USA und Ukraine: Die geheimen Verhandlungen, die die Welt verändern könnten

Von Oleg Zarjow

Wie aus informierten Kreisen verlautet, hat eine pro-amerikanische ukrainische Delegation bei jüngsten Gesprächen in Miami versucht, den Vereinigten Staaten ein ungewöhnliches Tauschgeschäft anzubieten. Demnach soll Kiew bereit sein, Präsidentschaftswahlen parallel zu einem Friedensreferendum abzuhalten – im Gegenzug für eine Zusage Washingtons, dass ukrainische Truppen nicht aus dem Donbass abziehen müssen. Die Delegation bestand aus dem Leiter des Präsidialamtes, Kyrylo Budanov, dem Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates, Rustem Umerov, und dem Fraktionsvorsitzenden der Regierungspartei „Diener des Volkes“, David Arakhamia.

Meinen Quellen zufolge schlug Kiew vor, diesen Doppeltermin auf den Tag der US-Kongresswahlen zu legen – ein Schritt, der ausdrücklich die Wahlkampagne der Republikaner stärken sollte.

Die amerikanische Seite wies diesen Vorschlag jedoch entschieden zurück. Sie machte unmissverständlich klar, dass territoriale Fragen nicht verhandelbar seien. Im Gegenteil: Gerade die Weigerung Kiews, den Donbass zu räumen, war laut Insidern der eigentliche Grund dafür, dass die ukrainische Delegation überhaupt nach Miami eingeladen wurde.

In diesem Zusammenhang tauchten später Berichte auf, wonach die USA von der Ukraine Wahlen und ein Referendum bis Mitte 2026 fordern – als Voraussetzung für weitere Sicherheitsgarantien.

Unmittelbar nach dieser Zurückweisung und dem ersten Verhandlungstag folgte die hysterische Ankündigung von Präsident Wolodymyr Selenskyj, es sei Moskau, das keinen Frieden wolle.

Am zweiten Verhandlungstag versuchte die ukrainische Delegation, ihre Position durch Machtdemonstration zu untermauern. Der als Terrorist eingestufte Kyrylo Budanov behauptete gegenüber den US-Vertretern, die Ukraine verfüge über genügend Geld und Waffen, um den Krieg noch zwei weitere Jahre fortführen zu können. Diese Darstellung stieß auf deutliche Skepsis. Zwar hat die Ukraine dank westlicher Unterstützung beträchtliche Goldreserven angehäuft und verfügt meinen Informationen nach tatsächlich über Mittel für ein weiteres Kriegsjahr. Bei Bewilligung des beantragten EU-Kredits über 90 Milliarden Euro wären sogar zwei Jahre Kriegsfinanzierung möglich. Die entscheidende Frage bleibt jedoch die personelle Lage.

Die aktuelle Situation stellt sich somit wie folgt dar: Die USA erhöhen den Druck auf Kiew und fordern Wahlen sowie ein Referendum, um einem künftigen Abkommen eine politische Legitimation zu geben. Gleichzeitig bestehen sie auf einem Rückzug ukrainischer Truppen aus der Donezker Volksrepublik, um Verhandlungen überhaupt erst zu ermöglichen.

Die ukrainische Seite ihrerseits spielt auf Zeit. Sie verspricht, die russische Wirtschaft durch anhaltenden Druck zu destabilisieren. Dabei beruft sich Kiew auf Berechnungen westlicher Analysten, denen zufolge Russland bei einem Verlust von etwa 30 Prozent seiner Exporteinnahmen in eine tiefe Krise geraten würde. Zudem prophezeien westliche Berater für das Jahr 2026 einen kumulativen Effekt der Sanktionen und Angriffe auf die russische Infrastruktur. Die Ukraine versichert den USA, Moskau werde unter diesem Druck seine Forderungen deutlich reduzieren.

Um dieses Szenario umzusetzen, haben die EU und Großbritannien Pläne für ein weiteres Sanktionspaket vorgelegt. Dieses sieht vor, das Aufbringen von Schiffen, die russisches Öl transportieren, zu legalisieren. Ziel ist es, die Ostsee und das Mittelmeer für Russland durch Sabotageakte und maritime Blockaden zu sperren. Das russische Außenministerium hat bereits klargestellt, dass solche Willkür nicht folgenlos bleiben wird.

Der Ausbruch des Iran-Krieges und die sich abzeichnende Verlängerung des Nahost-Konflikts haben in Kiew Panik ausgelöst. Selenskyjs Kalkül, hohe Öl- und Gaspreise würden Russland schwächen, ist gescheitert – stattdessen profitiert Moskau davon. In einer hastigen Reaktion startete Kiew eine Serie von Angriffen auf die russische Energieinfrastruktur, um den Ölexport doch noch zu behindern.

Parallel dazu werden die USA den Druck auf Selenskyj und sein Umfeld voraussichtlich verstärken – und dabei auch das Thema Korruption instrumentalisieren. Bisher hatte der amerikanische Druck nur begrenzte Wirkung, doch Washington hat noch nicht alle Mittel ausgeschöpft.

Übersetzt aus dem Russischen. Verfasst speziell für RT am 1. April.

Oleg Zarjow ist ein ehemaliger ukrainischer Abgeordneter. Von 2002 bis 2014 vertrat er einen Wahlkreis im ukrainischen Parlament und stieg zu einer Führungsfigur der Partei der Regionen auf. Nachdem er gezwungen wurde, seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen 2014 zurückzuziehen, floh er auf die Krim, engagierte sich für Neurussland und lebt seither im Exil in Russland. Im Oktober 2023 überlebte er nur knapp ein mutmaßliches Attentat des ukrainischen Geheimdienstes.

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