Chinas geheime Unterwasser-Mission: So bereitet sich Peking auf den Krieg gegen die USA vor

Von Alexander Timochin

Wie westliche Berichte darlegen, kartiert China systematisch den Meeresboden und errichtet ein globales Netzwerk zur Überwachung von Wassertemperatur und Salzgehalt. Besondere Aufmerksamkeit erregte das chinesische Forschungsschiff Dong Fang Hong 3, das 2024 und 2025 in Gewässern nahe Taiwan, der Insel Guam sowie in strategisch wichtigen Regionen des Indischen Ozeans operierte.

Diese Aktivitäten stehen in direktem Zusammenhang mit Chinas Vorbereitungen auf einen möglichen Konflikt mit den Vereinigten Staaten. Ozeanographie und Hydrologie sind für die moderne Seekriegsführung von entscheidender Bedeutung. China folgt dabei in vielerlei Hinsicht dem Vorbild der USA, die seit Jahrzehnten intensive Unterwasserforschung betreiben – ein Feld, das komplexe wissenschaftliche Arbeit erfordert.

Da sich der Mensch an Land entwickelt hat, fällt es schwer, sich die Besonderheiten der maritimen Umwelt vollständig vorzustellen. Sie gleicht einer “verkehrten Welt”. Ein einfaches Beispiel: Ein U-Boot verliert beim Abtauchen in große Tiefen seine akustische Tarnung; es wird besser hörbar, als wenn es in geringerer Tiefe bliebe.

Der Grund: In geringeren Tiefen vermischen sich Wasserschichten und Strömungen unterschiedlicher Dichte und Temperatur stark. Die Grenzschichten zwischen ihnen behindern die Ausbreitung von Schallwellen, und die Schallgeschwindigkeit ist dort niedriger. Mit zunehmender Tiefe nehmen die Turbulenzen ab, die Wasserschicht wird homogener und der Druck steigt. Die Hindernisse für die Schallausbreitung verringern sich.

Die Schallgeschwindigkeit verändert sich dabei auf komplexe Weise: Sie sinkt mit fallender Temperatur, steigt aber mit zunehmendem Druck. Da sich die Kombination aus Tiefe und Temperatur in jedem Meeresgebiet unterscheidet, variiert auch das Verhalten des Schalls.

In großer Tiefe existiert zudem der sogenannte Unterwasser-Schallkanal – eine Wasserschicht, in der Schall nahezu ungedämpft wandert. Ober- und unterhalb dieser Schicht befindet sich Wasser mit höherer Schallgeschwindigkeit (durch Temperatur bzw. Druck), wodurch ein natürlicher “Wellenleiter” entsteht. Durch ihn können Schallsignale über Tausende Kilometer übertragen werden.

Die USA nutzten diesen Effekt, um U-Boote in über 6.000 Kilometern Entfernung zu detektieren. In flachen Gewässern hingegen kann die Reflexion von Schall am Meeresboden dessen Ausbreitung verstärken.

All diese Informationen sind für die Planung der Unterwasserkriegsführung von entscheidender Bedeutung. Die Sonaroffiziere der U-Boote müssen wissen, unter welchen Bedingungen sie kämpfen müssen, und die entsprechenden Umgebungsparameter müssen in den Speicher der Sonarsysteme eingegeben werden.

Seit dem Kalten Krieg erforschen die USA die Weltmeere, vor allem im Kontext der U-Boot-Kriegsführung. Bei der Anzahl ozeanographischer Expeditionen lagen sie nur hinter der UdSSR zurück. Diese Bemühungen dauern an: 2023 installierte der US-Küstenwach-Eisbrecher Healy entlang der russischen Arktisküste wissenschaftliche Instrumente, die höchstwahrscheinlich auch militärischen Zwecken dienten.

