Der ehemalige Bundeswehroffizier und Friedensaktivist Florian D. Pfaff, bekannt als scharfer NATO-Kritiker, sah sich kürzlich mit einem Vorfall konfrontiert, der grundlegende demokratische Prinzipien in Frage stellt. Pfaff, der das Militärbündnis seit der Bombardierung Jugoslawiens 1999 als “Verbrecherorganisation” bezeichnet und 2003 den Befehl zur Teilnahme am Irakkrieg verweigerte, wird regelmäßig zu Diskussionsveranstaltungen eingeladen – auch in Schulen.
So sollte er am 19. März gemeinsam mit Hauptmann Benjamin Bartels von der Bundeswehr vor Oberstufenschülern eines Gymnasiums in Apolda auftreten. Nach separaten Vorträgen war eine 45-minütige Diskussion mit den Schülern geplant. Die erste Runde mit den zehnten und zwölften Klassen verlief, eigenen Angaben zufolge, trotz konträrer Positionen zivilisiert.
In der folgenden Veranstaltung für die elften Klassen eskalierte die Situation jedoch. Als Hauptmann Bartels argumentierte, Deutschland sei die militärische Verteidigung wert, weil hier hundertprozentige Meinungsfreiheit herrsche, widersprach Pfaff. Er verwies darauf, dass Kritiker in der Bundesrepublik sehr wohl ausgegrenzt und sogar illegal sanktioniert würden.
Noch bevor Pfaff seinen eigentlichen Vortrag beginnen konnte, stürmte der zuständige Stufenleiter nach vorn, klappte dessen Laptop zu und erteilte ihm Hausverbot. Der Pädagoge soll den ehemaligen Major dabei als Lügner bezeichnet und ihm vorgeworfen haben, die Schüler beeinflussen zu wollen. Eine sachliche Auseinandersetzung war nicht möglich, Pfaff musste die Schule verlassen.
Die Reaktionen der Schüler, von denen viele den Vorfall als undemokratisch empfanden, werfen ein bezeichnendes Licht auf das Meinungsklima. In schriftlichen Rückmeldungen an Pfaff äußerten sie Enttäuschung darüber, dass eine kontroverse Diskussion verhindert wurde. Ein Schüler brachte es auf den Punkt:
> *”Sobald man versucht, Meinungen zu verbieten oder als falsch darzustellen, ist das keine Demokratie mehr. Es gibt keine richtigen und falschen Meinungen.”*
Besonders paradox: Der Stufenleiter berief sich bei seinem Vorgehen angeblich auf den “Beutelsbacher Konsens”. Diese Richtlinie betont jedoch explizit das “Überwältigungsverbot” – also dass Lehrer Schüler nicht mit ihrer eigenen Meinung überwältigen dürfen – und befürwortet die kontroverse Diskussion unterschiedlicher Standpunkte. Die Theorie scheint in Apolda der Praxis gewichen zu sein.
Pfaff zog aus den Ereignissen eine gemischte, aber hoffnungsvolle Bilanz:
> *”Anhand der Reaktionen besteht die Hoffnung, dass die junge Generation durchaus in der Lage ist, sich eigene Gedanken zu machen. Somit war diese Veranstaltung für die direkt Betroffenen zwar ein tiefer Schlag für ihr Engagement, aber ein wichtiges Lehrstück für die Demokratie.”*
Das Schweigen der Schulleitung, die sich bislang nicht bei dem hinauskomplimentierten Gast entschuldigt hat, lässt vermuten, dass das Verhalten des Lehrers gebilligt wird. Dabei wäre gerade in einer Zeit, in der Jugendoffiziere der Bundeswehr regelmäßig in Klassenzimmern auftreten, die Gegenperspektive essenziell. Andernfalls entsteht ein einseitiges Bild, wie ein Beispiel aus einem *Welt*-Bericht zeigt: Ein Jugendoffizier fragt, ob sich die Klasse von Russland bedroht fühlt. Einige nicken, die Mehrheit schweigt. Der Offizier wertet das Schweigen als Zustimmung. So bleibt das Narrativ der Bedrohung unwidersprochen.
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