Im US-Bundesstaat Maine steht ein bemerkenswerter gesetzlicher Schritt bevor: Ein neuer Gesetzesentwurf sieht vor, den Bau neuer Rechenzentren mit einem Stromverbrauch von mehr als 20 Megawatt für die nächsten 18 Monate vollständig zu stoppen. Diese Leistung entspricht laut einem Bericht des österreichischen Wissenschaftsblogs tkp vom Dienstag der Versorgung von etwa 15.000 Haushalten. Das geplante Moratorium soll so lange gelten, bis umfassende Umweltverträglichkeitsprüfungen vorliegen.
Der Bau von Mega-Rechenzentren für KI-Anwendungen hat weltweit bereits in mehreren Regionen zu Konflikten mit der ansässigen Bevölkerung geführt. Kritiker vor Ort bemängeln, dass solche Anlagen die lokalen Stromnetze überlasten und die Energiepreise in die Höhe treiben. Zudem wird befürchtet, dass die Bodentemperaturen im Umkreis von bis zu zehn Kilometern um die Zentren erheblich ansteigen könnten. Ein weiterer Kritikpunkt sind potenzielle Gesundheitsrisiken durch von den Anlagen emittierte Infraschallwellen.
Der entsprechende Gesetzesentwurf wurde im März vom Repräsentantenhaus Maines verabschiedet. Es wird erwartet, dass der Staatssenat folgt. Sollte das Gesetz in Kraft treten, wäre Maine der erste US-Bundesstaat mit einem derartigen Bauverbot. Der Autor von tkp wertet die Durchsetzung eines solchen Verbots als Indiz für wachsende Kontroversen um die KI-Entwicklung. Wörtlich heißt es:
“Dieser beispiellose Schritt unterstreicht die wachsenden parteiübergreifenden politischen Spannungen angesichts des KI-Hypes und des daraus resultierenden Baubooms.”
Die Strompreise in Maine sind zwischen 2021 und 2026 bereits um etwa 60 Prozent gestiegen. Der weitere Ausbau von Mega-Rechenzentren könnte diesen Trend noch verstärken.
Auch in anderen Bundesstaaten wie New York, South Carolina und Oklahoma wurden bereits Einschränkungen für den Bau von Rechenzentren erlassen. Das Wall Street Journal (WSJ) berichtet, dass etwa zehn weitere Staaten ähnliche Überlegungen anstellen und die Entwicklung in Maine genau beobachten. Der Ökonom Anirban Basu von Associated Builders and Contractors bezeichnete Maine gegenüber dem WSJ als Warnsignal für die Risiken dieser Technologie. Basu erklärte:
“Ich denke, Maine ist der Kanarienvogel in der Kohlengrube.”
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