Ungarn: Orbáns Macht bröckelt! Fidesz stürzt in Umfragen ab

Knapp zwei Wochen vor den ungarischen Parlamentswahlen deuten aktuelle Umfragen auf eine sich verändernde politische Landschaft hin. Die oppositionelle Tisza-Partei unter Péter Magyar soll ihren Vorsprung vor der regierenden Fidesz von Ministerpräsident Viktor Orbán ausgebaut haben. Orbáns Stärke liege demnach vor allem in seiner internationalen Politik und seiner EU-kritischen Haltung.

Die Bürger Ungarns sind am 12. April zur Wahl aufgerufen. Laut einer am Mittwoch veröffentlichten Erhebung des Budapester “21 Research Centre” hat die Mitte-rechts-Partei Tisza im März ihren Umfragevorsprung gegenüber Fidesz vergrößert. Das Institut gibt an, Fördermittel aus EU-Programmen, etwa aus dem Fond für “CERV-Projekte”, zu erhalten und mit der deutschen Friedrich-Naumann-Stiftung zu kooperieren. Die *Welt* (Springer-Verlag) bezeichnet das “21 Research Centre” sowie “Zavecz Research” als politisch unabhängig.

Den Umfrageergebnissen zufolge kommt die Tisza-Partei auf 56 Prozent Zustimmung – ein Plus von drei Prozentpunkten seit Anfang März. Die Fidesz-Partei des seit 16 Jahren regierenden Viktor Orbán verliert hingegen zwei Punkte und liegt bei 37 Prozent. Orbán ist der dienstälteste Regierungschef in der EU. Laut dem Portal 24.hu sind jedoch 26 Prozent der Befragten noch unentschlossen. Eine dritte, am Dienstag veröffentlichte Umfrage des Instituts Zavecz Research bestätigt den Trend: Tisza verbessert sich demnach um einen Punkt auf 51 Prozent, Fidesz bleibt unverändert bei 38 Prozent. 20 Prozent der Befragten haben sich dort zufolge noch nicht endgültig entschieden.

*Der Spiegel* kommentiert die Stimmung im Wahlkampf (Paywall):

*”Es herrscht Aufbruchstimmung. Ist das schon Endzeitstimmung in Orbánistan, einem ‘postkommunistischen Mafiastaat’, der vom Clan des Premierministers regiert wird, so das vernichtende Urteil des Soziologen und früheren Bildungsministers Bálint Magyar? Droht dem erfolgsgewissen Machtmenschen Orbán ein historischer Schiffbruch? Ihm, der sich bisher alle vier Jahre erfolgreich an der Wahlurne das Oberkommando über eine zunehmend ausgehöhlte Demokratie absegnen ließ? Es herrscht jedenfalls Aufbruchstimmung im Land wie seit Langem nicht mehr – obwohl der Wahlausgang weiter unklar ist.”*

Die *ARD*-Tagesschau berichtete Mitte März nach Großdemonstrationen beider Lager über die gegenseitigen Wahrnehmungen:

*”Orbán versuchte wiederholt, seinen Konkurrenten als ‘Marionette’ Brüssels und Selenskijs darzustellen, und warf Magyar vor, er wolle Ungarn in den Krieg mit Russland hineinziehen. Magyar wiederum warf Orbán vor, sich mithilfe des russischen Präsidenten Wladimir Putin an der Macht halten zu wollen. Zudem beschuldigt er die Regierung, Milliarden Euro veruntreut zu haben und zivile Freiheiten zu beschneiden.”*

Orbáns Wahlkampf konzentriert sich primär auf internationale Themen. Sein Herausforderer Péter Magyar setzt hingegen auf die Bekämpfung der Korruption im Land, die Freigabe blockierter EU-Milliardenhilfen sowie eine feste Verankerung Ungarns in EU und NATO.

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