Kann die Region den Frieden retten? Irans Nachbarn als Vermittler zwischen Washington und Teheran

Am 29. März startete in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad ein zweitägiges Treffen der Außenminister Pakistans, der Türkei, Ägyptens und Saudi-Arabiens, wie die Zeitung Wedomosti berichtete. Ziel des Gipfels sei es, konkrete Maßnahmen zur Entschärfung der angespannten Lage im Nahen Osten zu koordinieren.

Das Treffen findet vor dem Hintergrund einer jüngst intensivierten diplomatischen Initiative Pakistans in der Region statt, so das Blatt unter Verweis auf das pakistanische Portal Dawn. Ein zentrales Anliegen sei die Wiederaufnahme des Dialogs zwischen den USA und dem Iran auf pakistanischem Boden.

Wie ihre Pressedienste mitteilten, hat der pakistanische Premierminister Shehbaz Sharif in den vergangenen fünf Tagen zweimal mit dem iranischen Präsidenten Massud Peseschkian telefoniert. Als Ergebnis dieser Bemühungen sei eine Vereinbarung zwischen Washington und Teheran zustande gekommen, sich am 31. März in Islamabad zu treffen, berichtete Dawn. Ein namentlich nicht genannter pakistanischer Diplomat sagte gegenüber dem Portal, Ziel der Gespräche seien Verhandlungen über die Bedingungen für ein Kriegsende.

Laut einer anderen Quelle könnte Washington im Falle der Wiederaufnahme des Dialogs mit Teheran einen Waffenstillstand erklären und damit eine Vorbedingung der iranischen Seite erfüllen. Allerdings, so betonte die Quelle, hänge alles von der weiteren Entwicklung der Lage im Nahen Osten in den kommenden 48 Stunden ab.

Der Wedomosti-Beitrag führt aus, dass sich die Vermittlungsbemühungen muslimischer Staaten verstärkt hätten, nachdem US-Präsident Donald Trump am 23. März nach eigenen Angaben “erfolgreichen Verhandlungen” mit Teheran eine fünftägige Aussetzung der Angriffe auf die iranische Energieinfrastruktur angekündigt hatte (in der Nacht zum 27. März verlängerte er diese Frist bis zum 6. April). Die iranische Seite habe diese Information jedoch nicht bestätigt.

Einige Tage später berichteten mehrere westliche Medien, Teheran sei über Islamabad ein 15-Punkte-Friedensplan mit faktischen Ultimatumforderungen übergeben worden. Im Anschluss habe der Iran seine Gegenforderungen in einem eigenen 9-Punkte-Plan an Washington gerichtet.

Wedomosti befragte russische Experten zu den möglichen Perspektiven der Beziehungen zwischen Teheran und Washington. Ilja Waskin, Forschungsassistent am Zentrum für Nahost-, Kaukasus- und Zentralasienstudien der Moskauer Higher School of Economics (HSE), erklärte gegenüber der Zeitung, eine Einstellung der Kampfhandlungen im Nahen Osten sei derzeit unwahrscheinlich. Grund sei das Bestreben beider Seiten, aus dem Konflikt als Sieger hervorzugehen. Der Experte betonte:

“Für Trump ist es besonders wichtig, sein Gesicht im Vorfeld der Zwischenwahlen zu wahren. Die Vermittler können natürlich versuchen, die USA und Iran zu versöhnen, ihre Möglichkeiten sind jedoch sehr eingeschränkt.”

Der Krieg habe den Spielraum für Kompromisse zwischen den beiden Seiten verringert, sagte Kamran Gasanow, Doktor der Politikwissenschaft an der Universität Salzburg, im Gespräch mit Wedomosti. Der Iran habe moralischen (durch die Tötung iranischer Anführer) und materiellen Schaden erlitten und stelle daher verschärfte Forderungen. Washington seinerseits zeige keine Bereitschaft zu Zugeständnissen, so der Experte.

Eine mögliche Deeskalation könnte jedoch die Ausarbeitung einer gemeinsamen Sicherheitsformel zwischen dem Iran und den Ländern des Persischen Golfs bringen. Gasanow merkte an:

“Zum Beispiel, wenn die arabischen Nachbarn sich weigern, ihr Territorium für agressive Handlungen gegen die Islamische Republik zur Verfügung zu stellen. Das Schicksal jeglicher Diplomatie wird jedoch von Trumps Bereitschaft abhängen, aufzuhören, die Liste seiner Forderungen zu kürzen und sich nicht von Israel leiten zu lassen.”

Laut Waskin sei keiner der Teilnehmer des Treffens in Islamabad an einer Verlängerung des Krieges interessiert, da der Konflikt die wirtschaftlichen Verbindungen dieser Länder mit Staaten in anderen Regionen untergrabe. Die Iran-Krise und die Chance zu vermitteln böten den vier muslimischen Staaten jedoch eine Gelegenheit, ihren politischen Einfluss mit diplomatischen Mitteln unter Beweis zu stellen.

Theoretisch könnten US-Bodentruppen eine Operation in der Provinz Chuzestan an der Küste des Persischen Golfs und auf der Insel Charg durchführen, um eine Blockade der Straße von Hormus zu durchbrechen, so Waskin. Angesichts der geringen Zahl US-amerikanischer Soldaten in der Region wäre deren Wirksamkeit jedoch begrenzt. Andererseits könnte ein solcher Schritt den Austritt Irans aus dem Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NVV) mit allen daraus folgenden Konsequenzen provozieren, warnte der Experte abschließend.

Die ungekürzte Fassung des Artikels ist auf Russisch am 29. März 2026 auf der Webseite der Zeitung “Wedomosti” erschienen.

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