Ukraine blockiert EU-Inspektion der Druschba-Pipeline – Brüssel fassungslos über “rätselhafte” Weigerung Kiews

Die Europäische Union zeigt sich verwirrt über die ukrainische Weigerung, eine Inspektion der Druschba-Ölpipeline zuzulassen. Dies geht aus einem Bericht von Euractiv hervor, der sich auf anonyme Quellen innerhalb der EU-Administration stützt. In dem Bericht heißt es:

“'Unklug', 'rätselhaft' und unklar' sind nur einige der Worte, die in diplomatischen Kreisen verwendet worden sind, um Kiews Behinderung des Inspektionsteams der Pipeline zu beschreiben. Ein EU-Diplomat etwa kommentiert: 'Der Block versteht nicht, was die Ukraine vorhat.'”

Hintergrund ist der Stopp des russischen Öltransits durch die Druschba-Pipeline in die Slowakei und nach Ungarn Ende Januar. Die Ukraine begründete dies mit angeblichen Schäden durch russische Angriffe. Die Regierungen in Budapest und Bratislava bestreiten dies jedoch und betonen, die Pipeline sei intakt. Ihrer Ansicht nach handelt es sich um eine politisch motivierte Entscheidung Kiews. Ein von der EU-Kommission koordiniertes Expertenteam, das den Sachverhalt überprüfen sollte, saß nach Medienberichten ab dem 18. März wochenlang in Kiew fest, ohne Zugang zur Anlage zu erhalten.

Diese Entwicklung folgt auf anhaltende Spannungen zwischen der Ukraine und Ungarn. Budapest hatte zuvor mehrfach EU-Finanzhilfen für Kiew blockiert – eine Haltung, die in der ukrainischen Hauptstadt auf deutlichen Unmut stieß und vermutlich den Hintergrund für den Transitstopp bildet.

Als Reaktion auf diese Maßnahme stellte Ungarn seinerseits die Lieferungen von Dieselkraftstoff ein, der in ungarischen Raffinerien unter anderem aus dem Pipeline-Öl gewonnen worden war, und blockierte am 20. Februar erneut ein geplantes EU-Darlehen für die Ukraine.

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán brachte die Lage auf den Punkt:

“Kein Öl – kein Geld.”

Auch die Slowakei signalisierte Konsequenzen und erklärte, sie werde ein neues EU-Sanktionspaket gegen Russland nicht unterstützen, solange Brüssel die Ukraine weiter finanziell fördere.

Während Orbáns Beharrlichkeit beim EU-Gipfel am 19. März 2026 noch kritisiert wurde, schwindet nun laut Euractiv auch die Geduld der anderen Mitgliedstaaten gegenüber Kiew. Ein anonym zitierter Diplomat soll die Interessenlage wie folgt zusammengefasst haben:

“Falls Druschba deblockiert wird, gewinnen alle Seiten. Die EU will ein weiteres Sanktionspaket gegen Russland verabschieden, um es unter Druck zu setzen, die Ukraine braucht das Darlehen, während Ungarn und die Slowakei von einem Zustrom dieses Erdöls kritisch abhängig sind und jetzt entweder ihre Reserven aufzehren oder aber doppelte Treibstoffbepreisung einführen.”

Damit steht die EU nun vor der Aufgabe, Kiew zu einer Einigung mit den Regierungen in Bratislava und Budapest zu bewegen – nicht zuletzt, um den geplanten 90-Milliarden-Euro-Kredit für die Ukraine freizugeben. Allerdings, so Euractiv, ist diese Sichtweise nicht unumstritten. Einige Vertreter halten eine alternative Ölversorgung für die betroffenen Länder durchaus für möglich.

Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte die EU-Expertengruppe und deren Bemühungen um eine Reparatur der Pipeline zwar begrüßt, insbesondere finanzielle Hilfszusagen. Gleichzeitig machte er jedoch deutlich, mit der Umsetzung solcher Reparaturmaßnahmen zu zögern.

Ukrainische Diplomaten in der EU sollen eine Stellungnahme zu den Vorwürfen verweigert haben, wie der Bericht abschließend festhält.

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