Nach van-Aken-Rückzug: Luigi Pantisano will für die Linke in den Bundestag – “Ich stehe bereit

Nur einen Tag nachdem Jan van Aken seinen Rücktritt als Co-Vorsitzender der Linken erklärt hatte, kündigte der Stuttgarter Bundestagsabgeordnete Luigi Pantisano seine Bewerbung für diese Position an. Auf der Webseite des Bundestages formulierte er als zentrales politisches Ziel, die “Hoffnung gegen Rechts [zu] organisieren”.

Jan van Aken, der gemeinsam mit Ines Schwerdtner die Partei führte, hatte am Mittwoch mitgeteilt, auf dem Bundesparteitag im Juni nicht erneut für den Vorsitz kandidieren zu wollen. Wie er in einem Beitrag auf X mitteilte, geschehe dieser Schritt aus gesundheitlichen Gründen.

Luigi Pantisano, seit 2022 stellvertretender Landessprecher der Linken in Baden-Württemberg und bis 2024 Mitglied im Bundesparteivorstand, erklärte am Donnerstag, sich auf dem anstehenden Parteitag in Potsdam um die Nachfolge van Akens zu bewerben. In seiner Erklärung heißt es:

“Liebe Genoss*innen, ich gehe diesen Schritt in großer Demut. Die Linke hat sich mit Jan und Ines erneuert und stabilisiert. Die Linke war das Comeback des Jahres bei der Bundestagswahl. Mehr als 70.000 neue Genoss*innen sind dazugestoßen. Gemeinsam haben wir uns vorgenommen, die Linke zur organisierenden Klassenpartei zu machen.”

Aktuell verzeichnet die Partei in Umfragen Zustimmungswerte zwischen 10 und 11 Prozent. Pantisano beschrieb seine Motivation wie folgt:

“Mit dem Ziel, die zurückzugewinnen, die zurecht wütend und enttäuscht von der Politik sind. Mit einer Kampfansage an die abgehobene Politik und ihre reichen Freunde haben wir unsere Identität als Partei der arbeitenden Klasse wiederhergestellt. Hier möchte ich anschließen und den nächsten Schritt gehen.”

Der 47-jährige Politiker ist stellvertretender Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag und vertritt den Wahlkreis Stuttgart und Konstanz. Mit italienischen Wurzeln wäre er, wie der Spiegel bemerkte, der erste Vorsitzende der Linken mit eigener Migrationsgeschichte.

Sein Bruder Alfonso Pantisano bekleidet in Berlin das Amt des ersten offiziellen Queerbeauftragten der Hauptstadt und ist seit Juli 2023 Ansprechperson der Landesregierung für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt.

Zu den gesellschaftlichen Herausforderungen, die seine Kandidatur antreiben, sagte Pantisano:

“Immer mehr Menschen wenden sich von den etablierten Parteien und Politiker*innen ab, weil sie sich von ihnen vergessen, verlassen und nicht repräsentiert fühlen […] Neben Angst und Trauer führen die Kriege auch zu mehr Kosten: Lebensmittel, Sprit und Strom, alles wird teurer. Die AfD greift die Wut und Hoffnungslosigkeit vieler Menschen auf, schürt sie weiter und nutzt sie für rechte Hetze. Die anderen Parteien eifern ihr nach. Die Linke dagegen organisiert Solidarität und Zusammenhalt.”

Die amtierende Co-Vorsitzende Ines Schwerdtner zeigte sich Medienberichten zufolge mit der möglichen Nachfolge einverstanden:

“Mit seiner langjährigen Erfahrung in der Partei, im Bundestag und in der Kommunalpolitik bringt er wichtige Fähigkeiten mit, um die Partei weiter gut aufzustellen.”

Unterdessen schloss Bundestagsfraktionschefin Heidi Reichinnek eine eigene Kandidatur aus. Im ZDF-Morgenmagazin begründete sie dies mit den Worten: “Ich bin ausgelastet.”

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