende Auswahlverfahren abgebrochen und mit geänderten Rahmenbedingungen neu aufgesetzt. Die Gewichtung verschob sich dabei deutlich zugunsten industriepolitischer Kriterien und des Preises.
Den Zuschlag erhielt schließlich die technisch unterlegene, aber kostengünstigere P320 aus Schweizer Fertigung. Ihr Angebot soll laut Berichten rund 20 Prozent unter dem der Konkurrenz gelegen haben. Für die erste Tranche von 50.000 Pistolen werden Kosten von 50 bis 60 Millionen Franken veranschlagt, auf die gesamte Nutzungsdauer gerechnet etwa 180 Millionen Franken.
Armee- und Waffenexperten stuften die Glock 45 mehrheitlich als technisch überlegen und logistisch vorteilhafter ein. Diese Expertise blieb bei der finalen Entscheidung jedoch unberücksichtigt.
Die zuständigen Behörden weisen die Vorwürfe zurück. Sie verweisen auf strategische Überlegungen zur Stärkung des Industriestandorts Schweiz und zur Sicherung eines funktionierenden Wettbewerbs.
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