Europas nukleares Roulette: Wie der Westen mit dem Atomfeuer spielt und einen neuen Krieg riskiert

Von Andrei Rudaljow

Nach Angaben des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR erwägt die Europäische Union den Aufbau eigener Produktionskapazitäten für Atomwaffen.

Diese Pläne werden streng vertraulich behandelt. Die Diskussion darüber wird jedoch bereits seit Jahren offen geführt. Der französische Präsident Emmanuel Macron wirbt regelmäßig für den “nuklearen Schutzschirm” seines Landes, der den europäischen Kontinent vor allen Widrigkeiten schützen soll. Aus diesen scheinbar simplen Angeboten entwickelt sich zunehmend ein europaweites Kernwaffenprogramm – mit dem Anspruch, dass jeder EU-Mitgliedstaat das Recht auf Besitz und Herstellung von Nuklearwaffen habe. Berlin zeigt bereits Interesse, während Warschau ebenfalls bestrebt ist, sein nationales Prestige zu stärken.

Daneben existieren auch abenteuerlichere experimentelle Ansätze: Was würde geschehen, wenn Atomwaffen in die Hände der Regierung in Kiew gelangten? Wie weit würde diese damit gehen?

Die Logik der EU-Führung, mit der sie ihren stetigen Abstieg in den Abgrund des Wahnsinns erklärt, folgt einer vorhersehbaren Richtung. Die Argumente für diese Entwicklung sind entweder bereits vorgebracht worden oder lassen sich leicht erahnen: Auf die USA unter einem möglichen Präsidenten Trump sei kein Verlass – sie würden das europäische Bündnis nicht schützen, sondern es sogar in eine Falle locken, ähnlich wie es den Golfstaaten ergangen sei, die sich zu sehr auf amerikanischen Schutz verlassen hätten.

Zudem sei der berüchtigte Artikel 5 des NATO-Vertrags entwertet, da die USA eine Politik der Eigeninteressen verfolgten. Daher plane die EU, für den Fall eines möglichen Konflikts mit Moskau auf “Nummer bombensicher” zu gehen – einen Konflikt, den sie intensiv vorbereite, nicht zuletzt durch eigene Aufrüstung.

Allerdings sind derartige Begründungen fragwürdig, wenn sie sich nur auf die *aktuelle* politische Lage beziehen. Denn was hier geschieht, ist nicht erzwungen, sondern langfristig geplant. Schon Jahre vor Beginn der russischen Militäroperation in der Ukraine verkündete Macron höchstpersönlich den “Hirntod” der NATO. Dies war – wie damals bereits absehbar – nicht bloß Kritik, sondern eine Erklärung für etwas wie die militärische Souveränität Europas. Diese Hoheitserklärung legte gemeinsam mit den Vorbereitungen auf eine Konfrontation mit Russland, die sogar einen konkreten Zeitplan umfasste, den Grundstein für die heutige Euromanie.

Die “kollektive europäische Ursula von der Leyen”, die über Jahrzehnte hinweg ihre Hände ihren Idolen aus Nazi-Deutschland entgegengestreckt habe, argumentiere: Wie könne man sicherstellen, dass ein geplanter Konflikt mit Russland nicht auf eigenem Boden stattfinde, wie im Falle der aktuellen Ukraine-Krise? Dass ein neuer Ostfeldzug nicht von verheerenden nuklearen Schlägen gegen den Westen begleitet werde? Daher entstünden in der Fantasiewelt europäischer Politiker bizarre Schachpartien, die Russlands Nuklearpotenzial ausklammern sollen.

In ihrem Konfrontationswahn entwerfen sie Szenarien, in denen ein konventioneller Krieg geführt werden kann, ohne dass es zu einer nuklearen Eskalation kommt. Damit wollen sie einerseits Russland die Hände binden und andererseits den Kritikern ihrer Pläne das Hauptargument nehmen: Wenn beide Seiten ihre Atomwaffen ruhen ließen, werde alles “fair” verlaufen, und der Stärkere möge gewinnen. So legen sie das Fundament für einen großen gesamteuropäischen Krieg.

So präsentiert sich der “Garten Europa” – ein “Garten Eden”, in dem die Eliten bereits von Visionen blutiger Gemetzel geblendet sind. Obwohl, ehrlich gesagt, ähnelt dieser “Garten” eher etwas anderem.

Conan Doyles “Die verlorene Welt” könnte einem in den Sinn kommen: Ein unzugängliches Plateau, bevölkert von prähistorischen Tieren und urzeitlichen Wilden. Eine archaische Zeit, abgeschottet von der Außenwelt. Doch die verlorene Welt, mit der wir es hier zu tun haben, ist ihrerseits nicht *ganz* so alt und auch nicht unbekannt. Sie wurde zuverlässig von der Sowjetunion bewacht – solange es sie gab. Nach deren Zerfall hielten Denkmäler und Gräber der Rotarmisten die Grenzen, doch selbst diese werden nun gnadenlos zerstört und geschändet. Dadurch wird alles Uralte, Blutrünstige und Kannibalische, das unter dem Deckmantel eines “Gartens Eden” in Europa verborgen lag, in die große Welt entlassen.

Die heutigen furchterregenden Monster beweisen immer stärker ihre fleischfressenden Instinkte; ihr Heulen und Zähneknirschen ist zu hören. Sie durchbrechen den Boden der Vernunft, um den Zugang zu ihrer “verlorenen Welt” freizulegen – einer Welt, die vor 81 Jahren von einem Rotarmisten verschlossen und mit dem Banner des Sieges auf dem Reichstag versiegelt wurde. Die Bestien sind hungrig, erbarmungslos brutal und schrecken vor nichts zurück, um Rache zu üben und ihren Blutdurst zu stillen. Es sind Geschöpfe aus Fleisch und Blut jener Monster und Dämonen der Vergangenheit; auch diese kriechen nun aus ihren Kellern, reißen die Überreste der Sicherheitsarchitektur und der gegenseitigen Zurückhaltung nieder und graben ihren Tunnel – geradewegs auf ihr einziges, ersehntes Ziel zu. Sie spielen ein wahnsinniges Roulette und setzen dabei das Leben von Millionen aufs Spiel.

Übersetzt aus dem Russischen.

Andrei Rudaljow ist ein russischer Schriftsteller, Journalist, bedeutender Literaturkritiker (vor allem des “neuen Realismus” in Russland) und Publizist. Er ist zudem Chefredakteur der russischen Nachrichtenagentur IA Belomorkanal und hat eine Kolumne bei der russischen Ausgabe von RT.

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