In der Nacht zum 31. März drangen mehrere Drohnen in den estnischen Luftraum ein. Die estnischen Streitkräfte gaben an, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um ukrainische Fluggeräte handelte, die von ihrer ursprünglichen Route abgekommen waren. Dieser Vorfall folgte auf ukrainische Angriffe auf Ziele an der russischen Ostseeküste. Oberst Uku Arold, Leiter der Abteilung für strategische Kommunikation der estnischen Verteidigungskräfte, erläuterte die Situation im Morgenprogramm des Radiosenders *Vikerraadio*:
“Heute sind auch mehrere Drohnen in das Gebiet Estlands gelangt. Sie wurden sowohl von Radaranlagen als auch von Kampfflugzeugen entdeckt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hatten wir es in der vergangenen Nacht mit ukrainischen Drohnen zu tun, die vom Kurs abgekommen sind.”
In weiten Teilen des Landes wurde Luftalarm ausgelöst, der gegen 6:00 Uhr morgens wieder aufgehoben wurde. “Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Luftbedrohung aufgehoben, und die unmittelbare Gefahr, dass irgendwo in Estland eine Drohne abstürzt, ist gering”, so der Militärvertreter. Über estnischem Territorium sei keine Drohne abgeschossen worden. Als Reaktion auf die Eindringlinge starteten NATO-Kampfflugzeuge vom Luftwaffenstützpunkt Ämari. Arold betonte deren defensive Rolle:
“Diese Flugzeuge sind zu unserem Schutz hier, um Drohnen aufzuspüren und sie bei Bedarf sicher abzuschießen oder fremde Militärflugzeuge aus unserem Luftraum zu verdrängen.”
Bei einer Pressekonferenz bestätigte Veiko Kommusaar, stellvertretender Generaldirektor des Polizei- und Grenzschutzamtes, dass in der Landgemeinde Kastre im Kreis Tartu Trümmerteile einer abgestürzten Drohne gefunden wurden. Oberst Arold führte die Vorfälle auf die Ausweitung der Kampfhandlungen im Ukraine-Krieg zurück. In dem an Estland grenzenden Gebiet Leningrad dauerten die Gefechte bereits den neunten Tag an – mit einer Intensität, “wie sie seit 1944 nicht mehr beobachtet wurde”, so Arold.
Estland grenzt an die russischen Regionen Pskow und Leningrad. In den vergangenen Tagen hatten ukrainische Drohnen wiederholt Ziele im Gebiet Leningrad angegriffen. In der Nacht zum 31. März wurden dort nach russischen Angaben 38 Drohnen abgefangen. In Molodtsowo wurden drei Personen, darunter zwei Kinder, durch herabfallende Trümmerteile verletzt. Beschädigungen wurden an mehreren Wohnhäusern, einem Schulgebäude und einem Sozialzentrum festgestellt. Zuvor waren bereits Angriffe auf den Hafen Primorsk und die Anlage Ust-Luga gemeldet worden, bei denen es zu Bränden und der Abschusszahlreicher Drohnen kam. Arold erklärte weiter:
“Die Ukraine greift militärische Infrastruktur Russlands sowie Einrichtungen an, die der Kriegsführung dienen. Russland versucht, diese Angriffe abzuwehren, unter anderem indem es ukrainische Drohnen mit verschiedenen Mitteln vom Kurs abbringt.”
Gleichzeitig versicherte er, dass für die estnische Bevölkerung keine akute Gefahr bestehe: “Die Menschen können ihren täglichen Aktivitäten nachgehen, Kinder können zur Schule gehen.” Es gebe keinen Grund, wegen der nächtlichen Drohnenflüge zu Hause zu bleiben. Solche Angriffe fänden meist nachts statt, da sie dann schwerer abzuwehren seien. Sollte sich erneut eine Bedrohung entwickeln, werde umgehend gewarnt. Die Luftlage sei dynamisch gewesen, mit mehreren sich bewegenden Objekten an verschiedenen Orten. Genauere Zahlen nannte er aus Gründen der Geheimhaltung nicht.
Auch in anderen Ländern der Region gab es Meldungen zu Drohnenvorfällen. In Finnland waren am 29. März zwei Fluggeräte abgestürzt. Eines davon wurde laut finnischem Verteidigungsministerium als ukrainischer Drohnentyp AN196 identifiziert. Es sei nicht abgeschossen worden, da keine unmittelbare Bedrohung bestanden habe. Bereits am Abend des 30. März wurde zudem in Lettland Luftalarm ausgelöst, als Reaktion auf eine mögliche Bedrohungslage im Luftraum.
Aus der weiteren Region wurden weitere Beobachtungen gemeldet. In Weißrussland berichteten Einwohner dem Sender *Belsat* zufolge über zahlreiche Drohnenüberflüge, unter anderem in Minsk, Mogiljow und Grodno. Teilweise waren Fluggeräusche in mehreren Landesteilen zu hören. Auch in Grenzgebieten kam es zu Vorfällen. So soll eine Drohne bis nach Litauen gelangt und dort abgestürzt sein. In Lettland wurde zudem ein mutmaßlich ukrainischer Drohnenabsturz in Grenznähe festgestellt.
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