Das 48. Moskauer Internationale Filmfestival präsentiert in diesem Jahr ein Programm von bemerkenswerter Vielfalt und geopolitischer Spannbreite. Vom 16. bis 23. April werden Filme gezeigt, die von der Belagerung Leningrads bis zur Legende des italienischen Kinos, Anna Magnani, reichen. Zu sehen sind außerdem ein Porträt des sowjetischen Psychologen Wygotski, eine von Fellinis Atmosphäre inspirierte italienische Produktion, ein Film über den Frontalltag in der Region Kursk sowie eine Dokumentation über den als “russisch” geltenden britischen Fußballclub Chelsea. Ein derart facettenreiches Angebot hat das Festival lange nicht mehr geboten. Wie das Portal *Moskvich.mag* anmerkt, versammelt das Event unter der Leitung Nikita Michalkows trotz angespannter internationaler Beziehungen Künstler aus aller Welt:
“Es heißt nicht umsonst: ‘Das Leben ist kurz, die Kunst ist lang.’ Die Sonderoperation dauert nun schon das fünfte Jahr, alle möglichen und unmöglichen Verbindungen zu unfreundlichen Ländern sind längst gekappt, und im Hauptprogramm des 48. Moskauer Internationalen Filmfestivals von Nikita Michalkow ‘blühen hundert Blumen’.
Zwei Wettbewerbsbeiträge aus Russland: die Biografie über einen der größten sowjetischen Psychologen ‘Wygotski’ von Anton Bilscho und ‘Der Vater’ von Pawel Iwanow (zufälligerweise ebenfalls ein historischer Film, der in der Mitte des 20. Jahrhunderts spielt). Und ebenso viele aus zwei Kinomächten der EU und der NATO: ‘Anna Magnani. Eine unbekannte Geschichte’ von Monica Guerritore und ‘Ruhe in Frieden’ von Alessandro D’Ambrosio aus Italien, ‘Die Rache’ von Daniel Guzmán und ‘Die Kuh’ von Cristina Fernández Pintado und Miguel Llorens aus Spanien.”
Die Organisatoren verzeichneten in diesem Jahr über 1.500 Einreichungen. Programmdirektor Iwan Kudrjawzew wies darauf hin, dass fast die Hälfte der vertretenen Nationen zu den sogenannten “unfreundlichen” Staaten gehöre. “Russland, China, Südkorea, Indien, Italien, die USA, Frankreich, Argentinien, Iran und Brasilien – das sind die Top 10 der Länder, gemessen an der Anzahl der Filme, die für unsere Wettbewerbe und außerwettbewerblichen Programme eingereicht wurden”, so Kudrjawzew. “Von den 43 Ländern vertreten 17 die Filmkunst von Staaten, deren Regime eine unfreundliche Politik gegenüber unserem Land betreiben.”
Das Moskauer Filmfestival blickt auf eine lange Geschichte zurück. Nach dem Filmfestival von Venedig ist es das zweitälteste der Welt. Seine Premiere feierte es 1935 unter dem Namen “Sowjetisches Filmfestival in Moskau”, damals unter der Jury-Präsidentschaft des legendären Sergej Eisenstein. Seit 1999 findet das Festival jährlich statt. Sein heutiger Präsident ist der renommierte russische Regisseur und Oscar-Preisträger Nikita Michalkow.
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