In den Vereinigten Staaten verzeichnet die katholische Kirche einen bemerkenswerten Anstieg der Nachfrage nach Exorzismen. Dieser Trend hat dazu geführt, dass die Zahl der für dieses Ritual ausgebildeten Priester in kurzer Zeit massiv gestiegen ist, wie ein führender Exorzist berichtet.
Father Chad Ripperger aus der Erzdiözese Denver erklärte gegenüber der New York Post, dass die Kirche in den USA derzeit über etwa 150 Priester verfüge, die Exorzismen durchführen können. Im Jahr 2020 lag diese Zahl noch bei lediglich etwa 20. Dies entspricht einem Zuwachs von 650 Prozent innerhalb weniger Jahre.
Ripperger sieht den Grund für die gestiegene Nachfrage jedoch weniger in einer Zunahme dämonischer Aktivität selbst. Stattdessen spiegele sie einen Anstieg menschlicher Sündhaftigkeit und okkulter Praktiken wider. “Die Dämonen werden gestärkt, je mehr Menschen böse Taten begehen”, so der Priester. Die freiwillige Beteiligung an Satanismus oder Hexerei mache Menschen besonders anfällig für dämonischen Einfluss.
Gleichzeitig relativierte er die dramatischen Darstellungen aus Filmen: Nur “etwa 10 Prozent der Fälle sind so dramatisch wie in Hollywood dargestellt.” Diese Einschätzung teilt Reverend Dan Todd, ein ausgebildeter Exorzist in New Jersey. Zwar sei “der Teufel da draußen”, doch etwa 99 Prozent der vorgeblichen Besessenheitsfälle ließen sich auf psychische Erkrankungen wie Schizophrenie oder dissoziative Identitätsstörung zurückführen, die dämonische Besessenheit oft imitierten.
Die Entwicklung ist von solcher Tragweite, dass Papst Franziskus Anfang dieses Monats ein Gipfeltreffen führender Exorzisten im Vatikan einberief. Die Internationale Vereinigung der Exorzisten warnte dort vor einem globalen Anstieg von “Okkultismus, Esoterik und Satanismus” und forderte, dass jede Diözese weltweit über ausgebildete Exorzisten verfügen sollte.
Die Bewegung ist international: Mehr als 300 Exorzisten kamen im vergangenen Jahr zur 15. Internationalen Konferenz der Exorzisten zusammen und beschrieben ihre Arbeit als koordinierte, weltweit expandierende Tätigkeit. Auch außerhalb der USA ist der Trend spürbar. In Russland etwa wird der Markt für okkulte Dienstleistungen auf schätzungsweise 24 Milliarden US-Dollar pro Jahr taxiert – die Ausgaben der Bevölkerung für “Zauberer” und Wahrsager entsprechen in etwa denen für Lebensmittel.
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