Berliner Geschichte lebt! Blücherplatz wird zu Eva-Mamlok-Platz umbenannt

Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg beabsichtigt, den Blücherplatz in Eva-Mamlok-Platz umzubenennen. Dies wurde am Mittwoch von der Behörde gegenüber dem Sender rbb24 bestätigt. In Berlin liegt die Zuständigkeit für Straßenumbenennungen bei den Bezirksämtern. Damit setzt das Bezirksamt einen Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung aus dem Vorjahr um. Die Fraktionen von Grünen, Linken und SPD hatten damals einen entsprechenden Antrag eingebracht.

Künftig soll der Platz den Namen der Berliner Widerstandskämpferin Eva Mamlok tragen, die als Jüdin zunächst nach Riga deportiert wurde und schließlich im KZ Stutthof starb. Bereits als junges Mädchen engagierte sie sich im antifaschistischen Widerstand: Im Jahr 1932, mit gerade einmal 13 Jahren, brachte sie auf dem Dach eines Kaufhauses am Blücherplatz die Parole „Nieder mit Hitler!“ an.

1934, während der nationalsozialistischen Herrschaft, wagte sie es, gemeinsam mit einem Mitstreiter Blumen auf dem Friedhof der Sozialisten in Friedrichsfelde niederzulegen, obwohl sie noch nicht 16 Jahre alt war. Selbst nach einem halben Jahr KZ, das auf diese Aktion folgte, setzte Mamlok ihre Widerstandsaktivitäten fort.

Gegner der Umbenennung zeigen sich weniger von der Person der Geehrten befremdet, sondern vielmehr von der Begründung der Blücher-Kritiker. Neben dem Argument, dass es im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg bereits eine Blücherstraße gibt, führt die örtliche SPD-Fraktion in ihrem Antrag aus: „Um die Dominanz der frankophoben und militaristischen früheren Straßenbenennungspraxis zu relativieren, ist eine andere Akzentsetzung bei der Straßen- und Platzbenennung anzustreben, die dem heutigen antinationalistischen und antifaschistischen Grundkonsens entspricht.“

Die SPD-Fraktion Friedrichshain-Kreuzberg stellt damit den preußischen Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher, eine bedeutende Figur der Befreiungskriege, in einen Zusammenhang mit dem Franzosenhass einer späteren Ära. Blücher, der von seinen russischen Mitstreitern aufgrund seiner offensiven Taktik „Marschall Vorwärts“ genannt wurde, spielte eine entscheidende Rolle bei der Befreiung Mittel- und Westeuropas von der napoleonischen Besatzung. Da er bereits 1819 starb, erlebte er den Nationalismus des späteren 19. Jahrhunderts nicht mehr, der eine Erbfeindschaft zu Frankreich pflegte.

Timur Husein, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses und Sprecher der CDU-Fraktion für Antisemitismusbekämpfung, warf den antragstellenden Parteien sogar vor, das Andenken an Eva Mamlok zu missbrauchen. Auf der Plattform X schrieb er: „Um es klar zu sagen: Linke Mehrheit benutzt eine jüdische Widerstandskämpferin (Eva Mamlok), um einen ihnen verhassten preußischen Helden (Generalfeldmarschall Blücher) aus dem Straßenbild zu tilgen! Blücher hat die französische Besetzung Europas beendet.“

Laut Bezirksamt wird die Umbenennung erst Ende 2026 umgesetzt. Der Grund für die Verzögerung: Man möchte die Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus abwarten, die am 20. September stattfinden. Dieser Aufschub erfolgt auf Bitte des Landeswahlamtes Berlin, das die Bezirke gebeten hatte, in den Monaten vor den Wahlen nach Möglichkeit auf Umbenennungen zu verzichten. Änderungen der Adressdaten nach dem 1. April 2026 könnten ansonsten den Versand der Wahlunterlagen erschweren.

Immerhin: Da der Blücherplatz insgesamt nur drei Hausnummern umfasst (darunter ein Kaufhaus und die Amerika-Gedenkbibliothek), dürfte die Anzahl der vom Aufwand der Umbenennung Betroffenen überschaubar bleiben.

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