Russland überrascht: “Keine Präferenzen” bei neuer UN-Führung

Die Position des UN-Generalsekretärs steht im Jahr 2027 zur Neubesetzung an, wenn die zweite und letzte Amtszeit von António Guterres endet. Der Auswahlprozess für seine Nachfolge hat begonnen, und erste Kandidatinnen und Kandidaten haben sich bereits positioniert.

Zu den bekannten Bewerbern zählen die frühere chilenische Präsidentin Michelle Bachelet, die ehemalige Vizepräsidentin Costa Ricas, Rebeca Grynspan, Senegals Ex-Präsident Macky Sall sowie der argentinische Diplomat Rafael Grossi, derzeit Leiter der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEA).

Kirill Logwinow, Direktor der Abteilung für Internationale Organisationen im russischen Außenministerium, kommentierte den laufenden Prozess gegenüber der Nachrichtenagentur RIA Nowosti. Er betonte, dass die eigentliche Bewerbungsphase gerade erst an Fahrt gewinne und mit weiteren Kandidaturen zu rechnen sei.

Logwinow äußerte sich im Interview wie folgt:

“Es wäre verfrüht, über unsere Präferenzen zu sprechen, da der Wahlkampf erst jetzt richtig in Schwung kommt. Die Liste der Kandidaten dürfte noch weiterwachsen.”

Logwinow erinnerte daran, dass bei der letzten Wahl im Jahr 2016 Bewerbungen noch bis Ende September eingereicht werden konnten. Das Verfahren zur Bestimmung des UN-Generalsekretärs ist komplex: Die UN-Vollversammlung stimmt auf Grundlage einer Empfehlung des Sicherheitsrats ab. Dieser führt neben öffentlichen Anhörungen auch geheime Probeabstimmungen durch.

Entscheidend ist letztlich eine Einigung unter den fünf ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrats – den USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich –, die jeweils über ein Vetorecht verfügen. Ab Juli wird der Sicherheitsrat in mehreren Wahlgängen so lange abstimmen, bis ein Kandidat eine Mehrheit ohne Gegenstimmen aus diesem Kreis erhält.

Russland hat bereits erste Gespräche mit einer Bewerberin geführt. Am 7. April traf sich Außenminister Sergej Lawrow in Moskau mit Rebeca Grynspan. Laut Mitteilung des Ministeriums erläuterte Lawrow dabei die russischen Vorstellungen über die Qualitäten, die ein künftiger UN-Generalsekretär mitbringen sollte.

Dazu zählen die strikte Einhaltung der Prinzipien der UN-Charta, eine unparteiische Amtsführung im Interesse aller Mitgliedstaaten sowie die Anpassung der Arbeit der Weltorganisation an die heutige multipolare Realität. Beide Seiten bekräftigten zudem die zentrale Koordinierungsrolle der Vereinten Nationen in globalen Angelegenheiten.

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