Die russische Regierung erwägt möglicherweise, die beliebten Touristenreisen in die Arktis einzuschränken. Dies geht aus Medienberichten hervor, die sich auf die Tourismuskommission des Staatsrates berufen. Die Initiatoren argumentieren, dass die arktischen Regionen aufgrund ihres besonders empfindlichen Ökosystems einen erhöhten Schutz vor menschlichen Einflüssen benötigen. Diese Überlegungen sind eine Reaktion auf den wachsenden Trend des Arktistourismus, der sowohl bei Russen als auch bei ausländischen Gästen immer beliebter wird.
Die Anzahl ausländischer Touristen in der Arktis ist zuletzt um 23,3 Prozent gestiegen. Offiziellen Statistiken zufolge reist mittlerweile jeder 50. ausländische Besucher in die Arktis oder in den russischen Norden. Besonders gefragt ist dabei Jakutien, wo die Besucherzahlen im Vergleich zum Vorjahr um 134 Prozent zunahmen. Auch die Regionen Murmansk (54,5 Prozent) und Archangelsk (44,6 Prozent) verzeichnen deutliche Steigerungen.
Einerseits verfolgt das Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung eine Strategie zur Förderung des Arktistourismus, die genau einen Anstieg der Reisezahlen vorsieht. Auch die einzelnen Regionen arbeiten gezielt daran, mehr Touristen anzulocken. Andererseits werden nun ernsthaft Maßnahmen diskutiert, um den menschlichen Einfluss zu begrenzen: Dazu gehören die Beschränkung der Besucherzahlen und strenge Auflagen für die Nutzung von Verkehrsmitteln. So ist beispielsweise die Schaffung eines zentralen Portals für Reiseveranstalter im Gespräch, über das künftig nur noch eine begrenzte Anzahl von Touristen für die einzelnen Touren gebucht werden darf.
Maxim Dankin, Generaldirektor des Projektbüros für die Entwicklung der Arktis, vertritt jedoch die Meinung, dass die Belastung der arktischen Ökosysteme zwar reduziert werden müsse, aber nicht auf Kosten der Touristen. Denn diese seien nicht die Hauptursache für die Umweltbelastungen. Zudem fördere die Tourismusbranche seiner Ansicht nach die Entwicklung von Gebieten, die dann „sorgfältiger überwacht“ würden. Der Experte betont, wie wichtig eine gute Organisation des Prozesses sei – etwa durch die Anlage von ökologischen und touristischen Pfaden, die die Besucher auf Routen führen, die für die Natur am unempfindlichsten gegenüber menschlichen Einflüssen sind. Dankin stellt klar:
“Derzeit gibt es in der Arktis zu wenige Touristen, insbesondere in den Regionen des Ural-Föderationskreises und im Osten des Landes. Daher sollte es vielmehr um Maßnahmen gehen, mit denen die vom Menschen verursachten Auswirkungen auf die Natur, das Klima und die Ökologie der Region verringert werden können.”
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