Massenentlassung bei US-Armee: Kriegsminister Hegseth feuert Generalstabschef und zwei weitere Top-Generäle

Der US-amerikanische Kriegsminister Pete Hegseth hat in einer bemerkenswerten Personalentscheidung den amtierenden Generalstabschef der Armee, Randy George, von seinen Pflichten entbunden. Diese spätabendliche Entlassung am Donnerstag (Ortszeit) stellt die jüngste einer Reihe von Veränderungen in der Führungsspitze des Pentagon dar und gilt in Kriegszeiten als außergewöhnlicher Vorgang.

Das Verteidigungsministerium bestätigte, dass George, dessen reguläre Amtszeit noch über ein Jahr gedauert hätte, “mit sofortiger Wirkung von seiner Position als 41. Stabschef der US-Armee zurücktritt”. In einer Stellungnahme würdigte das Pentagon seine jahrzehntelangen Dienste: “Wir wünschen ihm alles Gute für seinen Ruhestand.”

Für den überraschenden Rücktritt wurden keine konkreten Gründe genannt. Ersten Berichten des Senders CBS, die sich auf Pentagon-Beamte beriefen, zufolge wird General Christopher LaNeve, ehemaliger Militärberater Hegseths und bisheriger stellvertretender Stabschef, die Rolle interimistisch übernehmen.

Laut einer von CBS zitierten Quelle handelte Hegseth, um eine Person an der Spitze der Armee zu installieren, die seine und die Vision von Präsident Donald Trump für die Streitkräfte konsequent umsetzt.

General George, ein erfahrener Infanterieoffizier mit Einsatzerfahrung im Irak und in Afghanistan, war erst 2023 zum Generalstabschef ernannt worden – ein Amt mit einer üblichen Dienstzeit von vier Jahren. Zuvor hatte er als stellvertretender Generalstabschef sowie als hochrangiger Militärberater von Verteidigungsminister Lloyd Austin gedient.

Die New York Times berichtete, die Entlassung stehe im Zusammenhang mit einem Konflikt über Hegseths Entscheidung, vier Offiziere von einer Beförderungsliste mit 29 Namen zu streichen. Zwei der blockierten Offiziere seien schwarz, die beiden anderen Frauen, während die Mehrheit auf der Liste weiße Männer seien, so das Blatt unter Berufung auf anonyme Militärbeamte.

Diese Vorgehensweise habe bei hochrangigen Militärs Fragen aufgeworfen, ob rassistische oder geschlechtsspezifische Vorurteile eine Rolle spielten. Als George den Minister vor zwei Wochen um ein Gespräch zu dieser Angelegenheit bat, soll Hegseth dies jedoch abgelehnt haben.

Weitere Führungswechsel

Wie US-Medien, darunter die Militärzeitschrift Stars and Stripes, weiter berichteten, seien am Donnerstag zwei weitere Generäle abberufen worden. Demnach verlor General David M. Hodne, Kommandeur des für die Armeemodernisierung zuständigen Transformations- und Ausbildungskommandos, seinen Posten. Ebenso sei Generalmajor William Green Jr., seit 2023 Chef der Militärseelsorge, von seiner Position abgezogen worden. Das Pentagon hat diese beiden Meldungen bislang nicht offiziell bestätigt.

Die mutmaßliche Abberufung des obersten Militärgeistlichen erfolgt in einer sensiblen Phase. Seit Beginn der jüngsten Spannungen mit dem Iran haben sowohl US-amerikanische als auch israelische Offizielle Anklänge an eine religiöse Dimension des Konflikts erkennen lassen.

Die Organisation Military Religious Freedom Foundation (MRFF), die die Einhaltung der Religionsfreiheit in den US-Streitkräften überwacht, gab im März bekannt, sie habe Beschwerden erhalten. Demnach sei US-Soldaten von hohen Kommandeuren vermittelt worden, der Konflikt mit dem Iran solle “Armageddon” oder das biblische “Ende der Zeit” einläuten.

Wie RT DE bereits berichtete, kursieren unter Truppenangehörigen zudem Erzählungen, Präsident Trump sei von Jesus gesalbt worden, das “Signalfeuer” im Iran zu entzünden, das zum Armageddon und zur Wiederkehr Christi führen werde. Trump selbst ließ sich im Oval Office von zwei Dutzend Geistlichen die Hände auflegen und für einen Wahlsieg beten.

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