Seit dieser Woche ist auf der japanischen Insel Kyūshū eine erste Einheit mit neuen Antischiffsraketen einsatzbereit. Die stationierten Type-12-Marschflugkörper, entwickelt von Mitsubishi Heavy Industries, haben eine Reichweite von etwa 1.000 Kilometern. Von ihrem Standort auf dem Stützpunkt Camp Kengun in der Präfektur Kumamoto aus können sie Ziele auf Teilen des chinesischen Festlands erreichen. Diese Stationierung ist Teil einer umfassenderen Aufrüstung, die auch die Ausstattung japanischer Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge mit diesen Präzisionswaffen sowie die geplante Stationierung ähnlicher Batterien in anderen Regionen Japans umfasst.
Verteidigungsminister Shinjirō Koizumi begründete die Maßnahme mit dem “schwierigsten Sicherheitsumfeld seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs”. Die Raketen würden, so Koizumi, das Abschreckungspotential des Landes steigern und Japans Entschlossenheit zur Selbstverteidigung unter Beweis stellen.
Diese Sicherheitsvorkehrung stößt jedoch nicht überall auf Zustimmung. Wie die Independent berichtet, äußerten viele Bewohner der benachbarten Stadt Kumamoto Bedenken. Sie fürchten, die Präsenz der Raketenbatterie könne die regionalen Spannungen weiter anheizen und ihre Stadt zu einem potenziellen Angriffsziel machen.
Auch von offizieller chinesischer Seite kam scharfe Kritik. Das Außenministerium in Peking verurteilte die Stationierung der Raketen, die chinesisches Territorium erreichen können, als Verstoß gegen die pazifistische japanische Verfassung. Zudem warf die Behörde “rechten Kräften” in Japan vor, eine “Remilitarisierung” des Nachbarlandes voranzutreiben.
Die Raketenstationierung ist nur ein Element in Japans wachsendem Verteidigungsengagement. Noch in diesem Jahr plant das Land, seinen Zerstörer JS Chōkai und sieben weitere Kriegsschiffe mit US-amerikanischen Tomahawk-Marschflugkörpern auszurüsten, die eine Reichweite von bis zu 1.600 Kilometern haben.
Hinter dieser Politik steht eine Regierung unter Premierministerin Sanae Takaichi, die für ihre harte Linie in Sicherheitsfragen bekannt ist. Takaichi setzt sich unter anderem für eine Revision des pazifistischen Artikels 9 der japanischen Verfassung von 1947 ein, in dem Japan auf das Recht zur Kriegsführung verzichtet. De facto unterhält das Land jedoch bereits umfangreiche Selbstverteidigungsstreitkräfte mit einem der weltweit größten Militärbudgets. Im Dezember letzten Jahres verkündete Takaichi, dass die jährlichen Militärausgaben bereits zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen – ein Ziel, das ursprünglich erst für 2027 angestrebt war.
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