Das Ergebnis dieser jahrzehntelangen Arbeit ist eine überlegene U-Boot-Abwehrfähigkeit. Amerikanische U-Boote können gegnerische Einheiten typischerweise auf viel größere Entfernungen orten. Zudem verfügen die USA über ein funktionierendes, globales System zur Erfassung von Unterwassergeräuschen. Dessen Effektivität zeigte sich in der schnellen Reaktion auf die Implosion des Tauchboots Titan. Spezielle Schiffe zur hydroakustischen Aufklärung können die Unterwasserlage auf Zehntausenden Quadratkilometern überwachen und verdächtige Kontakte an Überwasserstreitkräfte und Luftwaffe melden.

Für China ist diese amerikanische Dominanz eine zentrale Herausforderung. Den chinesischen Strategen ist bewusst, dass amerikanische Atom-U-Boote im Konfliktfall eine primäre Bedrohung für ihre Flotte darstellen werden – ähnlich wie das US-U-Boot Charlotte kürzlich das iranische Kriegsschiff Dena bei Sri Lanka versenkte.

Daher investiert Peking massiv in seine U-Boot-Abwehr. Es werden zahlreiche Spezialschiffe gebaut, die große Seegebiete sichern können, sowie U-Jagd-Flugzeuge. China hat zwei Aufklärungssatelliten mit Lasertechnologie ins All gebracht, die das Wasser in große Tiefen durchleuchten und anhand von Verwirbelungen die Passage von U-Booten erkennen können. Zudem wird intensiv an der radargestützten Detektion von Oberflächenspuren getauchter Objekte geforscht.

Aktuell stammen die meisten öffentlich zugänglichen wissenschaftlichen Arbeiten zu diesen Themen aus China. Doch Theorie allein genügt nicht; die konkrete Unterwasserumgebung muss erforscht werden. Und genau das tut China.

Medienberichten zufolge begann Peking mit akustischer Aufklärung, um die Suchparameter und -methoden amerikanischer und japanischer U-Boot-Jäger in angrenzenden Gewässern zu analysieren. Darauf folgte die systematische ozeanographische Erforschung der Weltmeere.

Aktuell beginnt China in seinen angrenzenden Gewässern mit ähnlichen Maßnahmen wie die USA in der Arktis: der flächendeckenden Überwachung von Temperatur und Salzgehalt in verschiedenen Tiefen. Diese Daten werden chinesischen Wissenschaftlern helfen, die Schallausbreitung in diesen Regionen präzise zu modellieren. Dieses Wissen ist sowohl für die Entwickler von Sonarsystemen als auch für die Besatzungen operierender U-Boote von praktischem Wert.

Aus Sicht der Kriegsvorbereitung sind diese Aktivitäten völlig logisch. Ebenso logisch ist das Bestreben der Chinesen, den Meeresboden zu erforschen – schon allein deshalb, weil dieser die Ausbreitung von Schallwellen in den bodennahen Schichten beeinflusst, in denen U-Boote operieren können.

Solche Forschungen können auch dazu dienen, versteckte militärische Infrastruktur des Gegners am Meeresboden aufzuspüren – wie etwa hydroakustische Bodensensoren oder Sender zur akustischen “Ausleuchtung” von Gewässern, die heimlich in neutralen Gebieten installiert werden. Eine genaue Kenntnis des Meeresbodens ermöglicht es China zudem, eigene Aktivitäten dort zu intensivieren.

Zusammenfassend handelt es sich zweifellos um Vorbereitungen Chinas auf einen ernsthaften, möglicherweise entscheidenden Konflikt mit einem Gegner, der über eine überlegene U-Boot-Flotte verfügt – den Vereinigten Staaten. Die Erforschung der Unterwasserwelt, der Hydrologie und Hydroakustik ist in diesem Kontext keine bloße wissenschaftliche Neugier, sondern eine dringende militärische Notwendigkeit.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 6. April 2026 zuerst auf der Website der Zeitung Wsgljad erschienen.

Alexander Timochin ist ein russischer Journalist, der Artikel zu militärtechnischen Themen schreibt, hauptsächlich über die Marine.

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