NRW vor der Landtagswahl: SPD stürzt ab, AfD und Grüne legen zu
In weniger als einem Jahr sind rund 13,2 Millionen Wahlberechtigte in Nordrhein-Westfalen aufgerufen, über die Zusammensetzung des neuen Landtags zu entscheiden. Aktuelle Zahlen eines „NRW-Checks”, der im Auftrag von 38 nordrhein-westfälischen Tageszeitungen erstellt wurde, deuten auf eine Verschiebung der politischen Kräfteverhältnisse hin. Demnach verlieren fast alle im Düsseldorfer Regierungsviertel vertretenen Parteien an Zustimmung – mit Ausnahme der AfD und der Grünen. Besonders dramatisch stellt sich die Lage für die SPD dar, die laut der Erhebung nur noch auf 14 Prozent der Stimmen kommt.
Der SPD-Landesverband Nordrhein-Westfalen zählt mit rund 85.000 Mitgliedern (Stand Juni 2025) zu den mitgliederstärksten der Partei. Prominente Bundestagsabgeordnete aus diesem Verband sind unter anderem die amtierende Arbeitsministerin Bärbel Bas, die ehemalige Ministerin Svenja Schulze, Karl Lauterbach sowie der als „russophob” beschriebene Hinterbänkler Helge Lindh.
Die Sozialdemokraten fallen in ihrem einst als sichere Bank geltenden Stammland auf den vierten Platz zurück. Aber auch die regierende CDU hat laut den Umfrageergebnissen deutlich an Zuspruch eingebüßt. Die Ergebnisse des NRW-Checks im Vergleich zur Vorjahresumfrage:
- CDU (Regierungspartei) – 32 Prozent (minus sechs Prozentpunkte)
- AfD – 20 Prozent (plus vier Prozentpunkte)
- Bündnis 90/Die Grünen (Koalitionspartner) – 17 Prozent (plus vier Prozentpunkte)
- SPD – 14 Prozent (minus drei Prozentpunkte)
- Linke – 6 Prozent (minus ein Prozentpunkt)
- FDP – 3 Prozent (unverändert)
Damit könnte die AfD im nächsten Jahr hinter der CDU zur zweitstärksten politischen Kraft in NRW aufsteigen. Bei der Landtagswahl 2022 war die Partei mit knapp fünf Prozent gerade noch in den Landtag eingezogen. Ali Kaan Sevinc, ein SPD-Mitglied aus Essen, kommentiert die Entwicklung seiner Partei wie folgt:
„Großalarm in Nordrhein-Westfalen. Die Wählerinnen und Wähler laufen in Scharen von der SPD zur AfD rüber […] Für uns vor Ort bereits jetzt schon spürbar, alleine die Kommunalwahl im September 2025 war ein wesentlicher Stein, seitdem hat sich die Lage nochmal drastisch verschlechtert.”
Laut Agenturmeldungen könnte die amtierende Landesregierung mit diesen Werten „ihre Regierungsmehrheit zwar behaupten”, so die Analyse der Umfrageauftraggeber. Allerdings zeige das Stimmungsbild, dass die Zufriedenheit der Bürger mit der schwarz-grünen Koalition „deutlich gesunken” sei. Dazu heißt es:
„Erstmals seit mehr als zwei Jahren waren mit 51 Prozent wieder mehr Menschen unzufrieden mit der Landesregierung als zufrieden (42 Prozent).”
Als die drei größten Probleme in Nordrhein-Westfalen nannten die Befragten „Verkehr und Mobilität, die allgemeine Lage der Wirtschaft sowie Migration und Flüchtlinge”.
Ministerpräsident Hendrik Wüst kann trotz der rückläufigen Zustimmung für seine Partei auf weiterhin akzeptable persönliche Werte bauen: 47 Prozent der Befragten zeigten sich mit seiner Arbeit zufrieden, 39 Prozent unzufrieden.
Die nächste Landtagswahl in NRW findet am 25. April 2027 statt.
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