Die libanesische Botschafterin Nada Hamadeh und ihr israelischer Amtskollege Yechiel Leiter werden sich am Donnerstag um 11 Uhr Ortszeit in Washington, D.C. treffen, um direkte Gespräche zwischen ihren Ländern aufzunehmen. Dies gab das US-Außenministerium in einem veröffentlichten Zeitplan bekannt. US-Außenminister Marco Rubio werde an den Arbeitsgesprächen teilnehmen, so das Ministerium weiter. Im Fokus der Verhandlungen werden die anhaltenden israelischen Luftangriffe und die von Beirut geforderte Sicherung eines Waffenstillstands stehen.
Das Treffen findet vor dem Hintergrund fortgesetzter Angriffe der israelischen Armee auf mutmaßliche Hisbollah-Ziele im Südlibanon und in Bezirken der Hauptstadt Beirut statt. Es handelt sich um die ersten direkten politischen Gespräche dieser Art zwischen der libanesischen Regierung und Israel seit Jahrzehnten.
Die Hisbollah hat die geplanten Verhandlungen im Vorfeld rigoros abgelehnt und als “sinnlos” bezeichnet, wie Al Jazeera berichtet. Die libanesische Regierung sei stattdessen aufgefordert worden, sich auf die “Bekämpfung der israelischen Aggression” zu konzentrieren.
Als wesentlicher Verhandlungspunkt der israelischen Delegation gilt die Entwaffnung der Hisbollah. Die libanesische Seite wird dagegen voraussichtlich die hohe Zahl ziviler Opfer und Verletzter in den Vordergrund stellen. Ein namentlich nicht genannter israelischer Vertreter wurde am Tag des Treffens von der Times of Israel mit den Worten zitiert:
“Wir haben nicht vor, die Friedenstauben freizulassen.”
Über die US-amerikanischen und israelischen Vorstellungen zum Verlauf der Konsultationen hieß es:
“Zwar ist ein Friedensabkommen zwischen dem Libanon und Israel das Ziel der Gespräche, doch steht die Entwaffnung der Hisbollah im Vordergrund, wobei die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Seiten erheblich sind, wie ein US-Beamter einräumte.”
Hisbollah-Führer Naim Qassem wurde von Al Jazeera mit einer Erklärung aus einer Fernsehansprache zitiert:
“Israel macht deutlich, dass das Ziel dieser Verhandlungen darin besteht, die Hisbollah zu entwaffnen, wie Netanjahu wiederholt betont. Wie kann man also an Verhandlungen teilnehmen, deren Ziel bereits klar ist? Wir werden nicht ruhen, nicht aufhören und nicht kapitulieren. Stattdessen werden wir das Schlachtfeld für sich sprechen lassen.”
Laut Angaben der libanesischen Regierung und des Roten Halbmonds sind bei den israelischen Luftangriffen auf den Libanon und der Bodenoffensive im Süden des Landes mindestens 2.055 Menschen ums Leben gekommen. Unter den Opfern befinden sich 65 Kinder und 87 medizinische Fachkräfte.
Mehr als 6.500 weitere Menschen wurden verletzt, während schätzungsweise 1,2 Millionen Menschen vertrieben wurden. Das israelische Militär teilte am Montag mit, die Angriffe würden bis auf Weiteres fortgesetzt.
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