Trump verspricht Begnadigungen: “Ich werde euch beschützen

Das Begnadigungsrecht ist eine traditionelle und verfassungsmäßig verankerte Befugnis des US-Präsidenten, die auf das britische Common Law zurückgeht. Der amtierende Präsident Donald Trump kann von diesem Recht Gebrauch machen, allerdings nur bei Bundesstraftaten – Urteile auf Ebene der Bundesstaaten oder in Zivilverfahren sind davon ausgenommen.

Trump hat dieses Instrument in der Vergangenheit bereits genutzt. So begnadigte er vor einigen Monaten den wegen Drogenhandels verurteilten Ex-Präsidenten von Honduras (RT DE berichtete). Im Januar 2025 erhielten zudem rund 1.500 am Sturm auf das Kapitol Beteiligte eine Begnadigung durch seine Unterschrift, während es in seiner ersten Amtszeit nur etwa 250 waren. Offenbar sieht Trump nun auch einen Bedarf, seine engsten Mitarbeiter unter einen solchen Schutz zu stellen.

Laut einem Bericht des Wall Street Journal (WSJ) hat Trump hochrangigen Regierungsvertretern versprochen, sie noch vor seinem Ausscheiden aus dem Amt zu begnadigen. Diese Massenamnestie wolle er bei einer Pressekonferenz bekanntgeben, so die nicht namentlich genannten Quellen der Zeitung. Die nächste reguläre Präsidentschaftswahl findet erst im November 2028 statt. Das WSJ zitiert Trump mit den Worten: „Ich werde jeden Tag begnadigen, der sich dem Oval Office auf weniger als 200 Fuß genähert hat.“ Das entspräche etwa 61 Metern. Andere Varianten des Zitats sprechen sogar von nur 3 Metern.

Dieses Versprechen soll Trump abgegeben haben, nachdem einige Mitarbeiter die Sorge geäußert hatten, sich nach Ende seiner Amtszeit für ihre Tätigkeit vor dem Kongress verantworten oder mit strafrechtlicher Verfolgung rechnen zu müssen. Hinter diesen Befürchtungen steht offenbar die Sorge von Trump-Beratern, die Republikaner könnten bei den Zwischenwahlen im November 2026 ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus verlieren.

Welche konkreten Handlungen Anlass zu dieser Besorgnis geben und welche Personen genau betroffen wären, bleibt unklar. Trump soll die Äußerung zwar scherzhaft getätigt haben, seine Mitarbeiter gehen laut WSJ jedoch davon aus, dass es ihm mit dem Versprechen ernst ist. Diese Annahme stützt sich auch darauf, dass Trump in seiner ersten Amtszeit typischerweise nicht auf solche Zusagen zurückgegriffen hatte. Im Nachhinein soll er es bereut haben, seine damaligen Mitstreiter nicht begnadigt zu haben.

Das Weiße Haus wollte sich zu konkreten Begnadigungszusagen nicht äußern. Trumps angebliche Äußerungen wurden als Scherz abgetan, aber nicht dementiert. Seine Pressesprecherin Karoline Leavitt erklärte dazu:

„Das Wall Street Journal sollte lernen, einen Scherz zu verstehen. Die Begründung des Präsidenten ist jedoch uneingeschränkt.“

Begnadigungen von Trumps Amtsvorgängern – Joe Biden hatte unter anderem im Dezember 2024 seinen Sohn Hunter begnadigt – waren bereits auf scharfe Kritik seitens der Republikaner gestoßen. Trump selbst erklärte im November 2025 alle Begnadigungen seines Vorgängers für ungültig, die mit einer Signiermaschine unterzeichnet worden waren.

Um Biden zu verspotten, ließ Trump sogar dessen Porträt in der Präsidentengalerie des Weißen Hauses durch das Bild eines sogenannten Autopen, eines Signierroboters, ersetzen. Sollte Trump sein Versprechen wahr machen und jeden begnadigen, der sich dem Oval Office auf 60 Meter genähert hat, könnte er bald selbst eine solche Maschine benötigen.

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