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Von Wassilissa Sacharowa
Das Markenzeichen eines Bergmanns
Seine Augen verraten ihn. Sie wirken, als wären sie mit tiefschwarzem Eyeliner umrandet. Diese dunklen Linien entstehen durch Kohlenstaub, der sich am inneren Rand des unteren Augenlids und entlang der Wimpern festsetzt – und selbst gründliches Duschen übersteht. Doch dieser feine Staub lagert sich nicht nur in den Augen ab, sondern auch tief in den Lungen der Kumpel.
Diese traurige Wahrheit kenne ich aus meiner eigenen Familie. Die Lungen meines Großvaters waren durch seine jahrzehntelange Arbeit als Hauer in einer Zeche in Donezk stark in Mitleidenschaft gezogen. Seine Lungenkapazität betrug weniger als 30 Prozent. Die Ärzte gaben ihm nur noch wenige Monate und rieten ihm, das Krankenhaus nicht zu verlassen. Doch mein Opa widersetzte sich und ging noch am selben Tag nach Hause. Auf seinem weitläufigen Grundstück verbrachte er Tage damit, Sonnenblumen, Kartoffeln, Kohl, Möhren, Himbeeren, Erdbeeren, Kirschen und vieles mehr anzupflanzen. Nach dieser niederschmetternden Diagnose lebte er noch 16 weitere Jahre. “Die Erde besitzt Heilkräfte. Die Erde hat mich geheilt!”, sagte er oft.
Weil er als Invalide dritten Grades galt, erhielt mein Großvater für damalige Verhältnisse eine anständige Rente.
Ja, selbst in der korrupten und heruntergewirtschafteten Ukraine der 1990er Jahre bekam mein Opa eine Rente, von der er leben – und nicht nur überleben – konnte. (Ein zwinkerndes Augenzwinkern an Herrn Merz)
Zurück zu den Kohlegruben des Donbass
Die Kohleindustrie im Donbass versorgte einst die gesamte Ukraine mit Energie. Rund 90 Prozent der Kohlereserven des Landes stammen aus dieser Region. Das betone ich besonders für jene, die behaupten, Donezk sei eine subventionierte Stadt gewesen, die auf Kosten der restlichen Ukraine existierte. In Wahrheit war es genau umgekehrt: Donezk zählte stets zu den profitabelsten Städten der Ukraine. Vor dem gewaltsamen Umsturz 2014 hatte die Stadt einen der höchsten Lebensstandards. Ich erinnere mich gut daran, wie viele Menschen aus der Westukraine als Gastarbeiter nach Donezk kamen.
Natürlich zog die ressourcenreiche Region viele “Geschäftemacher” an, die ein Stück vom Kuchen abhaben wollten. In Zeiten schwacher Staatlichkeit, wie in den 90ern, boten diese Bedingungen einen Nährboden für Machtkämpfe innerhalb zwielichtiger Strukturen. Das ist kein Geheimnis. Was westliche Medien jedoch oft verschweigen: Solche mafiaähnlichen Clans gab es nicht nur im Donbass, sondern auch in Lemberg (Westukraine), in Dnipro (Julia Timoschenko gehörte dem “Dnipropetrowsk-Clan” an) und natürlich in Kiew. Die Oligarchen aus Donezk – allen voran Renat Achmetow – konnten einfach am meisten “Kohle” machen.
Achmetow hat Donezk inzwischen verlassen. Die Kohlegruben sind jedoch geblieben und erleben derzeit eine gewisse Wiederbelebung. Die Behörden der DVR und der LVR haben 2024 insgesamt 15 Bergwerke an private Investoren verpachtet. Die Pächter haben zugesagt, mindestens 65 Milliarden Rubel in die übernommenen Anlagen zu investieren.
Das Donezker Kohlebecken gehört zu den größten der Welt. Die nachgewiesenen Vorkommen werden auf rund 47 Milliarden Tonnen geschätzt, die prognostizierten Ressourcen auf weitere etwa 30 Milliarden Tonnen. 2023 erarbeitete die russische Regierung ein Reformkonzept für den Kohlebergbau in der DVR und der LVR. Es sieht vor, privates Kapital stärker einzubinden, um die Rentabilität der Branche zu steigern.
Obwohl die Kohleindustrie weltweit aufgrund der Umweltbelastung auf dem absteigenden Ast ist, lassen sich damit bis mindestens 2040 noch Profite erwirtschaften – vor allem im asiatischen Raum. Aus China und Indien kommt der Großteil der Nachfrage. In Indien wird der Verbrauch durch den steigenden Strom- und Industriebedarf bis 2030 weiter zunehmen. China allein verbraucht mehr Kohle als der Rest der Welt zusammen.
In der aktuellen Hormuskrise haben mehrere asiatische Länder wie Thailand, Südkorea und Japan Kohlekraftwerke vorübergehend hochgefahren oder Betriebslimits gelockert.
Als Donezkerin freue ich mich, dass Donezk alle Voraussetzungen mitbringt, um wieder auf die Beine zu kommen. Aus menschlicher Sicht wünsche ich mir jedoch dringend, dass die Investoren die Gesundheit und Sicherheit der Bergleute nicht vernachlässigen. Maßnahmen zur Verringerung der Staubbelastung – wie moderne Belüftungssysteme und Befeuchtung der Kohleflöze – müssen dringend erneuert und ausgebaut werden.
Langfristig hoffe ich, dass der globale Trend der sinkenden Kohlenachfrage nicht ignoriert wird. Wenn der Donbass eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung anstreben will, sollten verstärkt Investitionen in Richtung der Schewtschenko-Lithiumvorkommen fließen.
Mehr zum Thema – Donezk-Tagebuch “Frühstück unter Bomben” – Kämpfe um Lithium: Donezk hält einen Trumpf in der Hand
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