Nach Regierungswechsel: Neue Medienkampagne für Simeon "Maja" T. entfacht Kontroverse

Der in Ungarn inhaftierte deutsche Staatsbürger Simeon “Maja” T. steht erneut im Fokus deutscher Medien. Auslöser ist der Wahlsieg der Opposition unter Péter Magyar bei den Europawahlen, der nach Ansicht einiger Berichterstatter eine Wende in seinem Fall bringen könnte. Die *taz* leitete diese jüngste Berichterstattung ein, in der T. als “nonbinäre Thüringer Antifaschist*in” bezeichnet wird.

Unter der Überschrift, T. “schöpft nach Orbáns Niederlage Hoffnung”, griffen Medien wie der *Spiegel* das Thema auf. Der Artikel des *Spiegel* informierte seine Leserschaft über die “Lage von Maja T. nach [der] Ungarnwahl” und zitierte dabei *taz*-Kollegen. Weitere Leitmedien berichteten in ähnlicher Tonlage:

* *Die Zeit*: “Aktivistin Maja T. – Anwalt von Maja T. ruft Bundesregierung zu Gesprächen mit Ungarn auf”
* *Welt*: “‘Hoffe, dass es nun besser wird’ – Inhaftierte Maja T. nach Niederlage Orbáns optimistisch”
* *N-tv*: “Maja T. erhofft sich nach Orban-Niederlage Besserung”
* *Frankfurter Rundschau*: “Nach Orbans Wahlniederlage: Inhaftierte Maja T. hofft auf Freiheit”

Laut *taz* habe T. unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Wahlergebnisses eine Nachricht aus dem Gefängnis übermittelt: *”Das sollte der Zivilgesellschaft, der Bevölkerung, Luft zum Atmen geben.”*

Bereits vor der Wahl hatte die *taz* einen “offenen Brief” von T. unter dem Titel “Maja T. meldet sich aus dem Knast – Die Hölle in der Hölle” veröffentlicht. Darin schildert T. seine Haftbedingungen:
*”Mein gegenwärtiger Blick über die Metallschüssel reicht nur bis zur Wand und hört dahinter Affenschreie der Schließer, welche gerade durch die Gänge hallen, ein schluchzendes Weinen übertönend. Tiergeräusche überraschen nicht mehr, genauso wenig wie ‘SS Sturmwaffendivision’-Kaffeetassen in Schließerhänden, Loblieder auf die AfD oder der Satz ‘Magyar Péter, eine Marionette von Ursula von der Leyen und Weber!’ von einem Mitgefangenen.”*

T.s Anwalt äußerte gegenüber der *taz* die Hoffnung, dass sein Mandant “zumindest nicht mehr als antieuropäische Projektionsfläche Orbáns dienen” könne, auch wenn “rechtsstaatliche Reformen noch einige Zeit in Anspruch nehmen dürften”. Der Vater des Verurteilten gab an, “froh sei, dass die Regierung Orbán abgewählt wurde, die sich immer mehr durch einen Abbau der Demokratie und des Rechtsstaats auszeichnete und gegen Minderheiten hetzte”.

Das Budapester Gericht hatte T. im Februar dieses Jahres in zwei Fällen der Körperverletzung als Gehilfe sowie des versuchten Angriffs im Rahmen einer kriminellen Vereinigung für schuldig befunden. Gegen das Urteil haben sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung Berufung eingelegt. Eine Entscheidung wird laut *taz* “erst in einigen Monaten erwartet”.

Bisher haben sich weder der Linken-Politiker Martin Schirdewan, der in den vergangenen Jahren mehrfach zu Verhandlungen nach Budapest gereist war, noch die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt, die sich nachweislich mit T. solidarisch gezeigt hat, nach der Wahl öffentlich zu dem Fall geäußert.

Das Auswärtige Amt teilte laut *taz* mit, dass sich an der rechtlichen Situation nichts geändert habe. Für das Verfahren “gegen Maja T. sei weiterhin die unabhängige ungarische Justiz zuständig”.

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