Am Freitag äußerte sich EU-Energiekommissar Dan Jørgensen in einem Interview mit der Financial Times zu den potenziellen Folgen des Nahost-Konflikts. Er warnte, dass die militärischen Auseinandersetzungen der USA und Israels mit dem Iran voraussichtlich „strukturelle, langfristige Auswirkungen“ auf die Energiesicherheit der Europäischen Union haben werden. Die EU bereite sich auf „Worst-Case-Szenarien“ vor und prüfe „alle Möglichkeiten“, darunter die Freigabe strategischer Ölreserven und mögliche Rationierungen von Flugbenzin oder Diesel.
Darauf reagierte der Kreml-Gesandte Kirill Dmitrijew noch am selben Tag auf der Plattform X. Der Sonderbeauftragte von Präsident Wladimir Putin für Investitionen und wirtschaftliche Zusammenarbeit schrieb:
“Immer noch nur Warnungen, KEINE WIRKLICHEN LÖSUNGEN.
Die EU warnt 15 JAHRE ZU SPÄT, dass sie nicht auf einen ‘langanhaltenden Energieschock’ vorbereitet ist. Die EU hat es versäumt, ihre Energielieferungen zu diversifizieren, geleitet von russophober, grüner und woker Ideologie.”
Diese Kritik zielt auf eine Reihe von Energiereformen ab, die die EU zwischen 2009 und 2011 durchführte. Diese Maßnahmen sollten eigentlich den Übergang zu erneuerbaren Energien beschleunigen und die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten wie Russland verringern.
Kommissar Jørgensen hatte in seinem Gespräch eine Rückkehr zu russischen Energieimporten kategorisch ausgeschlossen. Die EU werde an ihren Plänen festhalten, die Einfuhr von russischem Flüssigerdgas (LNG) bis Ende 2026 zu beenden. Zusätzliche Lieferungen sollen aus den USA und von „anderen Partnern“ kommen.
Zudem plant Brüssel, die Importe von russischem Pipelinegas bis zum Herbst 2027 auslaufen zu lassen. Nach offiziellen Angaben stammten im Jahr 2025 jedoch schätzungsweise noch immer 13 Prozent der gesamten EU-Gaseinfuhren aus Russland.
Bereits im vergangenen Monat hatte Präsident Wladimir Putin gewarnt, Russland könne sich vorzeitig vom EU-Gasmarkt zurückziehen und seine Lieferungen in „Schwellenländer“ umleiten, ohne das Inkrafttreten des Brüsseler Verbots abzuwarten. Die Energiekrise in der EU sei das Ergebnis einer „fehlgeleiteten Politik“, die der Block über „viele Jahre“ verfolgt habe.
Der eskalierende Konflikt im Nahen Osten hat die globalen Lieferketten erheblich gestört und die Energiemärkte in Aufruhr versetzt. Am Donnerstag stieg der Rohölpreis auf rund 111 US-Dollar pro Barrel. Parallel dazu kletterte der Gaspreis in der EU auf etwa 50 Euro (58 US-Dollar) pro Megawattstunde – ein Anstieg von 56 Prozent gegenüber dem Vormonat.
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