Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Kyodo erwägt Japan, noch im Mai dieses Jahres eine Wirtschaftsdelegation nach Russland zu entsenden. Regierungskreisen zufolge wurden mindestens fünf große Handelskonzerne – Mitsubishi Corp., Mitsui & Co., Itochu Corp., Sumitomo Corp. und Marubeni Corp. – sowie die Reederei Mitsui O.S.K. Lines zur Teilnahme aufgefordert.
Als ein zentrales Thema der geplanten Gespräche nannte Kyodo die Beschaffung von russischem Rohöl. Diese Frage gewinne angesichts wachsender Sorgen um die Energieversorgung aus dem Nahen Osten infolge des Krieges im Iran an Dringlichkeit. Zudem bestehe die Erwartung, dass japanische Unternehmen nach einem Ende des Ukraine-Krieges ihre Geschäftsaktivitäten in Russland wieder vollständig aufnehmen könnten.
Dieser Schritt könnte jedoch auf Widerstand stoßen, da der Krieg in der Ukraine weiter andauert und die westlichen sowie japanischen Wirtschaftssanktionen gegen Russland in Kraft bleiben. Wie die Agentur betont, äußerte ein nicht namentlich genannter Vertreter eines Handelshauses die Befürchtung, der Besuch könne sowohl im Inland als auch international kritisch aufgenommen werden. Eine Quelle aus der Industrie verwies hingegen darauf, dass Treffen mit russischen Regierungsvertretern und Managern wichtig seien, um die Geschäftsbeziehungen auf einem minimalen Niveau zu halten.
Kyodo erinnerte daran, dass Mitsubishi Corp. und Mitsui & Co. bedeutende Anteilseigner am Öl- und Erdgasförderprojekt Sachalin II im russischen Fernen Osten sind, das vom staatlichen Konzern Gazprom geleitet wird. Obwohl das Projekt unter US-Sanktionen fällt, wurde Japan eine Ausnahmegenehmigung erteilt, die weiterhin Importe von Flüssigerdgas (LNG) ermöglicht. Die Reederei Mitsui O.S.K. Lines wiederum betreibt Eisbrecher-Tanker für den Transport von russischem LNG.
Japan hatte 2022 Sanktionen gegen Russland verhängt. Moskau reagierte darauf mit der Aussetzung der Friedensvertragsgespräche mit Tokio – ein Abkommen, das auch fast 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs noch nicht unterzeichnet wurde. Grund hierfür ist der ungelöste Territorialstreit um die Südkurilen: Die Inselkette im Nordpazifik wurde nach Kriegsende von der Sowjetunion besetzt, wird bis heute von Russland verwaltet und von Japan als “Nördliche Territorien” beansprucht. Eine Lösung dieses Konflikts ist nicht in Sicht.
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